Kultur | 29.10.2007

Soundtrack fürs Leben

Laut Wikipedia ist The Robocop Kraus eine Post-Punk Band, die einen "Mix aus Punk, Soul, Pop und Hardcore Punk" spielt. Und da dies so gut wie nichts aussagt, wird es womöglich auch stimmen.
Bassist Peter Tiedeken beim Konzert im Zürcher Mascotte. Fotos: Lena Steinemann

Was man bei Wikipedia nicht lesen kann: Dass die Musik von The Robocop Kraus  schnell, langsam, bewegend, am liebsten Laut und fast durchgehend genial und mitreissend ist. In den (englischen) Texten geht es um Alltags- und Lebenssituationen, Gefühle und Gedanken über alles Mögliche. Einzig über Politik wird nicht gesungen. Nicht aber, weil die Bandmitglieder keine politischen Menschen wären, sondern eher, weil es schwierig ist, einen politischen Text zu singen, hinter dessen Botschaft, dann alle fünf Jungs stehen können – Wie zumindest einmal in einem Interview erklärt wurde.


Songs die man einfach braucht

Einzelne Textzeilen und Refrains sind auch für sich allein schon ein Kunstwerk. Zum Beispiel „I saw people dancing, with their seatbelts on. They will making love with their helmets on“ Oder auch ganz einfache Wortspielereien, wie etwa „I have a question to every answer“ oder „Too true to be Good“. Aber auch poetische Zeilen wie „Its like driving in heavy traffic, very fast, and everyone involved seems to take it“ sucht man nicht vergebens. Insgesamt sind seit dem Gründungsjahr 1998 70 Songs auf vier Alben erschienen. Das Neuste, erst vor Kurzem veröffentlichte Album, „Blunders and Mistakes“, ist nach Sänger Thomas Lang melodiöser als die Vorangegangenen. Es sind 70 Songs die man einfach braucht, irgendwie, ein Soundtrack fürs Leben. Musik, die es schafft einen Nerv zu treffen, an dem andere Bands hoffnungslos vorbeischiessen. So gut, dass einem manchmal etwas schwindlig wird, wenn man laut genug aufdreht. Mit Gitarre, Bass, Keyboard, Schlagzeug erschaffen The Robocop Kraus Melodien, Rhytmen, an die man auch noch denkt, wenn die Lichter schon wieder aus sind.


Zu bedauern ist, wer nicht da war

Und auch live haben die fünf Süddeutschen etwas zu bieten, so erlebt am Donnerstag in Bern und am Freitag im Zürcher Mascotte. Zwar waren nicht gerade massig viele Leute da – wer das Mascotte kennt, weiss, dass man da eigentlich frühstens um elf hingeht – doch jene, denen dieser „Ausgangskodex“ egal war, wurden mit einer berauschenden Show belohnt. Thomas sprang in grauen Hosen und einem bunten T-shirt, mit dem man ihn vor ein paar Jahren gar nicht ins Mascotte gelassen hätte, zwischen seinen Bandkollegen und einem Mikroständer umher, als ob das Leben ein einziges Musikstück wäre. Einige wenige aus dem Publikum sangen mit, die meisten wippten und tanzten leicht, einige hüpften manchmal. Alle hatten Spass, fanden Gefallen und bedauerten jene Mascotte-Besucherinnen und -Besucher die erst später kamen. Die Band war schnell schweissnass, hängte sich wirklich ins Zeug. Wollte nicht einfach nur eine weitere Show auf einer nie enden wollenden Tour zu Ende bringen, sondern den Gekommenen eine Freude machen, sie mitreissen, sie begeistern – Und es gelang. Voll und Ganz. Gerne wieder, danke!

Nach dem Konzert war Thomas bereit, spontan ein Interview zu geben. Ohne arrogantes Getue, freundlich und liebenswert, ganz natürlich. Endlich sollte man erfahren, was man doch schon so lange wissen wollte, oder besser gesagt, was einem grad so in den Sinn kam…

Ich habe gehört, dass ihr alle vom Land kommt, stimmt das auch wirklich?

Ich weiss wo du das gelesen hast. Aber nein, wir kommen alle aus Nürnberg. Wir lügen halt einfach viel in Interviews. Aber das tun die Journalisten ja auch. Einmal hat ein Journalist geschrieben, dass ich während dem Interview genüsslich einen Schweinebraten verputzt habe – dabei bin ich Vegetarier!

Wie denkt ihr darüber, wenn man eure Musik zwar mag und hört, aber nichts dafür bezahlt?

Es ist eine schwierige Entwicklung. Wir sind nicht grundsätzlich gegen das Runterladen von Musik, wir tun das selber ja auch. Ich gehe aber auch viel an Konzerte und kaufe zum Beispiel T-Shirts, um junge Bands zu unterstützen und ihnen eine Chance zu geben. Was mich an der Sache aber auch stört ist, dass viele Leute dann nur einzelne Stücke herunterladen und keine Zeit mehr für das ganze Album haben. Es ist wichtig, ein ganzes Album anzuhören. Und Ich denke mir, dass dieses Format leider bald beerdigt wird.  

The Robocop Kraus – bedeutet das irgendetwas? 

Der Name ist totaler Quatsch und schon sehr alt. Wir sind da irgendwie irgendwann einfach darauf gekommen.

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