Kultur | 26.11.2007

„Meine Songs bringen meine Ex zum Weinen“

Als Tink.ch Matthew Murphy alias Murph von den britischen Wombats traf, entwickelte sich ruckzuck ein tiefschürfendes Gespräch über seinen Tod und das geheime Maskottchen der Band im gemütlichen Keller der Zürcher Hafenkneipe. Ein Interview der besonderen Art.
Matthew Murphy und seine Kollegen Dan und Tord haben ein Faible für Beuteltiere.
Bild: Tatjana Rüegsegger

Was ist dein Ritual bevor du auf die Bühne gehst?

Murph: Etwa eine Stunde bevor ich auf die Bühne gehe, nehme ich eine Tablette die mir hilft, meine Stimmbänder zu schonen. Eine halbe Stunde später rauche ich draussen eine Zigarette mit unserer Managerin Sarah oder unserem Fahrer Chris. Zwanzig Minuten vor dem Konzert beginne ich mit dem Singen und fünf Minuten vorher hole ich mir ein alkoholisches Getränk und werfe es mir ins Gesicht.

Du schmeisst dir ein Bier ins Gesicht?

Ach, das ist bildlich gemeint. Ich trinke es einfach schnell. So durchgedreht, mir eine Flasche ins Gesicht zu werfen, bin ich noch nicht.

Euer Bassist Tord Øverland-Knudsen kommt aus Norwegen. Gibt es da nie Verständnisprobleme?

Gott nein, in Norwegen sprechen sie besseres Englisch als viele Engländer es tun. Sie lernen es von klein auf in der Schule. Er kam nach Liverpool um zu studieren, da haben wir uns kennen gelernt.

Und du und Dan ihr habt euch schon an dem von Paul McCartney gegründeten Liverpool Institute for Performing Arts kennen gelernt, oder?

Genau, wir trafen uns im ersten Jahr. Damals war ich noch der Meinung, dass Dan ein arroganter Idiot sei. Seine rechte Augenbraue war gepierct und er hatte versucht, seine Haare roas zu färben, was allerdings voll daneben ging. Sie waren eher grau. Irgendwann gab’s dann so eine Party und ich torkelte stockbesoffen in sein Zimmer herein. Anstatt mich rauszuwerfen, lud er mich auf ein Glas Wein ein. Nach diesem Ereignis wurden wir sehr enge Freunde.

Was ist der wichtigste Bestandteil eurer Band?

Ein Wombat (dt.: Beuteltier) aus Plüsch namens Cherub! Das ist unser Maskottchen.

Ist er hier?

Ja, er sollte hier im Gebäude sein.

Sarah (Managerin): Ich glaube er ist noch im Wagen.

Na ja er ist auf jeden Fall in Zürich. Wir wissen nicht immer wo er genau ist.

Er wurde doch erst gerade gekidnappt, nicht?

Cherub wurde letztens in London von einem Freund eines Freundes gebatnappt. Der hat uns dann gesagt er wolle freie Eintrittskarten fürs Glastonbury Festival, ansonsten würden wir ihn nie wieder sehen. Aber wir haben ihn trotzdem zurückbekommen, unser Manager holte ihn zurück.

Heisst euer Maskottchen mit vollem Namen nicht Cherub Mincy?

Eigentlich Cherub Mincey (lacht). Dan und ich nannten uns früher Mincey und Cindy, aber frag mich nicht wieso. Wir nannten uns manchmal auch Cherub (Engel) darum dachten wir, wir sollten ihn auch so nennen. Es gibt keine echte Logik in all unseren Namen. Es ist einfach albern.

Gibt es denn wenigstens einen Grund, warum ihr euch „The Wombats“ nennt?

Ja, wir hatten so ein Ding mit Tieren. Anstatt uns als Blödmann zu bezeichnen, sagten wir Sachen wie: „Du alter Wombat“. Einfach als Ersatz für „Du Idiot“.

Ihr habt ja sogar ein Lied, das Tieren gewidmet ist: „Tales of boys, girls and marsupials“.

Ja wir wollten unseren eigenen „Theme“ haben, etwas an dem man uns erkennen kann. Wir beginnen die meisten Shows mit diesem Song.

Wo holst du denn die Inspiration her um deine Texte zu schreiben? Ich finde sie äusserst geistreich und ironisch.

Und trocken. Ich schreibe eigentlich nur über Sachen, die ich getan habe oder die mir passiert sind. Dinge, die ich immer wieder tue, obwohl ich weiss, dass sie am Ende schlimm herauskommen. Ich habe auch das Talent, meine Erfahrungen dramatischer darzustellen, als sie in Wirklichkeit waren. Das ist eigentlich ziemlich übel, denn ich benutze oft Mädchennamen und wie zum Beispiel der meiner Exfreundin Laura. Es ist verständlich, dass es Songs gibt, die sie nicht mag. Ich denke, das ist der Nachteil wenn du ehrliche Songs schreibst.

Wie reagiert deine Ex, wenn sie einen Song hört, der sich um sie dreht?

Emotional. Als wir gerade Schluss gemacht hatten und ich an einem Konzert den Song „Party in a Forest (Where’s Laura)“ spielte, weinte sie. Meine aktuelle Freundin geht jedes Mal, wenn wir dieses Lied spielen, an die Bar und sagt zum Barkeeper: „Das ist mein Stichwort für einen Drink.“

Was ist das Schlimmste, das du je gemacht hast?

Die Liste ist unendlich. Das wirklich Schlimmste was ich je gemacht habe, war wahrscheinlich, einmal an einer Party die ganze Nacht lang verschiedenes Zeug zu nehmen, etwa bis um acht Uhr Morgens. Danach war ich so weggetreten, dass ich eine Woche lang nicht mehr sprechen konnte. Nach sieben Tagen wurde ich ins Krankenhaus eingeliefert, wo sie mir Beruhigungsmittel geben mussten, damit ich wieder normal wurde. Etwas Schlimmeres ist mir wirklich noch niemals passiert. Aber ich habe daraus gelernt.

Was ist deine schönste Kindheitserinnerung?

Überlegt lange.

Es muss auch nichts philosophisches sein.

Vermutlich einfach im Garten meiner Grosseltern herumrennen. Mich hinter den Tomaten verstecken während sie so taten, als ob sie mich suchen würden.

Wie würdest du sterben wollen?

Es sollte auf jeden Fall blöd und dramatisch sein. Wie zum Beispiel, mich auf meinem Stuhl zurücklehnen und von einem Wolkenkratzer zu stürzen. Und wenn ich dann auf dem Boden aufklatsche, will ich mindestens zehn Leute mitziehen. Wenn ich schon sterbe, dann soll mein Tod wenigstens für Schlagzeilen sorgen. Es soll zwar dramatisch sein, aber nicht traurig.

Was ist das Schlimmste, was du je gemacht hast?

Die Liste ist unendlich. Das wirklich Schlimmste was ich je gemacht habe, war wahrscheinlich, einmal an einer Party die ganze Nacht lang verschiedenes Zeug zu nehmen, etwa bis um acht Uhr Morgens. Danach war ich so weggetreten, dass ich eine Woche lang nicht mehr sprechen konnte. Nach sieben Tagen wurde ich ins Krankenhaus eingeliefert, wo sie mir Beruhigungsmittel geben mussten, damit ich wieder normal wurde. Etwas Schlimmeres ist mir wirklich noch niemals passiert. Aber ich habe daraus gelernt.

Du sprichst offenbar sehr viel und gerne. Welches ist denn die beste Ausrede, die du je erfunden hast?

Da gab es viele. Ich hab mal meinem Geographielehrer gesagt, dass meine Hausaufgaben in Amsterdam sind weil mein Vater dort ein Meeting hatte und er aus Versehen meine Tasche genommen hat.

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