Kultur | 12.11.2007

Eine abstrakte Komödie

Text von Michael Urwyler
Am 31. Oktober feierte das Stück "Endidyll" von Jens Nielsen im Theater Tuchlaube in Aarau seine Aargauer Premiere.
"Steffi"auf der Suche nach der Wahrheit: Eine Szene aus dem Stück "Endidyll". Fotos: Lydia Lymbourides Eine ganz normale Familie? Mitnichten, wie Autor Jens Nielsen zeigt.

Das Theater Tuchlaube liegt Mitten in der Altstadt von Aarau. Bequem zu Fuss erreichbar weil nur acht Minuten vom Bahnhof entfernt. Die gemütliche Bar im innern des Altbaus, welcher das Theater beherbergt lässt Raum zu Diskussionen. Denn wer das Stück „Endidyll“ von Jens Nielsen (Text) und Antje Thoms (Regie) gesehen hat, kann das Gesehene und Erlebte nicht leicht verdauen: Das Stück ist zwar durchaus witzig, regt aber sehr zum Nachdenkenan.

Ein Sohn namens Steffi
Das Bühnenbild ist relativ einfach und praktisch gestaltet. Vier Würfelhocker
aus Holz vor einem Vorhang bilden den Hauptteil des Bühnenbildes und dienen zugleich als Stauraum für zahlreiche Requisiten, welche im Laufe des Stückes nach und nach aus ihren Verstecken geholt werden. Der Auftritt der Schauspieler Uta Köbernick, Vivianne Mösli, Dominique Müller und Hansruedi Twerenbold lässt die Zuschauer zum ersten  Mal stocken. Wer eine einfache Familie erwartet hat, fühlt sich nicht bestätigt: Obwohl Mutter, Vater und Tochter einigermassen den Vorstellungen entsprechen, wirft der Sohn jegliche Tradition über den Haufen; er wird „Steffi“ geheissen, hat einen Bart, trägt ein rosa Ballerina-Kleidchen und lächelt die Zuschauer an.

Tod als Nebensache
Der Auftakt der Handlung ist ein Monolog des Vaters, der anscheinend mit einem Engel spricht. Aus dem Monolog geht hervor, dass der Vater am folgenden Montag, um genau viertel nach zehn am Morgen stirbt. Die ab diesem Punkt folgenden Szenen zeigen einerseits vergangene Familienereignisse und andererseits aktuelle Handlungen, wobei dem Zuschauer die vier Charaktere und deren Eigenheiten näher gebracht werden. Die Abstraktion und Überzeichnung der Handlungen und Personen lassen das Stück sehr amüsant und witzig wirken, obwohl rasch ersichtlich wird, dass eine gewisse Ironie dahinter steckt. Denn während der Vater verzweifelt versucht, die letzten Momente mit seiner Familie zu geniessen, ist diese vollends mit sich selbst beschäftigt: Der Sohn ist auf der Suche nach der Wahrheit, die Tochter will sich selber finden, und die Mutter fühlt sich so vernachlässigt, dass sie der Situation zum Trotz, nicht mehr auf Anliegen an sie reagiert. Es folgt der Tod des Vaters, der den Rest der Familie zwar in Trauer stürzt, sie jedoch nicht in ihren Vorhaben stört. Das Verwirrspiel geht jedoch noch eine Stufe weiter, als die Tochter mittels eines Rituals den Vater aus dem Jenseits zurückholt.

Die Schauspielerinnen und Schauspieler in „Endidyll“ sind alle Mitglied der Theatergruppe Trainingslager. Ihnen gelingt es, die Charaktere mit all ihren Feinheiten den Zuschauern zugänglich machen, und der Handlung, die einerseits bestens unterhält und andererseits die Gedanken des Publikums anregt.

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