Kultur | 03.10.2007

Ein Spiel zwischen Himmel und Hölle

Text von Laura Folkers | Bilder von Him
«Venus Doom", das neue Album von Him, ist geprägt von Ville Valos dunklen Stunden. Es überrascht mit endlosen Sound-Gebäuden und eindringlichem Songwriting.
Bleicher als die meisten Finnen: Ville Valo.
Bild: Him

Nur schon beim ersten Track von „Venus doom“ merkt man, dass dieses Album völlig anders ist als das letzte von Him. Dies ist jedoch durchaus verständlich, wenn man bedenkt, dass Frontmann und Songschreiber Ville Valo sich von seiner Freundin getrennt hat und ein Freund von ihm Selbstmord beging. Er selbst soll gesagt haben, „Wer unser letztes Album geliebt hat wird dieses hassen“, was nicht unbedingt stimmen muss. Was allerdings gleich auffällt, sind die Gitarrensoli vor allem in den ersten beiden Songs, die manchmal schon etwas in Richtung Old School-Rock zu gehen scheinen. Um mal den Psychiater zu spielen, könnte man sagen, dass diesem Album eine aggressive Trauer innewohnt. Blanke Gitarrenriffs und klassische Elemente scheinen einander manchmal wie zwei Monster zu jagen.

Die Antwort wird gegeben

Ganz auffällig ist auch der Song „Sleepwalking Past Hope“ , er scheint drei Songs in einem zu verpacken, mittelhart, schnulzig, heavy metal und elend lang. Ein Song der überhaupt nicht einzuordnen ist, aber wohl mit dem zentralen Satz „I gave up long ago…“, dunkel dahin geraunt, dass es einem kalt den Rücken hinunter läuft. Man beginnt darüber nachzudenken, was Ville Valo wohl vor Langem aufgegeben hat. Und die Antwort wird gegeben: I gave up long ago/Painting love with crimson flow/Ran out of blood and hope/So I paint you no more.


Kurz und tiefgründig

Das genaue Gegenstück dazu ist der folgende Track „Song or Suicide“, langsam düster unendlich traurig und gerade eine knappe Minute lang. Sorrow rebuild me as I step out of the light/Misery strengthen me as I say my goodbyes/I heal my wounds with grief/And dream of you/And weep myself alive. Kurz und doch tiefgründig.In diesen zwei Songs spiegelt sich ein grosser Teil des Könnens von Him wieder. Sie schaffen es, lange Lieder zu schreiben, bei denen niemandem einfallen würde sich zu langweilen. Gleichzeitig kreieren sie immer wieder kurze Songs, bei denen man sich wünscht, dass sie unendlich lang wären. Wer auf diesem Album etwas für Him Typisches sucht, landet wohl bei den letzten zwei Songs „Bleed Well“ und „Cyanide Sun“. Sie scheinen eher dem nahe zu kommen was man von Him schon kennt, und trotzdem bleiben sie etwas völlig Anderes. So hat der selbsternannte „Herr der Unterwelt“ mal wieder alle Register gezogen und ein Album zustande gebracht, dass niemand erwartet hätte.

Fazit: Wer mit Vorsicht und ohne Vorurteile geniesst, wird die Delikatesse erkennen.

Wettbewerb


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