Politik | 08.10.2007

„Bern braucht innovative Politiker“

Text von Claudio Notz | Bilder von Juso Winterthur
Rafael Steiner, 20, aus Winterthur will für die Juso in den Nationalrat. Tink.ch fragte den Jungunternehmer und Wirtschaftsstudenten nach seinen Beweggründen.
Noch nicht abhängig geworden von der Politik: Rafael Steiner, 20 Jahre, Winterthur.
Bild: Juso Winterthur

Wie bist du zur Politik gekommen?
Wer sich nicht politisch engagiert, über den bestimmen einfach die Anderen. Ich bin einer, der auch mitbestimmen will – das war eigentlich schon immer so.

Warum hast du dich für die Juso Winterthur entschieden?
Ich schaute mir an, welche Partei mir am meisten entspricht. Da war schnell klar, dass ich mich für die SP/Juso einsetzen will. Als mir die politische Arbeit für die Juso Spass machte, blieb ich dabei. Auch die Leute, die in der Juso mitarbeiten spornen an. So viele nette Leute, das kann nur motivieren!

Du kandidierst für den Nationalrat, der am 21. Oktober gewählt wird. Warum nimmst du den harten Wahlkampf auf dich?
Es braucht mehr linke und junge Politiker und Politikerinnen im Nationalrat. Der Altersdurchschnitt des Nationalrates hat sich bei über fünfzig Jahren eingependelt. Politik geht aber vor allem die Jungen etwas an. Es ist ihre Zukunft, die sie selbst gestalten können.

Du bist sehr aktiv: Jungunternehmer, Parteipräsident der Juso Winterthur und Wirtschaftsstudent. Wie bringst du all deine Aktivitäten unter einen Hut?
Zeitlich frage ich mich das manchmal auch. Manchmal wird es dann halt schon etwas stressig. Aber es hat bis heute eigentlich immer irgendwie geklappt. Zum Ausruhen bleibt dann halt fast keine Zeit mehr.

Du bist in der Wirtschaft verwurzelt und Sozialist. Geht das gut?
Ganz klar. Als KMU ist es eigentlich nur logisch, links zu sein. Auch als grosses Unternehmen. Schliesslich profitiert man als Arbeitgeber enorm von der Infrastruktur, die der Staat bereitstellt. Auch von Sozialleistungen und anderen sozialen Aktivitäten. Die Arbeitnehmer sind motivierter, wenn sie Sicherheiten haben.

Warum sollen dir die Zürcherinnen und Zürcher ihre Stimme geben?
Ich denke, handle und arbeite lösungsorientiert. Es geht mir nicht darum, strikte die Parteimeinung zu vertreten, sondern auch sinnvolle Kompromisse zu finden, welche die Schweiz weiterbringen. In Bern braucht es innovative Politiker.

Wie sieht deine Traumschweiz aus?
Alle haben genug, um ein gutes Leben zu führen. Die natürlichen Ressourcen werden nachhaltig genutzt und nicht verschwendet. Es gibt genug Arbeitsplätze mit fairen Arbeitsbedingungen. Auch Ausländerinnen und Ausländer sollen in der Gesellschaft willkommen sein. Natürlich auch mit dem Willen der Integration.

Was wäre ein Staat ohne Politik?

Es braucht die Politik, um das gesellschaftliche Leben zu organisieren und gemeinsame Regeln für den Umgang miteinander aufzustellen. Anarchie funktioniert leider heute nicht, weil einfach der Stärkere gewinnen würde. Die Aufgabe der Politik ist dafür zu sorgen, dass alle die gleichen Chancen haben.

Du erwähnst Anarchie. Was wäre denn überhaupt schön an Anarchie?
Anarchie ermöglicht die maximale Freiheit jedes Einzelnen. Gibt es eine schönere Vorstellung, als dass alle Menschen in Frieden und Gerechtigkeit miteinander umgehen? Jeder respektiert die Freiheiten des anderen. Die Menschheit ist zurzeit aber leider wohl nicht fähig oder bereit dazu.

Was wäre dein Leben ohne Politik?
Ich hoffe nicht, dass ich schon von der Politik abhängig geworden bin. Aber natürlich hätte ich viele Erfahrungen nicht sammeln können, die ich als sehr wertvoll erachte.

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