Kultur | 15.10.2007

Ein dicht bepacktes Erstlingswerk

Melonmoon - vier Jungs aus Biel - starten durch: Im Frühling noch spielten sie als Vorband an der Plattentaufe von Pegasus, jetzt haben sie ihre eigene Rock'n'Roll Scheibe veröffentlicht. "Giants & Dwarfs" heisst das sehr kompakte und musikalisch vielseitige Werk.
Die Bieler Rock'n'Roll Formation Melonmoon: Michael Gemmerli, Adrian Brenner, Thomas Züttel und Sascha Krähenbühl. Doch wer ist wer? Das bleibt im Dunkeln.
Bild: Melonmoon Ein Album mit Vorwärtsdrang: "Giants & Dwarfs", das Erstlingswerk von Melonmoon. Janosch Szabo

„Baby please“ heisst der Auftaktsong auf der neuen Platte von Melonmoon. Und es ist augenblicklich klar: Hier geht es um Rock’n’Roll. Eingängige Gitarrenläufe, treibende Rhythmen, melodiöser Gesang – Melonmoon ziehen alle Register, bleiben dabei aber dennoch erstaunlich einfach. Kein Ton ist überflüssig, im Aufbau steckt Spannung, der Schluss kommt jäh und präzis – noch ehe der Saft draussen ist.

Die Übersicht geht nie verloren

Diese Klarheit und der Verzicht auf jeglichen Schnickschnack ziehen sich durchs ganze Album hindurch. Adrian Brenner am Bass und Thomas Züttel am Schlagzeug formen einen sehr kompakten Boden. Rhythmen sind da auch mal ganz einfach einzelne Schläge, und Gitarrentöne werden so präzis und sparsam eingesetzt wie ein teures Gewürz. Aber selbst wo sich der Klangteppich verdichtet und alles zusammenkommt, wo die Fetzen fliegen, wo es rockt und rollt, geht die Übersicht nie verloren. Immer sind die Worte der beiden Sänger bestens verständlich. Das liegt daran, dass Sascha Krähenbühl und Michael Gemmerli gleich auch die Gitarristen sind und es somit selbst in der Hand haben mit ihren Instrumenten den Gesang zu stützen statt zu stören. Das gelingt ihnen hervorragend. Die Klarheit der durchwegs in Englisch vorgetragenen Geschichten gilt für die Stimmen selbst allerdings nicht. Sie klingen manchmal etwas gepresst und rau. Wobei: Zum Rock’n’Roll passt das eigentlich ganz gut. Und in den melancholisch angehauchten Balladen wirkt das leicht Neblige auf den durchaus reinen Stimmen sehr stimmungsvoll.

Der geheimnisvolle Dreizehnte
Auffallend ist auch, wie dicht das Album „Giants & Dwarfs“ bepackt ist. Alle Songs dauern zwischen zwei und vier Minuten. Nichts wird unnötig lange ausgesaugt. Es geht stetig vorwärts. Das tut gut, denn so hält der Spannungsbogen und die Vielfalt der Songs kommt zur Geltung. Zwölf sind es laut CD-Booklet, nach „Groupies, Girls and Lingerie“ ist auf der Platte aber noch ein Dreizehnter zu hören, von dem nirgends nichts geschrieben steht. Eine kurze wunderschöne Ballade ist es, begleitet mit akustischer Gitarre. Dieser Schlusspunkt hat etwas Geheimnisvolles an sich, wie auch das Cover des CD-Booklets und die Bandfotos im Innern des Büchleins. Was wollen die Musiker mit ihren ernsten Gesichtern wohl ausdrücken? Was haben die „Riesen und Zwerge“ im Namen des Albums zu bedeuten, wenn schon kein Lied über sie gesungen wird? Und warum erfährt man nirgends, auch nicht auf der Band-Website, wer nun wer auf den Fotos ist? Man müsste die Musiker selbst danach fragen.  
Melonmoon lieben allem Anschein nach nicht nur die Klarheit, das Schnörkellose, sondern eben auch das Mysteriöse, das Märchenhafte.

Kommende Konzerte


Als nächstes sind Melonmoon am 25. Oktober im Gaskessel Biel zu hören, am 31. Oktober in Zürich am Walti Dux Song Contest und am 26. Dezember nochmals in Zürich in der alten Kaserne.

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