Kultur | 05.11.2007

„Gesang macht die Musik kaputt“

Text von Laura Folkers | Bilder von Apocalyptica
Klassik und doch Heavy Metal, das sind die finnischen Apocalyptica nun schon seit mehr als zehn Jahren.
So stellt man sich Cellospieler eher nicht vor.
Bild: Apocalyptica

Alles begann mit Klassik-Coverversionen von Metallica-Songs. Die vier Finnen Eicca Toppinen, Paavo Lötjönen, Max Lilja und Antero Manninen lernten sich an der Sibelius-Akademie in Helsinki kennen und gründeten Apocalyptica. Heute sind die zwei letztgenannten Bandmitglieder nicht mehr dabei, sie wurden von Pettu Kivilaakso und Mikko Sirén ersetzt.

Während einige Metal-Fans es wohl nur schwer verdauten, dass eine finnische Band Songs von Metallica in ein klassisches Gewand steckte, tat dies dem Erfolg von Apocalyptica keinen Abbruch. Ihr Debutalbum „Apocalyptica plays Metallica by four Cellos“ wurde ein Überraschungserfolg und zeigt bis heute, in welche Richtung sich die Vier musikalisch bewegen. Obwohl die Musik der Band für fast jeden etwas bietet, kommt sie doch nur unter einer Voraussetzung an: Man muss Metal mögen.

Gemeinsamer Nenner
Es lohnt sich, Apocalyptica zu entdecken: Sie spielen langsame, wunderbar melancholische Lieder wie „Romance“ oder „Far Away“, virtuose Stücke wie „Coma“ oder „Fight Fire with Fire“, harte Songs wie „Drive“ oder „Heat“ und natürlich auch die allerseits bekannten Lieder mit Gastsängern wie „Bittersweet“ oder das bis anhin neuste „Repressed“. Alles sehr unterschiedlich und doch gibt es bei all den Songs einen gemeinsamen Nenner: das Cello. Allerdings sind in den vergangenen zehn Jahren aus vier Celli drei geworden und nachdem Antero Manninen Perttu Kivilaakso Platz gemacht hatte und Max Lilja die Band ebenfalls verliess, kamen 2005 Drums dazu. Wieso plötzlich Drums? „Die Songs haben es einfach verlangt. (…) Die Entscheidung ging meist von der Musik und nicht von uns aus“, sagte Eicca Toppinen in einem Interview.

Kollaborationen
Eine wichtige Entscheidung, denn somit haben sich Apocalyptica von der Klassik entfernt und sind dem Metal ein Stück näher gerückt. Was ihrem Erfolg jedoch keinen Abbruch tat. Im Gegenteil, die Herzschmerz-Single „Bittersweet“, die sie mit Ville Valo und Lauri Ylönen als Gastsänger aufgenommen hatten, hielt sich elf Wochen lang auf Platz eins der finnischen Charts. Womit wir noch einmal beim Thema der Gastsänger wären. Immer wieder hat die Band mit anderen Künstlerinnen und Künstlern kollaboriert. Die Liste reicht von Guano Apes-Frontfrau Sandra Nasic bis hin zu Die Happy-Sängerin Marta Jandová. Und dies obwohl einer der Herren einmal gesagt haben soll: „Gesang macht die Musik kaputt.“
Aber ob nun mit oder ohne Gesang: Am 9. November kommen Apocalyptica auf jeden Fall ins Zürcher Volkshaus. Wer sich also immer noch nicht vorstellen kann, wie man Metal mit Klassik verbindet, dem sei dieses Konzert ans Herz gelegt.

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