Sport | 22.10.2007

Bewegungsfaule Fussballer

Text von Noah Thoma
Es sind Fussballer, die sich nur auf die Seiten verschieben, auf kraftraubende Sprints in den gegnerischen Strafraum verzichten sie und dies seit sie in den Kasten gebastelt wurden.
Fotos: Noah Thoma Der Ball findet durch viele Beine hindurch den Weg ins Tor Tischfussball erfordert Geschick starke Handgelenke und schnelle Hände.

Jedermann und jede Frau hat bestimmt schon einmal eine Runde getöggelet. Beim Tischfussball bewegt man sich nicht allzu viel, Niederlagen sind aufgrund der vielen offensichtlichen Zufälle einigermassen verkraftbar und da (fast) jedem einmal ein Erfolgserlebnis gegönnt ist, finden viele Gefallen am leichten Spiel. Sehr beliebt sind die „Töggelikästen“ in Bars und Clubs, für einen Stutz kann bereits eine Runde gespielt werden. Obwohl Tischfussball sehr beliebt ist, findet sie als professionelle Sportart kaum Anerkennung. Dies mag unter anderem daran herrühren, dass sich. Tischfussball sich auf der Kalorienkiller-Tabelle etwa auf dem selben Treppchen wie Staubsaugern oder Klavier spielen einreiht. Nichts desto trotz gilt Tischfussball in Europa als Sportart.

Viele Zufälle, viele Tore

Töggelen ist eine der wenigen Sportarten, wo meist jener verliert, der das Spiel studiert. Die Meisten spielen einen Töggelimatch mit einem Minimum an Strategie und Überlegung, wer an den Ball kommt, haut drauf was das Zeug hält. Die Griffe fest mit den Fingern umklammernd steigt die Hektik und das Tempo, Schweiss rinnt die Handlinien hinab. Im Gegensatz zum normalen Fussball fallen die Tore im Minuten- oder je nachdem sogar im Sekundentakt, den Ursprung findet man meist im Zufall. Den Ball in die gewünschte Richtung zu spielen ist schnell erlernt, eine saubere Ballkontrolle hingegen ist milde ausgedrückt nicht Jedermanns Sache. Eine Parallele zum Fussball auf Rasen ist, dass auch beim Tischfussball mit je elf Feldspielern gespielt wird, allerdings in einem anderen Spielsystemen. Tische wie wir sie kennen sind mit je einem unsicheren Torwart, zwei tolpatschigen Verteidigern, fünf ungeschickten Mittelfelspielern, und drei harmlosen Stürmern bestückt. Dies ändert sich auch während dem Spiel nicht, rote Karten oder in diesem Fall völlig sinnlose Auswechslungen gibt es keine.

Tricks unter Geübten

Im Laufe der Zeit entwickelten sich verschiedene Schuss- und Passtechniken, Tischfussball erfreute sich seit geraumer Zeit über ein verbessertes Niveau. Unter den arrivierteren Spielern ist es beispielsweise Gang und Gäbe, den Ball unter dem Spieler einzuklemmen um ihn so zu kontrollieren. Aus dieser Situation kann jederzeit ein Torschuss oder eine schnelle seitliche Verschiebung erfolgen. Obwohl der Gegenspieler jederzeit darauf eingestellt ist, dass der Ball auf sein Tor gefeuert wird, dürfte das Überraschungsmoment siegen. Strategie, Taktik und das Defensivspiel rücken aufgrund der Schnellebigkeit und der Unberechenbarkeit in den Hintergrund. Auch unter den Tischfussballern, gibt es bewundernswerte Ballartisten. So wird der Ball zum Beispiel auf dem Torwart balanciert, bevor er dann über alle Gegenspieler Hinweg ins Gegnerische Tor segelt.

Mein grösstes Hobby“

In der Gesellschaft sind sie fast so rar wie Schnee in Sizilien. Selbst der weltbeste Tischfussballer stösst selten auf Anerkennung und sein Autogramm dürfte ähnlich gefragt sein wie Sonnencréme in Ghana. Im Verein tätige Tischfussballer haben zweifellos einen schweren Stand. Dennoch gibt es auch in der Schweiz überzeugte „Töggeler“. Zur speziellen und äusserst seltenen Spezies der aktiven Tischfussballer gehört Alain Müri aus Langenthal. Der 26-Jährige machte seine aussergewöhnliche Passion zum Hobby und spielt wie er selbst sagt „seit etwa vier Jahren“ im Tischfussballverein Bebeto. Warum man einem Tischfussballverein beitreten sollte, erklärt Alain Müri simpel und treffend gleich selbst: „Ich finde, wenn man etwas oft und gerne tut, sollte man einem Club beitreten. Dort stösst man auf Leute mit gleichen Interessen.“ Tischfussball als Sportart wird wohl auch in Zukunft von den meisten zum belächeltes Vergnügen verurteilt. Spass machts trotzdem!