Gesellschaft | 26.11.2007

Basteln gegen die Schwermut

Text von Edith Truninger | Bilder von Stefan Wallimann.
Die Amazone fühlt den Winterblues. Ein Glück, dass Kaktusblüte zur Stelle ist.
Bild: Stefan Wallimann.

„Ich habe die Sonne schon lange nicht mehr gesehen“, sage ich seufzend zu Kaktusblüte. Sonnenlicht bringt meinen Biorhythmus in Fahrt und macht mein Gemüt froh, keine andere Lichtquelle kann meiner Meinung nach die Qualität des Sonnenlichts ersetzen. Kaktusblüte und ich liegen auf dem Sofa, eingekuschelt in eine Decke. Müssig betrachte ich den Nebel vor dem Fenster. Ich hasse den Winter mit Leidenschaft. Kaktusblüte erwidert spontan: „Soll ich dir eine zeichnen?“ Sie rumort in ihrem Zimmer und kommt kurze Zeit später mit einer Styroporkugel zurück. In die Kugel hat sie Zahnstocher gesteckt, welche die Strahlen symbolisieren. Das ganze Gebilde hat sie flugs mit gelber Farbe angemalt. Dazu reicht sie mir eine Tasse Chai, „für die innere Wärme“, wie sie erklärt. Es rührt mich, dass meine Freundin mir eine Sonne bastelt, wenn sie in meinem Leben gerade mal nicht scheint. So fühle ich mich Ernst genommen in meiner Andersartigkeit, damit stärkt sie mich. Die Sonne als Lebensspenderin ist dabei von grosser Symbolkraft.

Dieser lebensbejahende Aspekt an Freundschaft beeindruckt mich. Paarbeziehungen können das nicht in gleichem Ausmass leisten. Ich winde meinen Freundinnen ein Kränzchen – und halte mich bereit, ihnen eine Sonne zu zeichnen, wann immer sie eine nötig haben. 
 

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