Sport | 29.10.2007

Die Schweiz als Minigolfnation

Text von Lino Schaeren
Den Unterschied zwischen drei- bis vierhundert verschiedenen Bällen kennen und dann auch noch mit diesen umgehen können, wer das von sich behaupten kann darf sich getrost Minigolf-Spitzenspieler nennen. Ein neuer Blick auf die bekannte Freizeitsportart.
mit Pflanzen wird die Anlage zum farbenfrohen und ruhigen Ausflugsort. Fotos: Minigolfanlage Florida in Studen. Entspannung und Spitzensport vereint: Die Minigolfanlage lässt manchen Hobbygärtner alt aussehen.

„Jeder hat schon einmal in seinem Leben Minigolf gespielt. Und insgeheim möchte doch jeder besser werden. Wenn man die Chance hat, mit wenig Aufwand deutlich besser zu sein, als man üblicherweise ist, sollte man diese Chance auch packen.“

So äussert sich Wolfgang Wicki, Trainer der Schweizer Minigolfnationalmannschaft zu der kleinen, aber feinen Randsportart, die von kaum jemandem als seriös ausgeübten Spitzensport wahrgenommen wird.

Präzisionssportart Minigolf

 Minigolf wird auf einer Anlage von 18 Betonbahnen gespielt. Die Bahnen sind alle gleich lang sowie breit, mit Ausnahme einer Weitschlagbahn, wo meist über Rasen gespielt werden muss. Die Bahnen sind mit Hindernissen bestückt. Diese sind auf allen Anlagen ähnlich, damit der Spieler sich nicht bei jedem Turnier auf eine neue Bahn einstellen muss. Das Ziel der Sportart ist ganz einfach: Der Ball soll mit möglichst wenig Schlägen ins Loch befördert werden. Theoretisch gesehen ist es mit viel Präzision auf jeder Bahn möglich, den Ball mit nur einem Schlag zu versenken.

„Es fasziniert, wie mit ausgefeilter Schlagtechnik und Präzision sehr gute Resultate gespielt werden können. Viel spielt sich schlussendlich im Kopf ab und es braucht neben viel Schlagtraining auch mentale Stärke,“ so Natitrainer Wicki.

Der normale Freizeitminigolfer mietet sich vor dem Betreten der Bahn einen Schläger und einen Ball. Die Spieler, die Minigolf professionell betreiben, achten allerdings sehr genau auf die richtige Ausrüstung. Ein Spieler, der die Meisterschaft mitspielt, hat beispielsweise zwischen zwei und dreihundert verschiedene Bälle, die er je nach Bahn und äusseren Witterungen einsetzt. Dem Anfänger sollte allerdings ein eigener Schläger, sowie drei bis fünf Bälle reichen um seine Bahnrekorde purzeln zu sehen.

„Um erfolgreich Minigolf zu spielen braucht es Geduld, Ausdauer, gutes Gefühl für den eigenen Körper und Konzentrationsfähigkeit über längere Zeit. Die lernt man aber nicht in einem Jahr. Gute Startvoraussetzungen sind sicher mal Geduld und Durchhaltewillen.“ Meint Thomas Wicki.

 

Kleines Land – Grosser Erfolg

Die kleine Sportart Minigolf scheint der kleinen Schweiz zu liegen. So wurden schon mehrere Titel an internationalen Turnieren gewonnen. Der Schweizer Elitespieler Michel Rhyn feierte 2002 seinen Sieg an der Europameisterschaft, 2005 holte das Schweizer Männerteam ausserdem den Weltmeistertitel. Im selben Jahr krönte Michel Rhyn seine Leistung mit dem Einzelweltmeistertitel. 2006 wurde auch die Jugendweltmeisterschaft von einem Schweizer Spieler gewonnen, was dazu führt, dass der Verband optimistisch in die Zukunft des Schweizer Minigolfsports blickt. Ein Spitzenspieler trainiert jeden Tag auf der Bahn oder übt sich in der Schlagtechnik Zuhause. Allerdings können auch mit kleinerem Trainingsaufwand gewisse Erfolge gefeiert werden. „Ein durchschnittlicher Spieler, der auch die Chance hat an der Schweizermeisterschaft mitzuspielen, trainiert in der Regel ein bis zwei mal die Woche jeweils zweieinhalb Stunden.“ So Wicki zum Trainingsaufwand der Spieler.

Auf die Frage, ob es eine bestimmte Bevölkerungsschicht gibt die vor allem Minigolf spielt, meinte Wicki: „Nein, das ist ja das Spannende. Jeder und Jede kann Minigolf spielen. Also Informatiker und Handwerker, Selbstständigerwerbende und Angestellter, Reiche und weniger Begüterte, Ältere und Jüngere. Nicht selten sieht man auf dem Minigolfplatz alte Spielerinnen und Spieler mit den Jungen trainieren. Eigentlich ist es wie in einer grossen Familie: Die Kinder spielen mit den Grosseltern und die Eltern mischen mit.“