Kultur | 08.10.2007

Unwichtiger Frauenfussball

Text von Rick Noack | Bilder von Nathalie Kornoski
Die Welt hat eine Schraube locker, soviel steht fest. Während in den USA Kuschelverbote eingeführt werden, verweigert eine Vereinigung deutscher Studenten das Essen von Schweisohren. Wegen der Inflation.
Bild: Nathalie Kornoski

Eine kaltblütige Rektorin aus dem US-Bundesstaat Illinois verhängte Kuschelverbot. Der Grund: Verliebte Paare würden ihre Gänge verstopfen. So etwas kann eine pflichtbewusste Rektorin natürlich unter keinen Umständen zulassen. Die Gänge sind jetzt Sperrgebiet für Paare. Umarmungsfreie Zone, nennt sie das. Wahrscheinlich hat sie auch gleich ein paar Sprengsätze deponiert und Bewachungskameras angebracht. Demnächst wird sie wohl noch ein paar Dementoren von Harry Potter engagieren um ihr Image zu wahren. Diese Verstumpfung der Gefühle wird begeistert von anderen Rektoren angenommen. Einer von ihnen berichtet aus seinen schlimmsten Träumen: «Erst halten sie Händchen, dann findet man sie küssend auf dem Rasen wieder«. Diese Rektoren können nur eins sein: Frustrierte Singles. Die Schüler reagierten gegen die emotionale Kälte mit einem heißen Massenkuscheln vor der Schule.

Letztes Jahr war die Welt krank. Der Grund: Sie fieberte gewaltig mit bei der Fußball WM 2006. Damals wurde Deutschland nur dritter und trotzdem feierten alle. Durch Zufall habe ich heute gelesen, dass die deutschen Frauen Weltmeister im Fußball geworden sind. Es war eine Randnotiz auf einer Nachrichtenwebsite. Mehr sind die Frauen in dieser Gesellschaft anscheinend nicht wert. Über die im Vergleich schlechten deutschen Männer wird unglücklicherweise noch nach einem Jahr berichtet. Das zeigt eindeutig: Die Frauen können heutzutage schießen wie sie wollen, am Ende treffen sie sowieso nur ins Leere. Übersetzt ins Berufsleben bedeutet das für europäische Frauen: Egal wie gut sie sind, nutzen tut es ihnen rein gar nichts. Ich habe mich übrigens inzwischen zu einem Fußball-Boykott entschlossen.

Eine Vereinigung mehrerer Gymnasiasten beschwört eine Inflation in Europa. Der Grund: Die Preise für Schweinsohren an ihrer Schule sind gestiegen. Die Preise seien um 20 % gestiegen, predigen die Mitglieder der «Schweinsohren-Bomber«. So haben sie die Vereinigung genannt. Diese 20% würden nicht zu der Inflationsrate von etwa 1,7 Prozent passen. Viele Gedanken, was sie da erzählen, haben sie sich aber anscheinend noch nicht gemacht. Immer wieder vergleichen sie die Bedrohung mit überfüllten Wäschekörben. Demnächst plant die Gruppe ein «Schweinsohren-Boykott«. Welcher Schwachsinn.