Kultur | 05.11.2007

Französischer Charme en Suisse

Text von Sandro La Marca
Die französische Cover-Band Nouvelle Vague verzauberte mit träumerischen Klängen das Publikum.
30. Oktober: Nouvelle Vague im X-tra in Zürich. Fotos: Sandro La Marca Die Soulstimme der Band: Phoebe Killdeer Ein Hauch von Film noir überzieht die ausdrucksstarke Musik der Band Melanie Pain: die zarte Stimme der Band

Verträumt und mystisch begann das Konzert im Palais X-tra am letzten Dienstag mit „Killing Moon“ (Ursprünglich von Echo & the Bunny Man). Der Saal: voller Menschen, jungen und alten. Die Erwartungen: gross. Das Rascheln der Perkussionsinstrumente setzt ein und wie eine stille Flut im Mondschein begannen Nouvelle Vague den Saal mit ihrem Klang zu überschwemmen. Das Publikum wurde von Anfang an mitgerissen und nicht mehr losgelassen.

Nouvelle Vague müssen als Stil-Ikonen bezeichnet werden, denn sie überqueren mit solch kühner Gelassenheit und mit einer Leichtigkeit ein musikalisches Territorium, um das, wegen seinen radikalen und kompromisslosen Zügen viele einen grossen Bogen ziehen. Der Punk- und New Wave-Charakter schien beim Konzert sogar noch deutlicher durch als auf ihrer CD, was sich bei manchen Stücken wie bei „Too Drunk To Fuck“ in einer euphorischen Ausgelassenheit zeigte, die den Charme nie verlor, besonders nicht nicht als Melanie mit französischem Akzent „Ich möchte ein Eisbär sein…“ anstimmte, vom Song „Eisbär“, der den Schweizer Martin Eicher und seine Band Grauzone zu Wegbereitern der Neuen Deutschen Welle machte.
 

So gut, dass es weh tut

Bereits die Nachnamen der sehr charismatischen Sängerinnen, Pain und Killdeer, verraten eine gewisse Authentizität. Depressiv, schrill, arrogant, aggressiv oder schlicht verrückt: diese Attribute unter anderem, die in der Musik und dem Auftreten der Vorbilder von Nouvelle Vague stecken, um nur einige zu nennen, werden nicht etwa heruntergespielt oder ignoriert, sondern dem Publikum geradewegs an den Kopf geworfen. Diese Musik ist so gut, dass es weh tut. Und auch wenn sie Songs covern, welche für viele unter Denkmalschutz gehören, kann man ihre Versionen auch nur als Denkmäler im eigentlichen Sinne verstehen, denn sie erinnern an grosse Momente der Musikgeschichte. Und auch wenn man keine Ahnung von diesen Momenten hat, was natürlich einer Todsünde gleichkommt, so wird man trotzdem nicht daran gehindert, sich in die, beziehungsweise zu der Musik von Nouvelle Vague zu verlieben. In diesem Sinne: die „neue Welle“ ist für alle da. Joyeux Nouvelle!

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