Politik | 01.10.2007

„Jugendliche sind leicht zu manipulieren“

Text von Lena Tichy | Bilder von Raphael Hünerfauth
Als zweiter Höhepunkt der Jugendsession fand am Montag dem 24. September bei bestem Wetter eine Wahldebatte auf dem Bundesplatz statt. Mit dabei: Drei Politikerinnen, zwei Politiker, viele junge Menschen sowie ein paar Touristen.
Das Podium von links nach rechts: Christa Makrwalder, Geri Müller, Evi Allemann, Simon Oberbeck und Aurore Estoppey.
Bild: Raphael Hünerfauth

Einige Personen auf dem Podium sahen erfahrene Jugendsessions-Teilnehmende sicher nicht zum ersten Mal. So waren zum Beispiel die FDP-Nationalrätin Christa Markwalder sowie die SP-Nationalrätin Evi Allemann schon einige Male als Rednerinnen bei der Jugendsession zu Gast.  Simon Oberbeck, welcher die junge CVP vertrat, kann sogar auf eine Vergangenheit als Teilnehmer und Forumsmitglied zurückblicken. Während Geri Müller von den Grünen schon zu den älteren Semestern gehörte, war mit Aurore Estoppey wiederum eine junge französischsprechende Vertreterin der jungen SVP Waadt dabei.

„Es tut gut, solidarisch zu sein“
Aufgrund des eher dichten Programms kam Moderatorin Elena Obreschkow von der SAJV schnell zur Sache. In dieser Debatte solle es zuerst ums Thema Jugend und Wahlen gehen, sagte sie, und präsentierte die Zahlen: Während 1995 nur 27,3 Prozent aller 18- 24-Jährigen wählen gingen, waren es 2003 schon fast die Hälfte. Die erste Frage ans Podium war denn auch, ob ihnen diese Stimmen in der kommenden Wahl zukämen. Evi Allemann ergriff das Wort und meinte diplomatisch: „Obwohl ich mich als Vertreterin einer jungen Generation sehe, werde ich von ganz verschiedenen Altersgruppen gewählt. Ausserdem ist das politische Spektrum unter jungen Menschen ebenso breit gefächert wie bei älteren.“ Simon Oberbeck hingegen sprach sich entschieden dafür aus, dass junge Menschen Junge wählen. „Ich glaube es tut gut, solidarisch zu sein. Ausserdem denke ich, dass es Jugend-Probleme gibt, die nur junge Politikerinnen und Politiker wirklich verstehen können. Ich möchte mir jedenfalls nicht von einem 50-Jährigen erzählen lassen, wie unsere Schulen aussehen sollten. Da halte ich mich für kompetenter, weil diese Erfahrung bei mir noch viel weniger lange zurückliegt.“

„Sehr manipulierbar“
Selbstverständlich war auch Stimmrecht 16 ein Thema. Während hier SP-Nationalrätin Evi Allemann bereits eine Parlamentarische Initiative eingereicht hatte, die ein Wahlrecht ab 16 fordert, zeigte sich Aurore Estoppey von der jungen SVP weniger begeistert: „Ich glaube, dass man mit 16 einfach noch nicht die nötige Lebenserfahrung hat, um wählen zu gehen. Ausserdem ist man in diesem Alter auch noch sehr manipulierbar.“ Kein Wunder, war kaum einer der Jugendlichen aus dem Publikum begeistert von diesem Statement. Als Simon Oberbeck das Wort hatte, sagte er bestimmt: „Ich verstehe einfach nicht, warum zum Teil junge Menschen dem Stimmrecht 16 gegenüber so skeptisch sind. Damit tun sie sich doch überhaupt keinen Gefallen.“

Demokratie ist wie Lesen und Schreiben

Die Diskussion entspinnte sich weiter um die Frage, was getan werden muss, damit junge Menschen auch in der Schule mehr mitbestimmen können und besser politische Bildung erhalten. Geri Müller erntet dabei Applaus mit seiner Aussage: „Demokratie muss von Kindesbeinen an gelernt werden, ebenso wie Lesen und Schreiben. Eigentlich bin ich ja für ein Stimmrechtalter Null, aber bisher kam ich damit nicht weit.“

Viel zu schnell ging die erste Stunde der Wahldebatte vorbei. Nach Jugend und Wahlen sollte im zweiten Teil über Jugend und Armut diskutiert werden, wobei sich das Gespräch schnell auf steuerrechtliche Fragen konzentrierte. Obwohl für alle alle Podiumsteilnehmeden klar war, dass Jugendarbeitslosigkeit ein dringendes Problem ist und junge Verschuldung eine Tragödie, mochte sich niemand mehr wirklich in der Diskussion engagieren. Zu verlockend war vermutlich das inzwischen aufgebaute Buffet neben der Bühne. Und insgeheim fürchteten sich wohl alle, die dahergelaufenen Touristen könnten davon probieren, bevor man selbst die Gelegenheit hätte. Soviel also zu den Vor- und Nachteilen einer Debatte auf dem Bundesplatz.

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