Kultur | 15.11.2007

Fear and Loathing in Bielefeld

Text von Moritz Noser | Bilder von Hiphopstylez.com
Leim schnüffeln, Enten mit Heroin füttern und sonstige Spässe stehen beim deutschen Hip-Hop Duo Pimpulsiv im Mittelpunkt. Wie sich das Debüt der durchgeknallten Bielefelder anhört, kann man hier lesen.
Skinny Chef und Timmy Hendrix bilden das Duo Pimpulsiv.
Bild: Hiphopstylez.com

„HoetryLP“ nennt sich das Debütalbum der Bielefelder Crew Pimpulsiv. Dass man von diesem Duo bestehend aus Skinny Chef und Timmy Hendrix noch nicht viel gehört hat, liegt aber nicht unbedingt an ihrem Können. Viel eher ist es so, dass die Majorlabels lieber auf Berliner Aufsteiger anstatt auf Rap aus Nordreihn-Westfalen setzen. In diesem Fall würde es sich für die Produzenten und Talentsucher aus der Hauptstadt jedoch lohnen, über den Tellerrand zu gucken.  Das Album von Pimpulsiv ist nämlich mit Sicherheit etwas vom Eigenwilligsten, was der Deutsche Rap zurzeit zu bieten hat. Veröffentlicht wurde das Album über 667 Records („onemorethanthedevil“) wo unter anderem auch der in der Szene gefeierte Casper unter Vertrag ist. Während Skinny Chef den grössten Teil des Albums produzierte, übernahm Timmy Hendrix hauptsächlich den Rap. Schon im Booklet wird klar, dass die Jungs grosse Fans vom Kultstreifen „Fear and Loathing in Las Vegas“ sind.

Psycho und Stoned

Dementsprechend hört sich auch das Album an. Zelebriert werden Drogenmissbrauch, Sexorgien und Realitätsverlust. Jedoch werden diese Themen eher ironisch aufgegriffen und nur gelegentlich dringt eine melancholische Selbstreflexion durch. Dank genialen Wortspielen heben sich Pimpulsiv klar vom Gansterrapeinheitsbrei ab. Streckenweise erinnert die Ironie, mit der sie über den Abschaum dieser Welt singen, an Eminem. Die überspitzten Aussagen über den Drogenmissbrauch sind laut Aussagen der Beiden in Interviews nicht vollends frei erfunden. Weiter ins Detail gehen mochten sie da aber nicht. Wie es sich anhört, wenn Timmy über Gefühle singt, zeigt folgender Reim: „Nur weil ich zur Satire neig und über Vaginen schreib, denkt ihr, dass ich nie gelernt habe was Liebe heisst.“ Dazu kommt ein Pianobeat, der so schön ist, dass das Stück durchaus unter die Haut geht.

Auch „4 all my people“ geht in die ähnliche Richtung. Doch selbst wenn der Name es vermuten lässt, es ist keine typische Homie-Crew-Hymme geworden. Die erste Strophe wird „Menschen die in schwersten Tagen nicht mehr an ein Wunder glauben“ oder „Jedem dessen Zeit noch nicht kam“ gewidmet. Im dritten Teil des Lieds besingt Timmy dann „alle seine Leute“, vom Psychiater bis zur Mama. Das ganze wir ziemlich stimmig von Skinny Chef untermalt. 

In den restlichen Tracks wird vor allem gebattlet („Kommaran“, „667“) und ein abgedrehter Lebensstil zelebriert („Kamikaze“, „Tokio Bordell“). Verstärkt wird das Duo von Lackmann (Kreuzfeld & Jakob), Casper und den restlichen Rappern der 667-Crew. Was heraussticht, und was wahrscheinlich der Grund ist, sich das Album zu holen, ist Timmys Wortwitz und seine Fähigkeit, seine Stimme bei jedem Track zu verwandeln. Der selbsternannte Meister des schwarzen Humors klingt mal paranoid, mal stoned, dann wieder nachdenklich oder verbittert. Auf ihrer Website gibt es übrigens die etwas ältere „HoodstockEP“ gratis zum Downloaden. Auch diese ist wärmstens zu empfehlen.

Info:


Die "HoetryLP" ist bei 667 und Flavamatic Records erschienen und kann online bei www.amazon.de bestellt werden.

Links

  • www.pimpulsiv.de