Politik | 15.10.2007

Der Krieg der Worte

Text von Lukas Stucki
Tink.ch präsentiert den etwas anderen Kommentar zur Schweizer Politik. Mit dabei: Adlige Familien, leere Versprechungen und eine grosse Schlacht.
Die von Edels zanken sich mit dem Polterbarts. Fotos: Lena Tichy und Lukas Stucki Was wiederum den Stolzenbürgers gar nicht gefällt. Ein Glück, gibts noch die Grünings und die Fromms. So müssen sich die Clans wenigstens nicht alleine auf dem Schlachtfeld bekriegen.

Es war einmal ein Königreich, das lag in der Mitte eines kleinen Kontinents
und war berühmt für seine vielen Berge und die gute Schokolade. Dieses
Königreich wurde nun aber nicht von einem König regiert, sondern von mehreren adligen Großfamilien. Zum einen gab es das Geschlecht der Polterbarts; raue Gesellen, die das Land mit eiserner Faust regieren wollten. Ihre größten Widersacher waren die Gutmenschs, die fanden, es brauche eigentlich keine staatliche Kontrolle, die Bürger wären schon weise genug, die Ordnung selbst aufrecht zu erhalten.

Die adligsten von allen aber waren die Von Edels, eine uralte Familie, die sich oft lieber vornehm zurückhielt, wenn sich die anderen die Köpfe einschlugen. Auch die Familie der Rentiters war alteingesessen, ihre Wurzeln reichten gar noch weiter in die Geschichte des Landes zurück, als jene der Von Edels. Sie waren primär daran interessiert, dass die Wirtschaft des Landes gut lief, und jeder Bürger im Wohlstand leben konnte. Ein weiterer Familienclan war derjenige der Grünings, die sich zum Ziel gesetzt hatten, die Natur des Landes vor dem Untergang zu retten. Daneben gab es noch weitere, kleinere Familien, die um mehr Einfluss und Macht im Königreich kämpften: die Von Fromms, die Andersrums, die Stolzenbürgers, und so weiter und so fort.

Nun war aber in dem Lande ein Erbfolgekrieg eingetreten. Der König würde bald sterben, die Machtverhältnisse sich verändern. Jede Familie heckte einen Schlachtplan aus, man war entschlossen, bis zum Äußersten zu gehen. Aber es war bald einmal klar, dass man das Volk auf seiner Seite haben musste, um die Macht zu erlangen. Also wurden den Bürgern Steuersenkungen versprochen, man wollte die Kriminalität ausrotten, die Wirtschaft aufmöbeln, mehr Freiheiten zulassen, die Umwelt schützen, ja überhaupt und im Allgemeinen dem Land einer bessere Zukunft ermöglichen.

Jede Familie wollte das bessere Rezept haben als alle anderen, und so war ein Kampf unvermeidlich. So fanden sich Vertreter der verschiedenen Geschlechter auf einem ausgemachten Platz ein, um eine Schlacht zu führen. Mit Pauken und Trompeten zog man daher, prunkvoll geschmückt und siegessicher. Und es war ein Getöse und Getümmel, man schwang die Schwerter und hob die Schilde, preschte vor, zog sich zurück, und die Generäle hätten sich am liebsten ins Gesicht gespuckt, wenn es nicht gegen den Ehrenkodex verstoßen hätte. Man versuchte nicht nur, den Gegner niederzuringen, genauso fest wollte man nämlich das Volk beeindrucken.

Doch das Volk war wenig beeindruckt. Manche ärgerten sich ob des Tumults,
andere erfreuten sich an den Schlachten, die meisten jedoch wandten sich
angewidert ab. Es war ihnen einerlei, welche Familie das Sagen hatte, denn an ihrem alltäglichen Leben, das wusste man aus Erfahrung, würde sich kaum etwas ändern, wer auch immer gerade an der Macht sein mochte. Und während die Familien sich in einem unwürdigen Krieg aufrieben, ging man seiner Arbeit nach. Wie immer.