Kultur | 15.10.2007

„Wir sind noch nicht fertig mit Schreien“

Text von Martin Sigrist
Am 26. Oktober erscheint mit "Never Seen the Light of Day" bereits das vierte Album von Mando Diao innert fünf Jahren. Tink.ch liess sich von den hübschen Schweden in Wallung bringen und traf traf Sänger Björn Dixgård und Keyboarder Mats Björke in Zürich zum Gespräch.
In China für einmal die Revoluzzer: Björn und Mats. Fotos: Corinne Duenner und Martin Sigrist Björn Dixgård, Martin Sigrist von Tink.ch und Mats Björke (vlnr).

Eure Konzerte sind noch immer laut und fetzig, musikalisch werden sie jedoch immer schlechter.
Mats: Das ist wohl wahr, darum muss sich bei uns etwas ändern. Wir müssen einen anderen Weg finden, Mando Diao zu sein und wieder auf Tour gehen zu können. Dann können wir uns auch wieder neu entdecken.
Björn: Wir brauchen eine Pause um wieder Selbstvertrauen zu bekommen. Wir haben zu viel gespielt und dabei unser Ziel verloren. Wir wissen nicht mehr wie wir klingen sollen und wollen.

Ihr bringt ständig neue Alben heraus, woher nehmt ihr die Zeit und die Inspiration dazu?
Mats: Wir nahmen uns die Zeit, aber nur zwei Wochen. Dann hat Björn Olsson, unser Produzent, es selbst fertig gemacht. Er hat uns jeweils das neuste Material in die USA geschickt, wo wir gerade tourten. Somit hat sich die Musik in seinen Händen entwickelt. Darüber waren wir anfänglich etwas verängstigt, aber mit Björn, und wohl nur mit ihm, konnten wir es so machen.
Björn: Die ersten fünf Monate war es ein ziemlich schlechtes Album aber plötzlich wurde es ganz toll. Ich habe keine Ahnung wie Björn das gemacht hat, aber so arbeitet er.
Mats: Das war für uns ein ganz neuer Weg zu arbeiten, dass jemand anders einen so grossen Teil für uns macht.
Björn: Wir nennen es die „Elvis Presley Art“, wie es in den Fünfzigern gemacht wurde. Die Musiker gehen mal kurz ins Studio und jemand anders macht es dann fertig.

Sammelt ihr bei so vielen Konzerten überhaupt noch Ideen ausserhalb dieses Alltags?
Björn: Ja, wir bekommen viele Ideen auf der Tour, treffen viele Leute und sehen auch sonst viel. Wir schreiben aber auf Touren nicht so viel, weil wir da nicht die Ruhe dazu finden denn da müssen wir die Energie für die Shows sparen. Wenn wir dann mal nach Hause kommen, sind wir dann aufgrund der ganzen Erfahrungen völlig erschlagen.

Wie geht ihr damit um?

Björn: Wir gehen wieder auf Tour. So machen wir das seit sechs Jahren. Immer wenn wir das Gefühl hatten, dass es nun zuviel sei sind wir gleich wieder los getourt. Das war unsere Art mit jener Überforderung umzugehen. Nun werden wir etwas weniger touren denn wir müssen echt mal eine Pause machen.

Ihr macht gerade Interviews zu einer CD die noch nicht mal erschienen ist. Die Songs kennt noch kaum jemand, ausser die zwei Stücke die ihr bereits live spielt.
Björn: Somit kennt ihr schon die besten. Nein, da sind schon noch ein paar Hits mehr, zumindest in unseren Köpfen. Aber ein paar Songs mag ich dann immer nicht so. Insgesamt ist das Album jedoch sehr gut geworden. Es ist ganz anders, als was wir bisher gemacht haben, viel akustischer. Das ist eine Seite von uns die noch nie das Tageslicht gesehen hat, deswegen auch der Titel der neuen CD.

Seid ihr auch etwas älter geworden, vielleicht etwas reifer?
Björn: Nein, obwohl das Album akustischer und mit Country-Elementen daherkommt, sind wir mit dem Schreien noch lange nicht fertig. Das nächste Album wird dann wohl wieder mit sehr viel mehr Geschrei sein.

Was habt ihr von eurer Tour in China mitgenommen?
Mats: China war sehr toll und sehr anders. Die Leute waren sehr offen, denn Rockmusik ist in China neu, eine noch junge Bewegung.
Björn: Westliche Musik war in China ja bis in die Neunziger Jahre gar nicht erlaubt, das ist verrückt. Dort ist diese Musik noch immer eine Revolution. So muss es bei uns in den Sechzigern gewesen sein. Es war eine Bereicherung das mal zu erleben. Dazu kam, dass wir oft nicht wussten, ob unsere Konzerte überhaupt stattfinden konnten, denn überall war die Polizei präsent, um zu verhindern, dass sich unseretwegen zu grosse Menschenmassen bilden würden.

Ihr habt neben Fan- auch Hassklubs.
Björn: Echt, so was haben wir? Na ja, solange sie bezahlen um uns an unseren Konzerten den Finger zu zeigen, hat das ja auch sein Gutes. Die sollen aber nicht hassen sondern lieber etwas finden, das ihnen Spass macht, vielleicht eine Band zu gründen und versuchen, besser zu sein als wir.

Wettbewerb:


Tink.ch verlost wenige signierte Exemplare von "Never Seen the Light of Day", der neuen Platte von Mando Diao. Dazu gibt’s die etwas grössere  Chance, ein unsigniertes Exemplar zu gewinnen. Einfach eine Mail bis am 21. Oktober 2007 mit dem Betreff Mando Diao bis um Mitternacht an martin.sigrist(at)tink(punkt)ch schicken, Postadresse nicht vergessen. Dann bekommt ihr euren Gewinn sogar vor dem offiziellen Release des Albums.

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