Gesellschaft | 01.10.2007

Ein Schuh und seine Geschichte

Text von Daniela Dambach | Bilder von Daniela Dambach
Wer denkt, "Plateau" sei nur der geografische Ausdruck für eine Hochebene, der hat zweifellos etwas verpasst. Plateau-Schuhe gehören zu den Highlights der Modesaison und machen aus jeder Dame eine modische Überfliegerin.
Etwas dezenter sind sie schon geworden seit den Siebzigerjahren: Die neuen Plateauschuhe.
Bild: Daniela Dambach

Auf hohen Sohlen geht die Frau, je höher desto besser. Und wer meint, Plateausohlen seien eine progressive Erfindung innovativer Modemacher, der irrt gewaltig. Die Geschichte der hohen Hacken geht zurück bis ins 4. Jahrhundert. Die ursprünglich flachen Damensandalen wurden mit Holzkeilen unterbaut. Im Gegensatz zu damals dokumentiert die Höhe des Unterbaus zwar nicht mehr den sozialen Status der Trägerin, ist aber nach wie vor ein elegantes Mittel zur Verlängerung der eigenen Körpergrösse. Betonung auf Körpergrösse. Auf die geistige Grösse wird die Höhe des Plateaus wohl keinen Einfluss haben. Es sei denn, die Trägerin fällt aufgrund der Schwindel erregenden Höhe ihrer Schuhsohlen zu oft auf ihr erhobenes Haupt.

Skurriler Modetrend
Zurück zum Schuh. Tatort ist das Venedig des 16. Jahrhunderts: Bekannt für ihre pompösen Maskenbälle, ereilt ein skurriler Modetrend die Venezianerinnen. Sie stöckeln auf mit Samt bezogenen Korksockeln durch die Strassen und lassen sich mit den Gondeln durch die engen Gassen kutschieren. Letzteres war wohl die bequemere Fortbewegungsart, bedenkt man, dass die Schuhe bis zu 75 cm hoch waren! Es wird gemunkelt, dass die Anhängerinnen des Trends der „Chopinen“ gar nicht ohne fremde Hilfe stehen, geschweige den gehen konnten.  

Blaue Zehen nach dem Tanzen
Nachdem die derben Plateauschuhe in der Nachkriegszeit schon fast aus Modewelt verschwunden waren, fand der Plateauschuh in den 70er Jahren zu seiner extremsten Form zurück. Die klobigen Schuhe erforderten mit einer Absatzhöhe von bis zu zehn Zentimeter den vollen Körpereinsatz ihrer Trägerinnen, damit diese ihren Gang einigemassen graziös aussehen lassen konnten. In Discos glitzerten nicht mehr nur die Discokugeln, sondern auch die mit Schmucksteinen bestückten und Glitter verzierten «Hochebenen» im Takt zu den Hits von Sweet, Smokie, Slik, Bonnie Tyler, Baccara, Alice Cooper und wie sie alle hiessen. Der romantisch-dramatische Song „Sailing“ von Rod Stewart war wie gemacht für die ersten jungfräulichen, engen Tänze in der Disco. Ob es das träge Schuhwerk ebenfalls war, ist eine andere Frage. Man stelle sich die blau geschwollenen Zehen vor, wenn eine Dame ihrem Liebsten vor lauter Verliebtheit und Nervosität beim Tanzen auf die Füsse getreten war.

Die Hochebene ist zurück

Bekanntlich kommen und gehen Modetrends wie die Liebhaber, die einem am einen Tag himmelhochjauchzende, am anderen Tag todtraurige Gefühle bescheren.
So ist es auch mit dem Plateauschuh: Vor einigen Jahren noch als schwerfälliger Technoidenschuh verschrien, findet er heute wieder zurück in die Regale sämtlicher Schuhboutiquen und ziert den Fuss von zierlichen Damen. Genau dieser Kontrast macht den Plateauschuh zum unentbehrlichen Modeaccessoire dieser Saison.

Das moderne Design der Plateaupumps ist durchwegs businesstauglich, zeitlos chic und vielseitig tragbar. Ob zu den trendigen Röhrenhosen, Leggins oder zum Kostüm mit Bleistiftrock – der Plateauschuh peppt jedes Outfit auf. Zwar sind die Plateaus nicht mehr so hoch wie zu Chopinen-Zeiten, aber sie verleihen der Statur jeder Frau Eleganz und Grazie, verlängern optisch das Bein und sind zudem noch bequem. Gut, vielleicht nicht bequemer als Turnschuhe, aber auf jeden Fall eleganter. Wer also gerne eine urbane Trendsetterin mit Stil sein möchte, sollte sich die Plateaus zeitig im Dutzend anschaffen. Eben für jede Gelegenheit die richtigen Ebenen.