Gesellschaft | 26.11.2007

Die Kinderrechte werden erwachsen

Text von Rosa Stucki
Der 18. Geburtstag der UN-Kinderrechtskonvention: Ein guter Grund zum feiern? Experten aus verschiedenen Gebieten diskutierten über Probleme und Herausforderungen mit denen wir noch immer konfrontiert sind.
"Kinder haben das Recht darauf, Kinder zu sein", Marta Santos Pais bei ihrem Referat.

Jede Minute stirbt ein Kind unter 15 Jahren an den Folgen des HIV-Virus. Rund 250’000 Kinder werden weltweit als Soldaten missbraucht und in kriegerische Handlungen verwickelt. Weltweit arbeiten schätzungsweise 246 Millionen Kinder – fast 70 Prozent, unter gefährlichen Bedingungen. Jährlich werden drei Millionen Mädchen beschnitten. Mehr als 150 Millionen Mädchen und 73 Millionen Knaben sind Opfer sexueller Übergriffe. Rund 1.2 Millionen Kinder sind jährlich Opfer von Menschenhandel. (Quelle: Unicef) Vielleicht war es diese noch immer unvollständige Liste von Grausamkeiten, welche die Vereinten Nationen dazu brachte, vor 18 Jahren, am 20. November 1989 ein Dokument zu veröffentlichen, das den Kindern dieser ihre eigenen Menschenrechte gibt. Die UN-Konvention der Kinderrechte für alle Menschen unter achtzehn Jahren legt bis heute weltweit geltende Punkte fest, die den Schutz der Kinder, deren Überleben, Entwicklung und Wahrung ihrer Interessen garantiert. Alle Staaten haben dieses Abkommen ratifiziert, ausser Somalia und die USA.

Am Internationalen Symposium „Realisierung der Kinderrechte“ im KKL Luzern wurde das zehnjährige Jubiläum der UN-Kinderrechtskonvention in der Schweiz gefeiert und das neue Swiss Human Rights Buch „Realizing the Rights of the Child“ vorgestellt. Der Event wurde vom Internationalen Menschenrechtsforum Luzern und der Pädagogischen Hochschule Luzern geleitet. Zwei Referate von Marta Santos Pais, Direktorin des Unicef Forschungszentrums Florenz und Jean Zermatten, Vizepräsident des Uno Kinderrechtsausschusses schilderten eine Rückblick auf die letzten 18 Jahre der Kinderrechtskonvention und die weiteren Herausforderungen mit denen die heutige Welt konfrontiert ist. Eine spannende Podiumdiskussion am Mittag beendete das Symposium.

„Wir sind nicht nur die Zukunft, wir sind die Gegenwart“
Die Stimme der Kinder muss gehört werden um in deren besten Interesse arbeiten zu können. Dieser Punkt ist in Artikel drei definiert: „Das Wohl des Kindes ist vorrangig zu berücksichtigen.“ Leider ist es in bestimmten Situation schwierig zu beurteilen, ob Kinder in der Armee als Kindersoldaten besser aufgehoben sind als ausserhalb. Dieses Problem sorgte auch im Symposium für Gesprächstoff. Die Experten waren sich jedoch alle einig, dass der Artikel nur eine Verallgemeinerung ist und daher nicht die Kinder individuell anspricht. Um diese Unklarheit zu lösen, muss ein Gleichgewicht gefunden werden.
Es existieren zwar noch immer Probleme in den einzelnen Definitionen der Kinderrechte, doch hat die Konvention in den letzten 18 Jahren schon einiges erreicht. „Seit der Einführung der Konvention ist die Welt aufmerksamer geworden auf die Rechte der Kinder und mehr Kinder gehen nun zur Schule. Aber HIV/Aids, Armut und Kriege sind Gründe warum immer noch sehr viele Kinder nicht die Rechte bekommen die ihnen zustehen.“, erklärt Marta Santos Pais in ihrem Referat. Sie macht das Publikum aufmerksam auf diverse Herausforderungen rund um die Konvention, aber auch auf Möglichkeiten, diese Probleme zu lösen: „Wir brauchen eine Reform der Gesetzgebung und eine Reform der Verfassung, so dass die Regierungen die Kinderrechte nicht mehr ignorieren können. Das geänderte Gesetz muss aber unter die Bevölkerung gebracht werden, sonst bringt es nichts.“

Ein ewiger Teufelskreis

In der Podiumsdiskussion wurde unter anderem die Problematik der Kindersoldaten behandelt. „Um das Problem der Kindersoldaten zu lösen, müssen wir diagonal mit den Gemeinschaften arbeiten. Wir müssen den Kindersoldaten ermöglichen, sich zurück in ihre Gemeinschaften zu integrieren. Viele dieser Programme sind aber leider sehr minimal.“, erklärte Enrique Restoy von der „Coalition to stop the use of child soldiers“. Aber nicht alle Kinder werden zwangsrekrutiert, sondern viele schliessen sich freiwillig den Truppen an, da sie sich da ein besseres Leben erhoffen. „Es ist ein Teufelskreis: Die Verlockung sich der Armee anzuschliessen ist manchmal sehr gross, da die Zustände besser sind als draussen.“, sagt Marta Santos Pais.  Zur Frage warum der Begriff Kindersoldat auf Kinder bis und mit 15 Jahren beschränkt ist, antwortete Annedore Prengel von der Universität Potsdam: „Einige Staaten zum Beispiel Grossbritannien erlauben die Rekrutierung von Soldaten unter 18 Jahren. Das Internationale Recht nimmt daher immer noch das Alter 15 als Masstab.“

Das Buch


"Realizing the Rights of the Child" von Carol Bellamy und Jean Zermatten ist erschienen bei Rüffer und Rub.

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