Gesellschaft | 12.11.2007

Neue Sterne am Modehimmel

Text von Daniela Dambach
Bereits zum achten Mal wurde in der Toni Eventhall in Zürich der Swiss Textiles Award und der Annabelle Award verliehen. Acht Shows waren es auch, von welchen sich das Publikum beeindrucken und inspirieren lassen konnte.
Elfenhaft sind die Kleider. . . und streng ist der Blick. Fotos: Johannes Dietschi

Nach delikaten Apéro-Häppchen und prickelndem Champagner begrüsste um 20.30 Uhr der Moderator Marco Fritsche die 1’400 erwartungsvollen Gäste. Als Co-Moderatorin schwebte die namhafte englische Schauspielerin Hattie Morahan ins Scheinwerferlicht und entzückte mit ihrem lockeren und charmanten Naturell. Gemeinsam eröffneten sie die wichtigste Show im Schweizer Modezirkus mit internationaler Tragweite. Zwei Designerinnen und drei Designer aus Grossbritannien, Frankreich und Österreich hatten sich für den vom Schweizer Textilverband initiierten Modepreis qualifiziert. Sie mussten nun noch mit ihrer Kollektion und nicht zuletztmit ihrer Show die Expertenjury und das Publikum für sich gewinnen. Laufsteg frei für die lebendigen Stoffe!

Feminine Mode für die starke Frau
Die Nominierten wurden durch Filmsequenzen porträtiert, welche auf den Deckenleinwänden abgespielt wurden und aufgrund deren Länge im Verlauf des Abends durchaus zu Nackenstarre führen konnten. Anschliessend begannen die jeweiligen Defilees auf den sechzig Meter langen Catwalk in der für einmal glamourösen Fabrikhalle. Das Klischee „Mann macht Mode für Frau“ wurde weitgehend erfüllt. Marios Schwab und Gareth Pugh, beide aus Grossbritannien, konnten dem Publikum mit ihren Kollektionen die lautstärksten Begeisterungsbekundungen entlocken. Der 27-jährige Marios Schwab interpretiert die Silhouette der Frau höchst feminin, kraftvoll und dennoch gefühlvoll. Der an den British Fashion Awards zum Best New Designer 2006 erkorene Schwab kombiniert korsagenartige Teile mit fallenden, feinen Stoffen.

Kostümierte Puppen
Weitaus exzentrischer war die theatralische Inszenierung der Damenkollektion des Dramatikers und Experimentalisten Gareth Pugh. Seine Show verursachte allgemeine Aufregung sowie Pfeif- und Klatschorgien im Publikum. Nicht nur seine schrillen, hoch erotischen und explosiven Outfits beeindruckten, sondern gleichermassen die schwindelerregenden Höhen der Plateauschuhe und der bis zum Anschlag hoch toupierten Pferdeschwänze der puppenhaften Models. Als dominierende Farbe setzt der 25 Jahre junge Brite schwarz ein, lässt Glimmer in ungesehenen Dimensionen glitzern und bringt ballonartige, voluminöse Elemente an den richtigen Stellen an. Die Kostüme, eher Verkleidungen als Bekleidung, taugen wenig für den Alltagslook einer Dame. Die Show allerdings fasziniert und hinterlässt bleibende Spuren im Gedächtnis. Von diesem «bösen Buben« ist noch einiges zu erwarten.

Tommy und der Stella-Nachwuchspreis
Nachdem sich die 12-köpfige Expertenjury zurückgezogen hatte und nach einem Showblock wieder auf der Bildfläche erschien, war klar: die Entscheidung war gefallen. Ohne unnatürliche Spannung zu erzeugen, nannte die Moderatorin den Namen des Siegers und Gewinners des Förderbetrags in der Höhe von 100’000  Euro: Marios Schwab. Sichtlich berührt und kaum eines Wortes fähig vor lauter Glück, bedankte sich der junge Designer bei allen Beteiligten. Mit dem Fördergeld kann sich Schwab Modeschauen und Produktionen bewerkstelligen. Nach diesem emotionalen Moment liess der nächste nicht lange auf sich warten.

Der charismatische Topdesigner Tommy Hilfiger betrat strahlend und von tosendem Applaus begleitet die Bühne. Ein junges Schweizer Nachwuchsmodetalent würde an diesem Abend den Annabelle Award mit nach Hause nehmen. Dem Gewinner winkt ein einjähriges Praktikum beim weltberühmten Modelabel Tommy Hilfiger, was ein direktes Sprungbrett in die internationale Modebranche bedeutet. Die fünf frisch diplomierten Schweizer Modetalente präsentierten je ein Meisterstück aus ihrer aktuellen Kollektion. Die siegreiche Gewinnerin ist Caroline Casanova aus Langenthal im Kanton Bern. Sie konnte Tommy Hilfiger mit ihrer schlichten, unverschnörkelten Frauenkollektion mit dem vielsagenden Titel „The Truth Is Found between the Lines“ und ihrer auf das Wesentlich reduzierten Mode überzeugen. Der Weg zu einer internationalen Modekarriere ist somit geebnet.

Die Stella Fashion Night führt eines klar vor Augen; neben internationalen Talenten gibt es auch in der Schweiz Modehoffnungen mit grossem Potenzial. Ein Potenzial, welches nur dank innovativen Ideen und der Vielfalt der Textilien ausgelebt und weiterentwickelt werden kann – dem Stoff, aus dem die Träume sind.

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