Nach der Wahl

Janosch Szabo, 22, Biel
Wie auch schon vor vier Jahren – damals hatte ich gerade das Stimmrechtsalter
erreicht – habe ich es mir auch dieses Mal nicht nehmen lassen, eine eigene
Liste zu schreiben. Nachdem ich mich durch all die Parteienprospekte gewühlt
hatte, standen meine Kandidatinnen und Kandidaten fest. Es ist eine bunte
Mischung von vor allem jungen und auch ein paar bewährten älteren
Politikerinnen und Politikern aus dem Lager der Grünen und der SP. Ich achte
jeweils darauf nebst Jungen vor allem auch Frauen den Vorzug zu geben. Denn
einmal eine ausgeglichene Situation im Parlament zu haben, muss das Ziel sein.
Vieler meiner aufgelisteten Kandidatinnen und Kandidaten werden es zwar nicht
in den Nationalrat schaffen, aber ich wähle sie trotzdem, damit sie merken: Es
gibt Leute, die hinter ihnen stehen und die solche Leute als Politiker wollen.
Als Unterstützung beim Vorhaben, das Parlament zu verjüngen, könnten wir die
Unterstützung politisch interessierter auch unter 18-Jähriger sehr gebrauchen.
Ich hoffe drum sehr auf eine baldige Einführung des Stimm- und Wahlrechtsalters 16.

Andrea Immler, 22, Belp
Ich werde nicht wählen gehen, da ich mich für die Politik nicht sehr begeistern kann.
Falls doch, würde mich aber für die SVP entscheiden, da sie meine Anliegen gut vertritt.

Raphael Hünerfauth, 22, Meisterschwanden
Ich stimme und wähle immer brieflich und dieses mal ist das Couvert schon seit knapp einer Woche weg. Für den Nationalrat habe ich dieses Jahr die Liste der Jungen Grünen unverändert gewählt. Für den Ständerat habe ich Pascale Bruderer von der SP und Geri Müller von den Grünen gewählt. Das Stimmrechtalter 16, befürworte ich nur unter der Bedingung, dass es auch mehr Staatskundeunterricht in der Schule gibt und die Schüler das Gelernte dann an den Urnen anwenden können. Wer dieses Jahr am meisten zulegt, ist schwer zu sagen. Bei den Bundesratsparteien habe ich das Gefühl, dass die FDP leicht verliert und SVP und CVP auf dem Niveau von 2003 bleiben. Bei der SP und den Grünen könnte es einen leichten Zuwachs geben. Ich hoffe nur, dass die SVP von den fünf Millionen Franken, die sie für ihren Wahlkampf gesät hat, nichts ernten kann.

Milena Geiser, 19, Biel
Ich wollte schon mit 16 Jahren wählen gehen und habe es auch dieses Jahr getan. Meiner Meinung nach ist die Schweiz ist das einzige Land auf der Welt, das das Volk so mitreden und mitbestimmen lässt. Ich habe mir vorgenommen, vorwiegend junge grüne Frauen zu wählen und mir meine Liste selbst zusammengestellt. Darauf finden sich jetzt auch noch zwei Männer und junge SP-Frauen. Das Stimmrecht 16 befürworte ich, weil ich es wichtig finde, dass die Jugend früh auf das Stimmen und Wählen vorbereitet wird. Ich bin aber realistisch und denke, dass viele die Möglichkeit nicht wahrnehmen werden und sich trotzdem nicht um die Politik kümmern werden. Diese werden das aber auch zehn Jahre später noch nicht tun. Rein hypothetisch gesehen müssten die SVP und die SP als Siegerinnen aus dem Wahlkampf hervorgehen. Natürlich werden auch die Grünen wieder, wie vor 4 Jahren, dazugewinnen. Die ganze Klimaproblematik  ist aber in der Schweiz etwas abgeflaut. Wenn die Grünen vor ein paar Monaten zu Wahl angetreten wären, hätten sie mehr gewonnen, denke ich.

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Gedicht zur Wahl

An alle Wahlberechtigten, jeder Glaubensausrichtung

’s isch geschter Gott uf Ärde cho,
mit heiliggschynte Ängusschare.
Är müess mau öpis säge wo
dr Mönsch doch ds Rächt druf heig z erfahre:

„’s hei Bible, Thora u Koran
vergäbe Chrieg, -˜s hei aui zäme
– ob Tüfu/Gott, Allah/Shaitan –
ja nur für d Warheit angri Näme!

U ’s hei ufgrund vo däne Wort
vereinigt, d Mönsche sich entschide:
„So dumm si Stritt u Chrieg u Mord!
Ab itz herrscht Zämehaut u Fride.“

Erlücht‘ si Moslem Jud u Chrischt.
Für d Dänker isch’s bewise worde.
Es strahlet gar dr Satanischt.
U glich git’s geng no son e Sorte

vo unzfridene Kritiker.
Die Paar die göh, (doch nit zum Bätte)
zu Gott, will ’s aus Politiker
paar hochbrisanti Frage hätte:

„Verehrter Gott, verehrte Ängel,
mit tief bedauernsvollem Gfühl,
chöi mir z Grund schwärwiegensten Mängel
gewähren euch hier kein Asyl.

Ihr seid nicht aus der Heimat gflüchtet,
habt keinen Reisepass und ou
kein feschter Wohnsitz und entrichtet
kei Stüren und kei AHV.

Sanspapier sans Portemonnaie
braucht gwüss nicht dieser Ort no meh!!“

U Gott stigt zrügg uf d Himmusstäge
i bitt’rem Schwige u beschliesst
de glich nomau churz öpis z säge
bevor dr Petrus ds Törli schliesst:

„Nid abermaus für euch verschwändi
Jahrtusige vo mir‘ Gedoud!
We sich ab nächschtem Wuchenändi
nüt ändret, sit dr säubergschoud,

de wärde dir mi zimlich rassig
in Gschtaut vo Satan wieder gseh,
mit ere gfäuschte Niderlassigs-
bewilligung Kat’gorie C!

Und wähut ihr tatsächlich das dümmschte Gesicht,
dann fougt auf den Wahlgang das jüngschte Gericht!“

Es sind nun gut zwotausend Jahre:
EIN Mann mit EINEM Holzkreuz macht
von sich zu reden und hat wahre
Glanzleistung damit vollbracht!

Und nun, mit einem Kreuz aus Tinte,
be-stimmt der Wähler als Prophet,
in Zukunft -durch ihm Gleichgesinnte-
wofür das Schweizerkreuzchen steht!

Bewegungsfaule Fussballer

Jedermann und jede Frau hat bestimmt schon einmal eine Runde getöggelet. Beim Tischfussball bewegt man sich nicht allzu viel, Niederlagen sind aufgrund der vielen offensichtlichen Zufälle einigermassen verkraftbar und da (fast) jedem einmal ein Erfolgserlebnis gegönnt ist, finden viele Gefallen am leichten Spiel. Sehr beliebt sind die „Töggelikästen“ in Bars und Clubs, für einen Stutz kann bereits eine Runde gespielt werden. Obwohl Tischfussball sehr beliebt ist, findet sie als professionelle Sportart kaum Anerkennung. Dies mag unter anderem daran herrühren, dass sich. Tischfussball sich auf der Kalorienkiller-Tabelle etwa auf dem selben Treppchen wie Staubsaugern oder Klavier spielen einreiht. Nichts desto trotz gilt Tischfussball in Europa als Sportart.

Viele Zufälle, viele Tore

Töggelen ist eine der wenigen Sportarten, wo meist jener verliert, der das Spiel studiert. Die Meisten spielen einen Töggelimatch mit einem Minimum an Strategie und Überlegung, wer an den Ball kommt, haut drauf was das Zeug hält. Die Griffe fest mit den Fingern umklammernd steigt die Hektik und das Tempo, Schweiss rinnt die Handlinien hinab. Im Gegensatz zum normalen Fussball fallen die Tore im Minuten- oder je nachdem sogar im Sekundentakt, den Ursprung findet man meist im Zufall. Den Ball in die gewünschte Richtung zu spielen ist schnell erlernt, eine saubere Ballkontrolle hingegen ist milde ausgedrückt nicht Jedermanns Sache. Eine Parallele zum Fussball auf Rasen ist, dass auch beim Tischfussball mit je elf Feldspielern gespielt wird, allerdings in einem anderen Spielsystemen. Tische wie wir sie kennen sind mit je einem unsicheren Torwart, zwei tolpatschigen Verteidigern, fünf ungeschickten Mittelfelspielern, und drei harmlosen Stürmern bestückt. Dies ändert sich auch während dem Spiel nicht, rote Karten oder in diesem Fall völlig sinnlose Auswechslungen gibt es keine.

Tricks unter Geübten

Im Laufe der Zeit entwickelten sich verschiedene Schuss- und Passtechniken, Tischfussball erfreute sich seit geraumer Zeit über ein verbessertes Niveau. Unter den arrivierteren Spielern ist es beispielsweise Gang und Gäbe, den Ball unter dem Spieler einzuklemmen um ihn so zu kontrollieren. Aus dieser Situation kann jederzeit ein Torschuss oder eine schnelle seitliche Verschiebung erfolgen. Obwohl der Gegenspieler jederzeit darauf eingestellt ist, dass der Ball auf sein Tor gefeuert wird, dürfte das Überraschungsmoment siegen. Strategie, Taktik und das Defensivspiel rücken aufgrund der Schnellebigkeit und der Unberechenbarkeit in den Hintergrund. Auch unter den Tischfussballern, gibt es bewundernswerte Ballartisten. So wird der Ball zum Beispiel auf dem Torwart balanciert, bevor er dann über alle Gegenspieler Hinweg ins Gegnerische Tor segelt.

Mein grösstes Hobby“

In der Gesellschaft sind sie fast so rar wie Schnee in Sizilien. Selbst der weltbeste Tischfussballer stösst selten auf Anerkennung und sein Autogramm dürfte ähnlich gefragt sein wie Sonnencréme in Ghana. Im Verein tätige Tischfussballer haben zweifellos einen schweren Stand. Dennoch gibt es auch in der Schweiz überzeugte „Töggeler“. Zur speziellen und äusserst seltenen Spezies der aktiven Tischfussballer gehört Alain Müri aus Langenthal. Der 26-Jährige machte seine aussergewöhnliche Passion zum Hobby und spielt wie er selbst sagt „seit etwa vier Jahren“ im Tischfussballverein Bebeto. Warum man einem Tischfussballverein beitreten sollte, erklärt Alain Müri simpel und treffend gleich selbst: „Ich finde, wenn man etwas oft und gerne tut, sollte man einem Club beitreten. Dort stösst man auf Leute mit gleichen Interessen.“ Tischfussball als Sportart wird wohl auch in Zukunft von den meisten zum belächeltes Vergnügen verurteilt. Spass machts trotzdem!

Der Tod ist nicht das Ende

Was macht man, wenn man das Ende voraussieht? Wenn der Tod näher rückt als die Zukunft? Christian Ziörjen hat Erinnerungen geschaffen, Erinnerungen die jetzt zwei Jahre nach seinem Tod auch der breiten Öffentlichkeit zugänglich geworden sind. Denn Chrigu, wie ihn seine Freunde nennen, beschloss nach einem Rückfall einen Film zu drehen: „Chum mir mache e Film zäme, i stige de irgendeinisch us.“ Im November 2005 war es dann leider soweit: Chrigu starb mit 23 Jahren an Krebs.

Nachdenken über Vergänglichkeit
Zurückgelassen hat er neben unzähligen lebendigen Bildern auch viele Freunde. Darunter sind auch die Mundartisten, eine siebenköpfige Band aus Langenthal, die in der Vergangenheit besonders mit ihren starken Live-Auftritten, auf sich aufmerksam machte. Christian Ziörjen war fast immer dabei; als Kameramann auf der Tournee und als Freund in der gemeinsamen WG. Bis zu seinem Tod.
Über den haben die Mundartisten im Soundtrack zum Film „Chrigu“ ausführlich nachgedacht. Und so sind 20 Tracks zusammengekommen, Texte, die ins Innerste gehen, Beats die stimmige Bilder schaffen, Melodien die teilweise übergangslos die Stücke verbinden und ein Gesamtwerk schaffen, dass den Hörer auf eine Reise mitnimmt, welche die Mundartisten ihrem Freund gewidmet haben.

Tränen trocknen
Dank den tiefgründigen Texten wie in „Mir nä di mit“ oder „Chrigel häb düre“ muss der Zuhörer den Film nicht gesehen haben, um die Freundschaft zu spüren, die die Mundartisten mit Chrigu verbunden hat. Und auch die vielen instrumentalen Teile, wie sie im Soundtrack oft vorkommen, bleiben beim alleinigen Hören nicht in der Luft hängen. Viel eher lassen sich dann Tränen trocknen, die bei den Texten entstehen können und lassen Platz, sich selber mit der Vergänglichkeit auseinanderzusetzen. Genau so, wie es die sieben kreativen Köpfe vom ersten Wellenrauschen, bis fast eine Stunde später mit dem letzten verstummten Klavierton getan haben. Und dazwischen begleiten einem unter anderem Trommel, Handorgel, Geige und ein sorgfältig gestaltetes Booklet, in dem sich die Erinnerung mit der Gegenwart kreuzt.

Info


Das Album "Chrigu" ist ab sofort im Handel oder online bei www.exlibris.ch erhältlich.

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Nicht nur im Moment

Bereits mit ihrem Debut Album „A Certain Trigger“ haben die fünf Jungs aus Newcastle im Jahre 2005 einen fulminanten Star hingelegt und sich sofort auf die Titelblätter der Musikmagazine setzten lassen. Nicht ganz unschuldig war damals eine Kritik in einem Schweizer Gratisblatt, dass die Regale der CD-Läden teilweise bereits am ersten Verkaufstag leer waren.

Perfekt im Hype der ganzen „The“ Bands haben sich die Briten um den charismatischen Sänger Paul Smith eine doch eigene Nische geschaffen. Auch mit ihrem Zweitling „Our Earthly Pleasures“ welcher in diesem Jahr erschienen ist, haben Maxïmo Park wiederum beweisen, dass sie eben nicht irgendeine Hype-Band sind, die gerade mal für den Moment ganz gut zum Zeitgeist passen, jedoch hinterher nichts zu bringen wissen. Vielmehr zeigen die beiden Alben, dass der vielleicht schon bald als vorbei verschrieene Indie-Rock sehr wohl viel Spass machen kann und auch musikalisch durchaus was zu bieten hat.

So sind eben jene Mannen also wieder mal in der Schweiz zu Gast, diesmal gleich für zwei Konzerte. Am 27. Oktober im Freiburger Fri-Son und tags darauf in der Roten Fabrik zu Zürich zu sehen und vor allem zu hören. So dürfte dieses Mal die Suche nach Karten etwas einfacher sein als bei ihrem letzten, etwas intimeren Auftritt im Züricher Mascotte.

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Die neue Welle

Nouvelle Vague treiben es mit ihrem Bossanova, auf Deutsch „Neue Welle“, auf die Punkrock- und New Wave-Spitze, denn sie nehmen sich Stücken an, die für andere unantastbare Heiligtümer darstellen: in ihrem letzten, 2004 erschienenen, mit der Band gleichnamigen Album waren dies etwa legendäre Punksongs wie „Guns of Brixton“ von The Clash oder „Too drunk to fuck“ von den Dead Kennedys. Diese verwandelten in ruhige und melancholische Kuschelhymnen. „So sexy war Punkrock zuvor nur selten“ schrieb sogar die Bildzeitung nach der Herausgabe vor zwei Jahren. Kein Wunder reiben sich da viele die Augen, wenn sie das hören.

Doch statt aus den elektrischen Gitarren Kleinholz zu machen wie ihre legendären Vorbilder, machen Marc Collin und Olivier Libaux aus ihnen akustische Gitarren und das Geschrei wilder Punkrocker verwandeln sie in zarte weiblichen Stimmen französischer, brasilianischer und amerikanischer Chanson-Sängerinnen. Dabei ist die Bossa Nova der Punkmusik nicht einmal so entlegen, war diese doch zu ihren Ursprüngen Mitte des 20. Jahrhunderts noch die rebellische Musik der schwarzen Unterschicht im kolonialisierten Portugal. Wer also der grazilen Verwandlung der Postpunk-Ära frönen will, der darf sich auf diesen Anlass im X-tra in Zürich am 30. Oktober ganz besonders freuen. Mit den Reggae- und Calypso-Einflüssen verspricht die neue Platte „Bande à  parte“ (2006) sogar noch etwas neue Exotik. Wer die neue Scheibe also noch nicht hat, darf doppelt gespannt sein.

Die äussere Enge

So mancher Modetrend erlebt nach Jahren der Zurückhaltung ein Revival.
Ebenso ergeht es den Leggins. Nach 20 Jahren tauchen sie aus dem Nichts auf, verbreiten sich epidemisch wie eine ansteckende Seuche und sind dieser Tage kaum mehr aus der Modewelt wegzudenken. Schlaghosen und Plateausohlen sind die Modephänomene der 70er, jene der 80er die Leggins. Aus figurfreundlichem elastischen Strechtmaterial und in schrillen Mustern wurden die hautengen Hosen von den Modischsten unter den Modischen getragen – denselben Menschen, welche den Vokuhila, das Netzhemd, die Schweissbänder und die mintfarbige Mantajacke mit Stolz trugen. Die Strampelhosen verkauften sich in den 80ern wegen deren bequemen Passform beim Aerobic, Body Building oder bei Hausarbeiten und einem Ernährungssünden verzeihenden Gummizug besonders gut.

Nordamerikanische Indianer-Beinlinge

Der Begriff Leggins, auch Leggings, kommt aus dem Englischen und bedeutet „Gamasche“. Wer also denkt, die Beinschläuche seien in den 80ern erfunden worden, denkt falsch. Ihren Ursprung haben die Beinkleider – Achtung jetzt kommt es – bei den Indianern Nordamerikas. Die indianische Beinbekleidung bestand aus zwei schützenden ledernen Röhren, welche separat am Leibgürtel befestigt wurden. Diese Gamaschenart war im 18. und 19. Jahrhundert auch bei höfischen Uniformen modisch. Die Vorläufer der Leggins, die Wickelgamaschen, waren in der römischen Antike als „fascia cruralis“ bekannt.

Squaws der Moderne
Die elastischen Beinlinge verdanken ihren Kultstatus den durchtrainierten Idolen der 80er. Stars wie Jane Fonda und Nena sorgten für den Modehype. Was vor 20 Jahren galt, gilt auch noch heute: die Stretchhose steht nur Zeitgenossinnen mit elfenzarten Fesseln und gazellenartigen Beinen. Schliesslich ist vor dem Presswurst-Effekt beim Tragen von Leggins eindringlich zu warnen. Einige Stylingtipps sind beim Tragen der Elastikröhre zu beachten, damit keine unerwünschten Nebenwirkungen auftreten. Leggins sollten, vorzugsweise in dunklen Farben, zu Kurzkleidern, Miniröcken oder übergrossen Pullovern getragen und mit hochhackigen Schuhen kombiniert werden. Keinesfalls zu Turnschuhen, diese sind der Tod für Endlosbeine! Leggins sind zudem nicht als Hosenersatz, sondern als Ergänzung zum Rock gedacht. Ein selbstkritischer Blick in den Spiegel ist ratsam.

Hassliebe
Manche Kritikerin wird nach der ersten Überwindung merken, wie angenehm und vielseitig einsetzbar die Leggins sind und sie kaum mehr entbehren wollen. Für Risiken und Nebenwirkungen kann die Stilberaterin oder die beste Freundin um Rat gefragt werden. Keine Frage, der Legginstrend polarisiert und die Reaktionen reichen von Enthusiasmus bis hin zu blankem Entsetzen. Geschmack hin oder her; die Leggins haben ein fulminantes Comeback geschafft und werden so schnell nicht von der Bildfläche verschwinden. Zweifellos machen die Leggins den Damen wieder Beine. Totgesagte leben eben länger.

„Jeder Tag hat seinen eigenen Tiefpunkt“

Empfindest du die Ausbildung als hart, eher moderat oder sogar ziemlich locker?

Jürg: Von Zeit zu Zeit ist es sehr hart. Es gibt aber manchmal auch Zeiten in denen ich mich ein wenig ausruhen und es sogar geniessen kann.

Philippe: Ich empfinde die Ausbildung zum Beobachtersoldaten eigentlich als recht moderat.

Musstest du schon an die Grenze deiner Belastbarkeit gehen? Falls ja, wie gehst du damit um?

Jürg: In der ersten Woche hielt ich einmal die Nachtruhe nicht ein. Ich musste deshalb mit dem Kompaniekommandanten 45 Minuten lang Liegestützen machen. Am Ende schwamm ich regelrecht in meinem Schweiss. Aber die Kameraden unterstützen dich in solchen Situationen so gut sie können, und das ist sehr wichtig.

Philippe: Nein, das musste ich bisher zum Glück nicht.

Unmenschlicher Drill und übertriebene Strafaktionen sind scheinbar in manchen Kompanien an der Tagesordnung. Trifft das auf deine Kompanie zu?

Jürg: Ja, es scheint manchen Vertretern des Kaders sogar regelrecht Spass zu machen, uns zu drillen und mitunter auch zu bestrafen.

Philippe: Nein. Wir werden zwar manchmal ein wenig gedrillt, aber es hält sich durchaus in Grenzen. Einmal mussten wir vier Mal in einen Lastwagen ein- und wieder aussteigen, bis dies völlig leise und zudem schnell genug vonstatten ging. Dabei regnete es ausgerechnet zu dieser Zeit in Strömen.

Wie sieht ein Tagesablauf bei euch in der RS in der Regel aus?

Jürg: Um fünf Uhr morgens ist Tagwacht, dann gibt es Frühstück, um sechs Uhr dreissig müssen wir dann auf dem Hauptverlesungsplatz stehen. Von dort aus gehen wir dann jeweils aufs Feld, wo wir Gefechtsübungen machen. Dazu gehören Häuserkampf, Verschiebungen (taktisches Verhalten), oder wir machen Sport und Nahkampfausbildung. Wir werden den ganzen Tag gedrillt, machen sehr viele Liegestützen. Zudem gibt es manchmal auch Theorie, zum Beispiel müssen wir jede Infanteriewaffe kennen lernen.

Philippe: Um Viertel vor sechs müssen wir aufstehen, danach haben wir eine Stunde Zeit zum Frühstücken. Von halb acht bis halb zwölf werden wir dann ausgebildet, bis dreizehn Uhr ist Mittag, worauf ein weiterer Ausbildungsblock folgt, der bis siebzehn Uhr dauert. Nun wird das Material geputzt und in Ordnung gebracht, bevor es um achtzehn Uhr das Abendessen gibt. Um zwanzig Uhr haben wir dann entweder Ausgang, oder noch einmal Ausbildung.

Was waren bis jetzt die Highlights?

Jürg: Die Kameradschaft zu erleben ist sehr schön, zudem machte mir der Gefechtskampf mit den SIM – Anzügen (Infrarotanzüge) Spass. Dann und wann ist auch das Schiessen spannend. Und natürlich der Ausgang und der Urlaub.

Philippe: Als einer von drei Rekruten in meinem Zug habe ich die Zwischenprüfung zum Beobachtersoldaten gleich beim ersten Anlauf bestanden, weshalb ich nun einmal schon am Freitag Abend nach Hause darf. Das war das Schönste bisher.

Und die Tiefpunkte?

Jürg: Jeder Tag hat seinen eigenen Tiefpunkt.

Philippe: Ich habe die Vorgabe beim Wettschiessen nicht erfüllt, und muss das nun einmal nachholen wenn die anderen im Ausgang sind.

Kürzlich starben bei einem Unfall während der RS sechs Soldaten. Wie beurteilst du die Sicherheit der Rekruten in deiner Kompanie?

Jürg: Auf die Sicherheit wird eigentlich ziemlich gut geachtet, es gab aber auch schon Situationen, in denen es fast zu Unfällen gekommen wäre. Letzte Woche liess beispielsweise ein Rekrut sein Gewehr zu Boden fallen, und ein Schuss ging los. Glücklicherweise ging der Schuss nur in den Boden.

Philippe: Auf die Sicherheit wird relativ gut geachtet, es gibt beispielsweise für den Umgang mit dem Sturmgewehr zahlreiche Regeln. Dennoch kann natürlich immer etwas passieren, man ist nie zu hundert Prozent vor Unfällen gefeit.

Wie gehst du damit um, deine Freunde, deine Freundin und die Familie in der Regel nur am Wochenende zu sehen?

Jürg: Ich kann leider ziemlich schlecht damit umgehen, es ist unglaublich schwer. Unter der Woche muss man sich dem Klima des Militärs anpassen, am Wochenende kommt man dann wieder nach Hause, und es ist fast unmöglich, sich umzustellen. Oft mag man am Weekend dann gar nichts machen, weil man so müde ist, obwohl man weiss, dass man die Leute unter der Woche dann wieder vermissen wird.

Philippe: Ich bekomme sehr viel Unterstützung von meiner Familie, deshalb ist es für mich erträglich. Wenn ich am Wochenende nach Hause komme gibt es immer etwas sehr Gutes zu essen und ich werde ein wenig verwöhnt. Ausserdem treffe ich hin und wieder einige Kollegen, mit denen ich über Fussball fachsimpeln, oder mich über alte Zeiten unterhalten kann.

Wie ist das Verhältnis zu den Kameraden in deinem Zug?

Jürg: Es ist sehr wichtig, dass dieses Verhältnis gut ist, damit man etwas hat, das einen Oben hält und einem die Kraft gibt, durchzuhalten. Deshalb muss man einfach hoffen, dass man mit seinen Kameraden gut auskommt. In meiner Kompanie ist das Verhältnis untereinander besser, als ich es mir vorher hätte vorstellen können.

Philippe: Gut bis sehr gut.

Fühlst du dich manchmal einsam, obwohl du von so vielen Leuten umgeben bist?

Jürg: Das kommt jede Woche mindestens einmal vor, da du halt nicht von den vertrauten Leuten, die dich sonst im Leben begleiten, umgeben bist.

Philippe: Nein, eigentlich nicht, man kommt kaum dazu, einsam zu sein.

Was sagst du zum Essen?

Jürg: Es ist nicht schlecht, obschon es zu Beginn der RS besser war. Zumindest essbar ist es jedes Mal.

Philippe: Wir werden sehr gut verpflegt, das Essen schmeckt mir eigentlich immer.

Was wirst du von dem was dir in der RS beigebracht wird im späteren Leben noch brauchen können?

Jürg: Soziales Verhalten, Disziplin, Ordnung zu halten im Leben, nicht sofort aufzugeben, weiterzumachen, auch wenn man keine Kraft mehr hat. Denn an deine Grenzen kommst du ziemlich oft in der Rekrutenschule.

Philippe: Das habe ich mich auch schon oft gefragt. Was man am besten brauchen können wird, ist wohl die Selbstverantwortung, die einem hier beigebracht wird. Man muss hier nämlich so ziemlich alles selber machen. Zudem wird uns viel technisches Wissen vermittelt, da wir die Radare, welche wir bedienen, in- und auswendig kennen müssen.

Wenn du noch mal an der Rekrutierung wärst, würdest du etwas anders machen?

Jürg: Das ist eine gute Frage. Ich kann mir diese Situation momentan gar nicht vorstellen, ich weiss nicht, on ich etwas anders machen würde.

Philippe: Momentan würde ich vermutlich nichts ändern, aber das solltest du mich vielleicht nach der Rekrutenschule noch einmal fragen.

Hast du einen Ratschlag für zukünftige Rekruten?

Jürg: An der Rekrutierung sollte man nicht als Bester auffallen. In der RS ist es relativ wichtig, in den ersten Wochen nicht aufzufallen, damit das Kader deinen Namen nicht kennt. Wenn du nämlich der einzige bist, dessen Namen sie kennen, wirst du immer aufgerufen. Dann sollte man natürlich auf keinen Fall Befehle verweigern, und wenn man etwas ausgefressen hat, sollte man dafür sorgen, dass man sich nicht erwischen lässt. Zudem ist es von Vorteil, sich wirklich gut zu überlegen, ob man die Rekrutenschule machen will oder nicht. Falls man zum Schluss kommt, dass man sie machen will, so sollte man unbedingt einige Kollegen nach ihren Erfahrungen fragen. Man sollte sich ausserdem nicht auf Grund der Propagandaprofile der Armee für eine Funktion entscheiden. Da wird nämlich immer nur eine Seite der Ausbildung gezeigt, das Negative wird weggelassen.

Philippe: Man sollte sich unbedingt einer Funktion zuteilen lassen, die den eigenen Fähigkeiten entspricht. Für das alltägliche Leben in der RS ist es sehr nützlich, beim Marsch zwei paar Socken anzuziehen, da man sonst riskiert, Blasen zu bekommen. Und wie gesagt, der Rückhalt zu Hause ist sehr wichtig, man sollte dafür sorgen, dass man am Wochenende jemanden hat, zu dem man gehen kann.

Zu den Personen


Jürg Amman, der kürzlich 21 – jährig wurde, wird in Hongrin zum Füsilier ausgebildet. Er wohnt in Hinterkappelen BE und machte die Ausbildung zum Kaufmann bei Ernest & Young.

 

Phillippe Ganguillet wird in Payerne zum Beobachtersoldaten ausgebildet. Er bestand diesen Sommer die Matura am Gymnasium Bern – Neufeld als einer der Besten und wohnt in Ittigen.

 

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Ein dicht bepacktes Erstlingswerk

„Baby please“ heisst der Auftaktsong auf der neuen Platte von Melonmoon. Und es ist augenblicklich klar: Hier geht es um Rock’n’Roll. Eingängige Gitarrenläufe, treibende Rhythmen, melodiöser Gesang – Melonmoon ziehen alle Register, bleiben dabei aber dennoch erstaunlich einfach. Kein Ton ist überflüssig, im Aufbau steckt Spannung, der Schluss kommt jäh und präzis – noch ehe der Saft draussen ist.

Die Übersicht geht nie verloren

Diese Klarheit und der Verzicht auf jeglichen Schnickschnack ziehen sich durchs ganze Album hindurch. Adrian Brenner am Bass und Thomas Züttel am Schlagzeug formen einen sehr kompakten Boden. Rhythmen sind da auch mal ganz einfach einzelne Schläge, und Gitarrentöne werden so präzis und sparsam eingesetzt wie ein teures Gewürz. Aber selbst wo sich der Klangteppich verdichtet und alles zusammenkommt, wo die Fetzen fliegen, wo es rockt und rollt, geht die Übersicht nie verloren. Immer sind die Worte der beiden Sänger bestens verständlich. Das liegt daran, dass Sascha Krähenbühl und Michael Gemmerli gleich auch die Gitarristen sind und es somit selbst in der Hand haben mit ihren Instrumenten den Gesang zu stützen statt zu stören. Das gelingt ihnen hervorragend. Die Klarheit der durchwegs in Englisch vorgetragenen Geschichten gilt für die Stimmen selbst allerdings nicht. Sie klingen manchmal etwas gepresst und rau. Wobei: Zum Rock’n’Roll passt das eigentlich ganz gut. Und in den melancholisch angehauchten Balladen wirkt das leicht Neblige auf den durchaus reinen Stimmen sehr stimmungsvoll.

Der geheimnisvolle Dreizehnte
Auffallend ist auch, wie dicht das Album „Giants & Dwarfs“ bepackt ist. Alle Songs dauern zwischen zwei und vier Minuten. Nichts wird unnötig lange ausgesaugt. Es geht stetig vorwärts. Das tut gut, denn so hält der Spannungsbogen und die Vielfalt der Songs kommt zur Geltung. Zwölf sind es laut CD-Booklet, nach „Groupies, Girls and Lingerie“ ist auf der Platte aber noch ein Dreizehnter zu hören, von dem nirgends nichts geschrieben steht. Eine kurze wunderschöne Ballade ist es, begleitet mit akustischer Gitarre. Dieser Schlusspunkt hat etwas Geheimnisvolles an sich, wie auch das Cover des CD-Booklets und die Bandfotos im Innern des Büchleins. Was wollen die Musiker mit ihren ernsten Gesichtern wohl ausdrücken? Was haben die „Riesen und Zwerge“ im Namen des Albums zu bedeuten, wenn schon kein Lied über sie gesungen wird? Und warum erfährt man nirgends, auch nicht auf der Band-Website, wer nun wer auf den Fotos ist? Man müsste die Musiker selbst danach fragen.  
Melonmoon lieben allem Anschein nach nicht nur die Klarheit, das Schnörkellose, sondern eben auch das Mysteriöse, das Märchenhafte.

Kommende Konzerte


Als nächstes sind Melonmoon am 25. Oktober im Gaskessel Biel zu hören, am 31. Oktober in Zürich am Walti Dux Song Contest und am 26. Dezember nochmals in Zürich in der alten Kaserne.

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Tabuzone Lindenblütentee

Wenn man mit aufmerksamem Auge durch seine Stadt geht, offenbart sich einem manchmal Kurioses. So habe ich an einer Hauswand in meiner Stadt folgende Zeilen entdeckt: „Tee… so was Langweiliges. Da sagt der Weise zum 18-Jährigen: Es wird die Zeit kommen, in welcher du den Teegenuss verstehen wirst“. Der Teegenuss scheint etwas für die Weisen dieser Welt zu sein. Das Verständnis dafür muss man scheinbar förmlich „ziehen lassen“. Ich pflege nur in lieb gewordenen Ausnahmefällen Tee zu trinken – zum Beispiel beim Marrokaner – und dann mit ganz viel Zucker. Und in Indien habe ich natürlich viel Tee getrunken. Masala Chai, Kashmiri Kawa (Grüntee) oder Lemon Tea… Indien ist ein wahres Teeparadies! Tee wärmt von Innen und ist gerade in kalten Tagen einfach irgendwie tröstlich. Aber Halt – Tee ist nicht gleich Tee. Der entscheidende Unterschied macht die Sorte.

Die Römerin hat nämlich vor einiger Zeit eine Tee-Theorie aufgestellt: Vom Tee, den Menschen trinken, lässt sich auf deren Charakter schliessen. Wer Vanilletee trinkt, ist ein sinnlicher Mensch, Roibostee-Trinker sind die Weltoffenen, Hagenbuttentee-Trinker solche, die in Dritte-Welt-Läden einkaufen. Eine absolute Tabuzone hingegen ist der Lindenblütentee. Wer im Café einen Lindenblütentee bestellt – und dann noch ohne Zucker!! – dem ist jegliche Lebensfreude abhanden gekommen. Diese Person offenbart sich als Geizkragen oder muss ein völlig übertriebenes Figurbewusstsein haben. Ich habe anfangs nicht ganz verstanden, warum die Römerin sich so über den Lindenblütentee aufregt. Doch als sie mit dem Brustton der Überzeugung ausrief: „Lindenblütentee schmeckt doch nach gar nichts!“, wurde mir klar, was sie meinte: Lindenblütentee hat weder Farbe noch Geschmack, eigentlich könnte man genauso gut heisses Wasser trinken. Lindenblütentee-Trinker sind anämische Typen, also Menschen mit akuter Blutarmut.

Man würde es nicht für möglich halten, aber Stil- und Imagefragen entscheiden sich nicht nur am Morgen vor dem Kleiderkasten oder bei der Partnerwahl. Nein, auch so etwas Banales wie eine Bestellung im Café kann dich zu einem ganz bestimmten Typ Mensch degradieren. Jetzt macht auch die Inschrift an der Häuserwand meiner Stadt mehr Sinn: Tee trinken ist wirklich etwas für die Weisen dieser Welt – zumindest in der Öffentlichkeit. Denn die Fettnäpfchen sind manchmal näher, als man sie vermutet.

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