“Wir sind der Pavarotti der Rockmusik”

Wie ist es für euch hier zu spielen wo ihr nicht wirklich bekannt seid, während ihr in Schweden die grösste Sensation darstellt?
Ola: Es ist, als ob du in einer Zeitmaschine wärst. Mit unserem Besuch in der Schweiz kehren zu jener Zeit zurück, in der wir in Schweden bekannt wurden. Das war 1999. Wir gingen in jedem kleinsten Club und spielten dort unsere Songs für Leute die Musik liebten, Leute die eher Alternativmusik mochten.  Bald darauf hatten wir unseren grossen Durchbruch in Schweden und spielten plötzlich vor tausenden von Leuten. Für uns bedeutete das eine gewisse Einschränkung, weil wir auf der Bühne nicht mehr alles machen konnten, was wir wollten. Ich hatte immer das Gefühl, dass ein kleineres Indie-Publikum viel scharfsinniger und kritischer ist. Mit ihnen kannst du ironische Witze machen und alle wissen was du meinst. Also, ich spiele richtig gerne vor einem kleinen Publikum. Trotzdem: Ich mag den Mix aus kleinen Gigs in der Schweiz und grossen Shows in Schweden.
Eigentlich mag ich den Mix aus diesen kleineren Gigs in anderen Ländern und diese grossen Konzerten in Schweden oder Finnland. Ich denke ich spreche für alle hier, wenn ich sage dass wir beides sehr gerne machen. An kleinen Gigs hast du selbst mehr Spass aber wenn wir nur solche kleine Gigs machen würden, dann würde ich mir Sorgen machen um unsere Karriere.

In der Schweiz müsst ihr das Publikum zuerst richtig überzeugen, oder?

Ola: Ja. Und du kannst dich nicht hinter den Projektoren verstecken. Du bist nicht der grosse Star, auf der grossen Bühne mit einem grossen Abstand zum Publikum. Da bist du maximal ein Meter von deinem Publikum entfernt und sie können jedes Zucken in deinen Augen sehen. Das kann ziemlich erschöpfend sein doch das ist auch der Grund wieso es viel interessanter ist. Du kannst viel subtiler sein. Ich kann etwas sagen und einfach etwas mit meinen Augen machen und dann verstehen alle “Aha, das meinte er nicht wirklich.” Das könnte ich auf einer grossen Bühne vor 10 000 Leuten nicht machen. Es ist cool, in Schweden und Finnland eine Mainstream-Superstar-Band und in anderen Ländern wie der Schweiz eine interessante aufkommende Underground-Band zu sein.

Euer Manager hat einmal gesagt, wenn ihr nur halb so hübsch, halb so talentiert aber aus Grossbritannien wärt, hättet ihr mehr Erfolg. Denkst du das auch?
Martin: Das stimmt einigermassen. Es ist schon einfacher wenn du aus Amerika oder England kommst. Dafür ist die Konkurrenz dort sicherlich auch grösser. Doch Schweden wird langsam bekannt. Das internationale Interesse an der schwedischen Szene nimmt zu.

Ja das stimmt. Wir kennen hier Mando Diao, The Sounds oder Johnossi.

Ola: Sehr wahrscheinlich gibt es in Albanien eine Band, die doppelt so hübsch und doppelt so talentiert ist wie wir und einfach die Anerkennung, die wir bekommen nicht erhalten. Man muss auch einsehen, dass Schweden einen ziemlich gesicherten Ruf hat, was Pop-Exporte angeht. Sicher nicht so gefestigt wie England oder Amerika, die das Potenzial haben, einen eifersüchtig zu machen, doch wir können schon stolz sein auf unser Land. Schweden hat uns schon vieles gebracht. Aber England hätte uns womöglich schon ein wenig weiter befördert.

Wie erklärt ihr euch denn dass Italien das erste Land war, nach Schweden, welches euch so feierlich empfing? Wo doch normalerweise Frankreich oder England als erstes auf neue Bands aufmerksam werden.
Ola: Wir sind vermutlich das für die Rockmusik, was Pavarotti für die Klassik war. Ich glaube es hat was mit unserer Musik und unseren Bühnenshows zu tun. Diese sind meistens übertrieben, extrovertiert, prunkvoll, maximalistisch und theatralisch. Ich glaube, so mögen die Italiener ihre Künstler. Die Szene, die wir in den 90er Jahren zwischen Nord- und Nordwesteuropa hatten, das ganze introvertierte Radiohead-Ding, wurde in Italien nie gross. Die verstehen das nicht. Die wollen mehr Drama. Das ist ein Grund und der Andere ist, dass wir sehr gute Leute haben die für uns in Italien arbeiten. Die haben uns wirklich unterstützt und. . .
Martin: Die haben uns Fernsehauftritte besorgt.
Ola: Das ist in Italien der Schlüssel zum Erfolg! Die Leute kaufen keine Platten, nein, sie schauen Fern. Wir mussten lauter seltsame Playbackshows machen,
Martin: Oh ja. Wir waren bei vielen verrückten TV-Shows dabei.

Umringt von vielen halbnackten Frauen?

Ola: Ja, Mädels in Bikinis! Ein uralter Mann in einem goldenen Kostüm und öligen Haaren umzingelt von zehn Frauen in Bikini. Und dann, wir, die so tun als ob wir singen würden. Es war surreal. Doch wir hatten eine gute Zeit.
Martin: Wenn du in Schweden eine Show im Fernsehen hast, musst du drei Stunden vorher dort sein. Du musst den Soundcheck machen in der Maske sitzen, es muss alles perfekt sein. In Italien kam eine Minute vor dem Start der Techniker und sagte: “Ciao ciao ciao! Ok, go in” und dann “go out”.
Ola: 10 000 Zuschauer.     

Eure Songs sind oft sehr tiefgründig. Welcher Song bedeutet dir am meisten?
Ola: Ich denke “It takes a fool to remain sane” ist eine gute Zusammenfassung meiner Lebensphilosophie. Vor allem damals als ich etwa 22 Jahre alt war, bevor wir berühmt wurden. Ich werde ewig dankbar sein, dass wir es durch diesen Song geschafft haben. Für mich ist das der wichtigste Song den ich je geschrieben habe. Andererseits gibt es Songs, die mich auf der Bühne immer wieder extrem berühren wie “This piece of poetry is meant to do harm”. Für mich und für die Band war es sehr wichtig, das dritte Album “State of the Ark” herauszubringen, weil wir unseren Ruf als bombastisch-euphorische Band etabliert hatten und alle bewegten sich in die Andere Richtung. Ich glaube das hiess Emo. Naja, wir machten mit unserer Platte einen Schritt in die entgegengesetzte Richtung. Wir hatten einen schrillen “liebt euch alle” Hintergrund und “This piece of poetry” war dagegen sehr hart und kalt. Für mich zeigt dieser Song meine Evolution von der Person, die jedem nahe bringt sie sollen sich gegenseitig lieben und “wieso können wir uns nicht einfach umarmen” zu jener die sagt, dass Gefühle unbedingt echt sein sollten, auch wenn sie weh tun. Die Kombination von “It takes a fool” und diesem Lied fasst mich als Mensch am besten zusammen.

Was ist denn mit “Father of a Son-? Da singst du über das Recht von homosexuellen Paaren auf Adoption. Schweden hat sich bekanntlich dafür entschieden.

Martin: Ja, das war wegen unserem Song! (lacht)
Ola: Ich wünschte es wäre so! Die Sache ist die, ich habe diesen Song geschrieben und dann gab es eine Abstimmung zum Thema im Herbst 2001. Weil unser Album genau zwei Wochen vor den Abstimmungen herauskam, dachte ich, dieser Song würde der Song zur Wahl werden. Wenn man den Text liest, versteht man, dass er an den Autoritäten adressiert ist. Ich sage ja “you can strike me down, you can legislate and opress and make my life a mess…”. Im Song spreche ich direkt die Politiker an, die dieses Recht unterdrücken.  Zwei Monate vor den Wahlen wurde das Adoptionsrecht plötzlich angenommen. Zwei Monate bevor unser Album und das Lied veröffentlicht wurden, hat sich das schwedische Parlament zusammengetan und einfach gedacht “Ach, Schwule Paare sollten adoptieren können”. Und wir standen einfach da und dachten: “Aber wir haben doch diesen genialen Protestsong geschrieben!” Wir waren zwei Monate daneben. Trotzdem denke ich, dass dies ein wichtiger Song war. Er öffnete den Horizont einiger Menschen und ermutigte homosexuelle Paare den Schritt der Adoption zu wagen. Denn am Anfang, auch wenn es eigentlich erlaubt war,  wagten es nur wenige wegen dem kulturellen Hintergrund. Viele hatten auch Angst darum was in der Schule passieren würde. Ich habe mit einigen Paaren gesprochen die adoptiert haben, die mir sagten, dass sie dankbar für diesen Song seien, weil er ihnen wirklich geholfen hat, den Schritt zu machen. Die Regierung kann die Gesetze ändern, doch sie kann die Meinung der Leute nicht ändern. Ein Song kann das. Darum finde ich es wichtig, politische Songs zu schreiben.

Eine letzte Frage: Was haltet ihr von Drogen?

Ola: Tatsächlich habe ich auf dieser Tour nichts getrunken. In den 60ern und 70ern experimentierten viele Leute mit Dorgen, ich experimentiere damit sie nicht zu nehmen und keinen Alkohol zu trinken. Das Ergebnis ist echt irre. (lacht) Eigentlich habe ich gestern Wein getrunken, aber das war das erste Mal auf dieser Tour. Es war eine gute Entscheidung nichts zu trinken, ich war weniger Müde und habe besser gesungen.
Martin: Ja das stimmt! Deine Stimme hat sich echt verbessert.
Ola: Naja, vielleicht hat das mehr mit dem Rauchen zu tun.

Du hast auch auf das Rauchen verzichtet?

Ola: Ja. Nur gestern hatte ich eine Zigarette. Das ist immer so, am Ende einer Tour wirst du depressiv. Aber zwei Gläser Wein und eine Zigarette wird man mir wohl noch verzeihen können.    

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Grillpartys und Tage am Strand

Wovon viele Nachwuchsbands träumen: Nach unzähligen Live-Auftritten auch ohne Schweiss zu vergiessen, gehört zu werden, sprich; einen Plattenvertrag unterschreiben, eine CD zu produzieren. The Elephants aus Kopenhagen gelang dies beim Hamburger Label Tapete Records. Nun kann man das Ergebnis kaufen.

Laut Tapete Records besteht die Band aus vier ranken und schlanken Jungs und Mädchen, wobei zwei weitere Elefäntchen noch im Hintergrund instrumentalisch mitmischen. Der Indie-Rock hört sich dann auch genau so an, als hätten sechs Freunde den Tag am Strand verbracht, ein einsamer Strand sei dabei noch nebenbei erwähnt, um abends im Biergarten ihre Songs zum Besten zu geben. Doch im Gegensatz zu Elefanten sehen die Dänen schön glatt aus und ihre Songs gegen jegliche Art von Blues, sei es wegen der Liebe oder dem Herbst, stammen vermutlich direkt aus ihren Träumen.

Da ist zum Beispiel “5 Minutes”, der Song der zwar nur 3 Minuten 11 Sekunden lang ist, aber genug um nochmals die vergangenen Grillparty-Erinnerungen hervorzurufen. Bei “Autumn Hearts” darf man der Gitarrstin Martine Madsen zuhören, wie sie mit hoher klaren Stimme ihre Version von einem Califiornia Dreaming singt, während es in “New Ark” einfach um Flughäfen und Fliegen geht. Die Texte sollten auch nicht besonders ernst genommen werden, so etwa schreibt sich in “Valentine’s Day” ein Typ am Tag der Liebe selber einen Brief, in dem er sich verspricht, dass er sterben will. Aber wer soll auch etwas für die Text übrig haben, wenn es um Unterhaltung geht.  Darum, dem Regen entgegenzulächeln und bei “Good Time” laut “uuuhhh” mitzusingen.

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Wenn man seine Lieblinge vereint

Zwei Menschen, hier Laura Burhenn und John Davis, sitzen zusammen und reden über die Musik mit welcher sie sich von Anfang an identifizieren konnten. The Kinks, The Jam oder Simon & Garfunkel, werden da namentlich gefallen sein. Beschliessen dann die Musik neu aufleben zu lassen, produzieren Songs, jeder mit seinen eigenen Talenten und dann noch die Frage: Wie sollen wir uns nennen? Also wenn wir einen Songwriter erfinden könnten, der alle Eigenschaften unserer Lieblings-Songwriter hat, wie würden wir ihn nennen? Dabei kam Georgie James heraus. So liest sich also die Bandbiografie zweier in Amerika längst bekannten Namen, die beschlossen gemeinsame Sache zu machen. Pop aus den Sixties und Seventies, der Lust darauf macht, in eine verschlissene Jeans zu steigen und eine neue Tapete in der Wohnung aufzuziehen, eine tanzbare Gute-Laune-Musik. Dabei sind Burhenn und Davis zwei Menschen die stimmlich absolut harmonieren und mit denen man nach einem Gig gerne noch ein Bier trinken würde, denn sie eine blonde Schönheit, die aus einer Ex-Girlband Irgendwas stammen könnte und er, der Teddybär, mit einer rockfähigen Stimme, mit der man nur gut in den Tag starten kann. Besonders stark dabei ist “Cake Parade”, gut gebackener Pop, während bei “Cheap Champagne” flüssiger Rock produziert wurde.

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Das Album "Places" von Georgie James ist überall im Handel und online bei exlibris.ch und Cede.ch erhätlich.

Die Schweiz als Minigolfnation

“Jeder hat schon einmal in seinem Leben Minigolf gespielt. Und insgeheim möchte doch jeder besser werden. Wenn man die Chance hat, mit wenig Aufwand deutlich besser zu sein, als man üblicherweise ist, sollte man diese Chance auch packen.”

So äussert sich Wolfgang Wicki, Trainer der Schweizer Minigolfnationalmannschaft zu der kleinen, aber feinen Randsportart, die von kaum jemandem als seriös ausgeübten Spitzensport wahrgenommen wird.

Präzisionssportart Minigolf

 Minigolf wird auf einer Anlage von 18 Betonbahnen gespielt. Die Bahnen sind alle gleich lang sowie breit, mit Ausnahme einer Weitschlagbahn, wo meist über Rasen gespielt werden muss. Die Bahnen sind mit Hindernissen bestückt. Diese sind auf allen Anlagen ähnlich, damit der Spieler sich nicht bei jedem Turnier auf eine neue Bahn einstellen muss. Das Ziel der Sportart ist ganz einfach: Der Ball soll mit möglichst wenig Schlägen ins Loch befördert werden. Theoretisch gesehen ist es mit viel Präzision auf jeder Bahn möglich, den Ball mit nur einem Schlag zu versenken.

“Es fasziniert, wie mit ausgefeilter Schlagtechnik und Präzision sehr gute Resultate gespielt werden können. Viel spielt sich schlussendlich im Kopf ab und es braucht neben viel Schlagtraining auch mentale Stärke,” so Natitrainer Wicki.

Der normale Freizeitminigolfer mietet sich vor dem Betreten der Bahn einen Schläger und einen Ball. Die Spieler, die Minigolf professionell betreiben, achten allerdings sehr genau auf die richtige Ausrüstung. Ein Spieler, der die Meisterschaft mitspielt, hat beispielsweise zwischen zwei und dreihundert verschiedene Bälle, die er je nach Bahn und äusseren Witterungen einsetzt. Dem Anfänger sollte allerdings ein eigener Schläger, sowie drei bis fünf Bälle reichen um seine Bahnrekorde purzeln zu sehen.

“Um erfolgreich Minigolf zu spielen braucht es Geduld, Ausdauer, gutes Gefühl für den eigenen Körper und Konzentrationsfähigkeit über längere Zeit. Die lernt man aber nicht in einem Jahr. Gute Startvoraussetzungen sind sicher mal Geduld und Durchhaltewillen.” Meint Thomas Wicki.

 

Kleines Land – Grosser Erfolg

Die kleine Sportart Minigolf scheint der kleinen Schweiz zu liegen. So wurden schon mehrere Titel an internationalen Turnieren gewonnen. Der Schweizer Elitespieler Michel Rhyn feierte 2002 seinen Sieg an der Europameisterschaft, 2005 holte das Schweizer Männerteam ausserdem den Weltmeistertitel. Im selben Jahr krönte Michel Rhyn seine Leistung mit dem Einzelweltmeistertitel. 2006 wurde auch die Jugendweltmeisterschaft von einem Schweizer Spieler gewonnen, was dazu führt, dass der Verband optimistisch in die Zukunft des Schweizer Minigolfsports blickt. Ein Spitzenspieler trainiert jeden Tag auf der Bahn oder übt sich in der Schlagtechnik Zuhause. Allerdings können auch mit kleinerem Trainingsaufwand gewisse Erfolge gefeiert werden. “Ein durchschnittlicher Spieler, der auch die Chance hat an der Schweizermeisterschaft mitzuspielen, trainiert in der Regel ein bis zwei mal die Woche jeweils zweieinhalb Stunden.” So Wicki zum Trainingsaufwand der Spieler.

Auf die Frage, ob es eine bestimmte Bevölkerungsschicht gibt die vor allem Minigolf spielt, meinte Wicki: “Nein, das ist ja das Spannende. Jeder und Jede kann Minigolf spielen. Also Informatiker und Handwerker, Selbstständigerwerbende und Angestellter, Reiche und weniger Begüterte, Ältere und Jüngere. Nicht selten sieht man auf dem Minigolfplatz alte Spielerinnen und Spieler mit den Jungen trainieren. Eigentlich ist es wie in einer grossen Familie: Die Kinder spielen mit den Grosseltern und die Eltern mischen mit.”

Soundtrack fürs Leben

Was man bei Wikipedia nicht lesen kann: Dass die Musik von The Robocop Kraus  schnell, langsam, bewegend, am liebsten Laut und fast durchgehend genial und mitreissend ist. In den (englischen) Texten geht es um Alltags- und Lebenssituationen, Gefühle und Gedanken über alles Mögliche. Einzig über Politik wird nicht gesungen. Nicht aber, weil die Bandmitglieder keine politischen Menschen wären, sondern eher, weil es schwierig ist, einen politischen Text zu singen, hinter dessen Botschaft, dann alle fünf Jungs stehen können – Wie zumindest einmal in einem Interview erklärt wurde.


Songs die man einfach braucht

Einzelne Textzeilen und Refrains sind auch für sich allein schon ein Kunstwerk. Zum Beispiel “I saw people dancing, with their seatbelts on. They will making love with their helmets on” Oder auch ganz einfache Wortspielereien, wie etwa “I have a question to every answer” oder “Too true to be Good”. Aber auch poetische Zeilen wie “Its like driving in heavy traffic, very fast, and everyone involved seems to take it” sucht man nicht vergebens. Insgesamt sind seit dem Gründungsjahr 1998 70 Songs auf vier Alben erschienen. Das Neuste, erst vor Kurzem veröffentlichte Album, “Blunders and Mistakes”, ist nach Sänger Thomas Lang melodiöser als die Vorangegangenen. Es sind 70 Songs die man einfach braucht, irgendwie, ein Soundtrack fürs Leben. Musik, die es schafft einen Nerv zu treffen, an dem andere Bands hoffnungslos vorbeischiessen. So gut, dass einem manchmal etwas schwindlig wird, wenn man laut genug aufdreht. Mit Gitarre, Bass, Keyboard, Schlagzeug erschaffen The Robocop Kraus Melodien, Rhytmen, an die man auch noch denkt, wenn die Lichter schon wieder aus sind.


Zu bedauern ist, wer nicht da war

Und auch live haben die fünf Süddeutschen etwas zu bieten, so erlebt am Donnerstag in Bern und am Freitag im Zürcher Mascotte. Zwar waren nicht gerade massig viele Leute da – wer das Mascotte kennt, weiss, dass man da eigentlich frühstens um elf hingeht – doch jene, denen dieser “Ausgangskodex” egal war, wurden mit einer berauschenden Show belohnt. Thomas sprang in grauen Hosen und einem bunten T-shirt, mit dem man ihn vor ein paar Jahren gar nicht ins Mascotte gelassen hätte, zwischen seinen Bandkollegen und einem Mikroständer umher, als ob das Leben ein einziges Musikstück wäre. Einige wenige aus dem Publikum sangen mit, die meisten wippten und tanzten leicht, einige hüpften manchmal. Alle hatten Spass, fanden Gefallen und bedauerten jene Mascotte-Besucherinnen und -Besucher die erst später kamen. Die Band war schnell schweissnass, hängte sich wirklich ins Zeug. Wollte nicht einfach nur eine weitere Show auf einer nie enden wollenden Tour zu Ende bringen, sondern den Gekommenen eine Freude machen, sie mitreissen, sie begeistern – Und es gelang. Voll und Ganz. Gerne wieder, danke!

Nach dem Konzert war Thomas bereit, spontan ein Interview zu geben. Ohne arrogantes Getue, freundlich und liebenswert, ganz natürlich. Endlich sollte man erfahren, was man doch schon so lange wissen wollte, oder besser gesagt, was einem grad so in den Sinn kam…

Ich habe gehört, dass ihr alle vom Land kommt, stimmt das auch wirklich?

Ich weiss wo du das gelesen hast. Aber nein, wir kommen alle aus Nürnberg. Wir lügen halt einfach viel in Interviews. Aber das tun die Journalisten ja auch. Einmal hat ein Journalist geschrieben, dass ich während dem Interview genüsslich einen Schweinebraten verputzt habe – dabei bin ich Vegetarier!

Wie denkt ihr darüber, wenn man eure Musik zwar mag und hört, aber nichts dafür bezahlt?

Es ist eine schwierige Entwicklung. Wir sind nicht grundsätzlich gegen das Runterladen von Musik, wir tun das selber ja auch. Ich gehe aber auch viel an Konzerte und kaufe zum Beispiel T-Shirts, um junge Bands zu unterstützen und ihnen eine Chance zu geben. Was mich an der Sache aber auch stört ist, dass viele Leute dann nur einzelne Stücke herunterladen und keine Zeit mehr für das ganze Album haben. Es ist wichtig, ein ganzes Album anzuhören. Und Ich denke mir, dass dieses Format leider bald beerdigt wird.  

The Robocop Kraus – bedeutet das irgendetwas? 

Der Name ist totaler Quatsch und schon sehr alt. Wir sind da irgendwie irgendwann einfach darauf gekommen.

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Düsterer Emo-Rock

Die seit 2001 bestehende Band aus New Jersey wurde von dem jetzigen Frontsänger Gerard Way und dem Ex-Drummer Matt Pelissier gegründet. Auf den Namen My Chemical Romance kamen die Jungs aufgrund eines Buches des “Trainspotting”-Autors Irvine Welsh. Die Erstbesetzung der Band bildeten, wie oben bereits erwähnt, Gerard Way (Gesang), Matt Pelissier (Schlagzeug), Mikey Way (Bass) und Ray Toro (Gitarre/Gesang). Als die Band dann 2002 beschloss, einen zweiten Gitarristen nebst Toro in die Band zu holen, stiess Frank Iero dazu.

Das Debütalbum “I Brought You My Bullets You Brought Me Your Love” erschien nur drei Monate nach der Gründung. 2003 wurde der Vertrag bei Reprise Records unterzeichnet und bald darauf tourten sie in den USA und Japan.

Unter Drogeneinfluss in die Abwärtsspirale

In Japan aber wurden Gerard Ways massive Alkohol- und Drogenprobleme so offensichtlich, dass man dran dachte die Tour abzubrechen. Im August 2004 verliess dann Matt Pelissier die Band aus unbekannten Gründen und Bob Bryar wurde der neue Schlagzeuger von My Chemical Romance. So war die Besetzung wie wir sie heute kennen festgelegt. 2004 kam “Three Cheers for sweet Revenge” raus, mit ihm auch der Weltweite Erfolg von My Chemical Romance. Ein Jahr darauf veröffentlichten die düsteren Romantiker “The Black Parade”, ein Konzeptalbum zum Thema Tod, unter anderem durch Krebs. Die Single “Welcome to the Black Parade” ist die mit Abstand erfolgreichste der Band. Das Album ist äusserst intensiv und abwechslungsreich; eine Sammlung verschiedener Stile wie Alternative, Emo, Pop und Hardcore. Sie ging in den UK-Charts in der 2. Woche auf Platz 1 und hat in den USA Platin eingefahren.

Clean und trocken

Beim Dreh zum Video “Welcome to the Black Parade” war die Band wie vom Pech verfolgt: Im August verletzen sich Gerard und Bob. Der Sänger erlitt eine Verbrennung am Bein und einen Bänderriss im Fußgelenk. Der Drummer erkrankte an einer Bakterieninfektion und musste ebenfalls im Krankenhaus behandelt werden. Ein paar Shows fielen deswegen aus. Gerard ist mittlerweile clean und trocken, so dass er keine Belastung mehr für die Band ist, und so können My Chemical Romance richtig durchstarten! Am 4. November besuchen My Chemical Romance das Zürcher Rohstofflager, hoffentlich gesund und frisch.

Wettbewerb


Tink.ch verlost in Zusammenarbeit mit free&virgin 2x 1 Ticket für das Konzert am 4. November. Einfach eine Mail an: tatjana.rueegsegger(at)tink.ch und hoffen dass es klapt!

Hollywood entdeckt den Nahen Osten

Ein vierköpfiges FBI-Team, angeführt durch Agent Ronald Fleury (Jamie Foxx) wird nach Saudi Arabien geschickt, um ein grausames Attentat aufzuklären, welches mehrere hundert Tote und Verletzte forderte. Über das Einmischen der USA sind die einheimischen Gesetzeshüter aber nicht  besonders erfreut, weshalb die Gruppe nicht nur gegen den Terror sondern auch gegen die einengenden Regeln zu kämpfen hat.

Fesselnde Bilder
Der Actionkracher von Regisseur Peter Berg basiert auf erschreckenden Wahrheiten, die den Zuschauer auf eine schockierend realistische Art und Weise in ihren Bann ziehen. Nach einem vermeintlich dokumentarischen Intro ist der Kinobesucher über vergangene Ereignisse in dieser Region im Bilde und wird den nicht minder authentischen Bildern übergeben, die an die Lage von 2003 erinnern. Die schnellen Schnitte und die wackelige Kamera lassen den Zuschauer oft näher am Geschehen dabei sein, als ihm das lieb ist. Trotz dem heiklen Grundthema schafft es Berg, dem Kinopublikum ein vielseitiges Bild der Situation zu vermitteln.

Bedeutungslose Sätze
Der weibliche Part des Films (Jennifer Garner) bleibt lange Zeit auf der Strecke. In den ersten neunzig Minuten lutscht diese an Lollis rum, weint kurz, setzt eine Murmel zusammen und äussert sich mit einem knappen Dutzend eher bedeutungsloser Sätze. Danach dreht der Alias-Star aber so richtig auf und man kann wahrhaftig mit ihr mitfiebern. Die anderen Rollen sind sehr passend besetzt und wurden gut in die Praxis umgesetzt. Abschliessend lässt sich sagen, dass der Film die Erwartungen weder übertrifft noch unterschreitet. Mit einem sehr realitätsnahen Stil lebt man sich so richtig in den Film ein. Auch das Ende überrascht – besonders für einen Hollywoodfilm mit einem 200 Millionen-Dollar-Budget. “The Kingdom” ist auf jeden Fall einen Kino-Besuch wert, sowohl inhaltlich als auch visuell.

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2. Kinder- und Jugendliteratur- Festival ABRAXAS in Zug

Zwölf Autorinnen und Illustratoren aus dem In- und Ausland sind eingeladen und gemeinsam sorgen sie mit vielen Kooperationspartnern für spannende Highlights: die szenische Lesung einer Oberstufenklasse aus Unterägeri mit der Autorin Elisabeth Zöller, das Musical „Die kleine Hexe“ mit dem Kinderchor der Musikschule Cham, das Hexenfest in Zusammenarbeit mit der Burg Zug, den „U20-Slam“ für junge Zuger Poeten im Kunsthaus Zug oder einen Vortrag für Eltern rund um allererste Büchertipps für Kleinkinder. Neben den Lesungen und Werkstätten lädt das Rahmenprogramm der Raben-Tipps zum lustvollen Schmökern ein.

Seit 2004 setzt sich der privat getragene Zuger Verein ABRAXAS für die nachhaltige Lese(r)förderung ein. Dazu organisiert der Verein neben den Festivals in Kooperation mit anderen Institutionen und Partnern ausserschulische Projekte, die im weitesten Sinne zur Freude am Lesen und an der Auseinandersetzung mit Buchstaben und Geschichten animieren soll, ganz im Sinne des 2006 neu eingeführten Claims: ABRAXAS – lies dir deine Welt! So haben seit dem Festival 2005 drei Veranstaltungen einer eigens kreierten Bankräuber-Suche stattgefunden, die im Rahmen des „Clubs der rabenschlauen Ratefüchse“ durchgeführt wurden. Den Abschluss dieser Reihe bildete im September eine öffentlich ausgeschriebene Lesung mit Klaus-Peter Wolf und Bettina Göschl.

Der Eintritt zu allen Veranstaltungen ist dank des Eintritt-Sponsorings des Migros-Kulturprozents gratis, es werden aber am Infopoint Tickets des jeweiligen Tages zur Platzverteilung ausgegeben.

Links

  • www.abraxas-festival.ch

Herbstlich, cool und humorvoll

Laut ihrer offiziellen Homepage haben the Rakes ihren Bandnamen gemäss dem englischen Ausdruck „as thin as a rake“ (Dünn wie ein Rechen) gewählt. Tatsächlich sind die vier Jungs ziemlich mager. Natürlich verstärken die Röhrli-Jeans diesen Eindruck noch mehr. Trotzdem machen die Rechen aus Ost-London ziemlich gute Musik. Ganz in der Tradition von The Strokes und Konsorten. Ja genau: Es handelt sich um diesen so genannten Indie-Rock. Leider tönen viele dieser neuen Indie-Bands ziemlich ähnlich. Aber man muss ja nicht immer gleich das Rad neu erfinden um Musik zu machen, die gefällt.

Das zweite Album der Rakes, “Ten New Messages”, hat keine besonderen Höhen und Tiefen, ist aber durchwegs gut. Musikalisch, wie auch inhaltlich gibt es nicht viel zu bemängeln. Die zehn Tracks passen auch hervorragend zum Herbst. Wer von Herbstdepressionen geplagt wird, kann sich das Album anhören und ist danach schon weit weniger deprimiert. Nicht dass die Musik der Rakes besonders fröhlich wäre. Im Gegenteil: Sie vermittelt die Stimmung der kalten und nebligen Strassen Londons, jedoch immer mit der nötigen Priese Optimismus und Humor. Zum Beispiel sind auf dem Track “When Tom Cruise Cries” Handy-Störgeräusche eingebaut, wie sie bestimmt jeder noch vom Walkman her kennt, was auch zum Inhalt des Songs passt. Hört man das Album zum ersten Mal auf dem Mp3-Player wird man durch diese Geräusche dazu verleitet auf sein eigenes Handy zu schauen, welches natürlich keine “New Messages” anzeigt. Wenn das nicht der viel gerühmte britische Humor ist.

Info


"Ten New Messages" von The Rakes ist überall im Handel und online bei www.exlibris.ch und www.cede.ch erhältlich.

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Eine Stimme wie ein Seidentuch

Dass Bern in gewissen musikalischen Bereichen sehr wohl mit dem Rest von Europa mithalten kann, beweisen unter anderem die Sängerin Myriam Stucki und der Komponist Patrik Zeller. Unter dem Namen Morphologue erschaffen die Beiden seit 2004 elektronisch durchtränkte Popsongs. Ein Jahr nach ihrer Gründung landeten sie mit ihrem Erstling “Midnight Nevertheless” einen Überraschungserfolg, der ihnen viel Radiopräsenz und sogar eine Einladung an die Popkomm 06 in Berlin bescherte.

Es deutet alles darauf hin, dass dies auch bei ihrem neusten Album der Fall sein wird. “Flower Art Pictures” ist experimentierfreudiger Elektro, gepaart mit äussert eingängigen Melodien. Daneben, darüber und darum legt sich Myriam Stuckis jazzige Stimme wie ein Seidentuch. Für alle, die längstens satt sind vom musikalischen Einheitsbrei, gibt es hier garantiert viel Neues zu entdecken.

Weil ein Album auch anständig gespielt werden will, gehen Morphologue jetzt auf Tour. Wie immer geben sie nicht nur in der Deutschschweiz, sondern auch in der Romandie Konzerte. Kein Wunder also, dass Couleur 3, der alternative Radiosender der jungen Romandie, die Songs rauf und runter spielt. Nun könnte man sich  nur noch wünschen, dass auch die restliche Schweiz hingeht, wenn Zeller und Stucki ihre “Walls of Sound” vor uns aufbauen.

Album und Tourdaten


"Flower Art Pictures" ist ab dem 22. Oktober im Handel erhältlich.

Tour:

19.10.2007 Les Docks Lausanne

26.10.2007 Sous Soul Bern

02.11.2007 Kornhausgalerie Bern

09.11.2007 Usine à  Gaz Nyon

30.11.2007 TAK Schaan

14.12.2007 Gaswerk Winterthur

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