Kultur | 01.10.2007

Gesicht im Halbschatten

Text von Tink.ch
Wer noch nie im Louvre war, sollte das dringend nachholen. Warum, das zeigt Tink.ch mit einem Rundgang durch die verschiedenen Epochen der Malerei.
Die berühmte Glaspyramide, welche 1989 vom japanischen Architekten Ieoh Ming Pei entworten wurde, dient heute als Haupteingang in den Louvre. Fotos: Tink.ch Durch hohe Torbögen gelangt man zum drittgrössten Museum der Welt.

Paris hat viele Gesichter, für einige ist sie die „Stadt der Liebe“, für andere beinhaltet die Metropole Haute Couture und Modeschauen. Dritte wiederum schwärmen von der Kunstszene. Die Hauptstadt Frankreichs ist vergleichbar mit einer grossen Schatzkiste, die für jedermann ein geeignetes Präsent hervorzaubert. Ein Besuch im Louvre hingegen, der ehemaligen Residenz der französischen Monarchen darf schon allein aufgrund des fabelhaften Bauwerks nicht ausgelassen werden. Durch die futuristische Pyramide gelangt man in die stattliche Einganshalle, wobei es sich hier empfiehlt, erst einmal einen Führer zur Hand zu nehmen um sich einen Überblick über die verschiedenen Ausstellungen verschaffen zu können.

Ein Gemälde wie eine Fotografie

Im 2. Stock befinden sich europäische Gemälde, darunter befindet sich eine beträchtliche Sammlung nordeuropäischer Werke der frühen Renaissance bis hin zum Hochbarock gegen Ende des 18. Jahrhunderts. Betrachtet der Besucher einige Werke etwas genauer, kann er die Entwicklung der Kunst auf sehr eindrückliche Art und Weise verfolgen. Eines der ersten Gemälde stammt vom flämischen Maler Jan van Eyck, dem wohl berühmtesten Künstler der altniederländischen Malerei. Das Werk „Die Madonna des Kanzlers Rolin“, das etwa im Jahre 1430 enstand, vermittelt eine beinahe greifbare Bilderwelt. So fein sind van Eycks Pinselstriche, dass man den Samt der Kleider förmlich spürt und glaubt, eine perspektivisch leicht verzerrte Fotografie vor sich zu haben.

Im Verlauf des nächsten Jahrhunderts nimmt die Grösse der Bilder rasch zu. so misst Peter Paul Rubens „Hèléne Fourmet“ gut einen Meter in der Breite auf zwei Meter in der Höhe. Hèléne war die zweite viel jüngere Frau von Rubens. Der bekannte Barockmaler widmete sich mit grosser Detailtreue ihrem reich verzierten Kleid, den Hintergrund malte er im Gegensatz dazu jedoch eher verschwommen.

Erotische Ikonen
Ein weiteres Werk aus dieser Zeit ist die „Bathseba“ von Willem Drost. Das Gemälde ist ein perfektes Exemplar des Barocks. Aus dem dunklen Schatten, der das Bild förmlich einrahmt wird die biblische Figur der Bathseba wie durch einen Scheinwerfer hervorgehoben. Der Lichstrahl fällt direkt auf die enblösste Brust der Frau, das Trauer und Sehnsucht ausstrahlende Gesicht liegt bereits wieder im Halbschatten. Die roten Lippen und Brustwarzen ziehen den Betrachter förmlich in ihren Bann, da es die einzigen warmen Farben im ansonsten vor allem schwarz-weiss gehaltenen Werk sind. Auch solche erotischen Anspielungen waren Teil der Ikonenbilder der frühen Renaissance.

Die genannten Werke geben vielleicht einen ganz kleinen Einblick in die riesige Sammlung, doch schon allein die Betrachtung dieser wenigen Bilder dauert mehr als eine Stunde. Es lohnt sich also allemal den Louvre mehrmals zu besuchen um sich weitere Ausstellungen anzusehen.