Kultur | 10.09.2007

Zwei Freunde, ein Film

Text von Lena Tichy
Der Dokumentarfilm "Chrigu" von Jan Gassmann und Christian Ziörjen ist das Portrait eines jungen Mannes, der nur noch wenige Monate zu leben hat. Wer sich nicht vorstellen kann, was das bedeutet, versteht es nach diesem Film vielleicht besser.
"Er wollte sichergehen, dass wir sein Gesicht nicht vergessen", sagt Jan Gassmann über seinen Freund Chrigu.

„Die Ausgangslage ist einfach: Ein junger Mann muss sterben.“ So formuliert der Filmemacher Jan Gassmann den Inhalt seines Dokumentarfilms „Chrigu“, den er zusammen mit seinem Freund Christian Ziörjen machte.
 
Doch als Gassmann den Film fertig stellte, die 130 Stunden Videomaterial auf 87 Minuten zusammenschnitt, war Christian schon nicht mehr dabei. Chrigu, die Hauptfigur und zugleich der Mitfilmer, war gestorben an einem seltenen Tumor im Nackenbereich. Der Film ist sowohl ein Rückblick auf sein Leben als auch ein Zeugnis seiner letzten Tage geworden. Christian Ziörjen filmt sich dabei zu Beginn ebenso oft wie er auch von anderen gefilmt wird. Die Kamera zeigt ihn bei einer Indien-Reise, bei Konzerten und später auch im Spital, wo er schon kahlköpfig ist und ihm die erste Chemotherapie alle Farbe aus dem Gesicht getrieben hat. Die Rückfallquote ist hoch, das weiss er. Trotzdem hofft Christian, dass sein Leben nun weitergeht, dass er bald wieder die Kraft hat, weitere Filme zu drehen und mit seinen Freunden zu feiern.

Das Ende der Reise

Doch nur kurze Zeit später hat sich der Tumor bereits wieder ausgebreitet. „Für die Ärzte bin ich jetzt ein abgeschlossener Fall. Die können mir nicht mehr helfen“, sagt Christian. Er ist 21. Zusammen mit seinem besten Freund Jan Gassmann, beschliesst Chrigu einen Film zu machen. „Ich steige dann irgendwann aus“, sagt er. Gassmann bezieht Christians Krankenzimmer und installiert eine Kamera, hält seinen Freund wach, wenn dieser einen Morphinrausch hat, und führt lange Gespräche mit ihm. Der Blick von Gassmann ist der eines guten Freundes, geprägt von Nähe und schonungsloser Offenheit. „Chrigu“ beleuchtet sowohl einfache Alltagsbegegnungen als auch die grossen Fragen nach dem Sinn einer tödlichen Krankheit. Nicht selten hilft der schwarze Humor der beiden jungen Männer, die Brücke zwischen dem Unfassbaren und der Realität zu schlagen. Gerade weil einem das Sterben und Abschied nehmen so direkt gezeigt werden, erscheint das Leben umso wertvoller.

„Chrigu“ belohnt alle, die den Mut haben, sich den Film bis zum Schluss anzusehen. Denn, so Jan Gassmann: „Als Zuschauer ist man darauf getrimmt zu glauben, dass irgendwann doch noch ein Drehpunkt kommt, an dem es Christian wieder besser geht und er gesund wird. Dass dieser Moment nicht kommt, ist dokumentarisch und verweist den Zuschauer darauf, dass auch am Ende seiner Reise der Tod stehen wird. Was er daraus macht, ist ihm überlassen.“

Info:


"Chrigu" startet am 27. September in Aarau, Basel, Bern, Luzern, Zürich und Winterthur.

Das Stattkino Luzern zeigt am 28. September den Film mit anschliessender Podiumsdiskussion. Mit dabei sein werden Betroffene, Fachleute und Regisseur Jan Gassmann. Beginn: 19.00 Uhr.

Am Samstag dem 29. September findet um 23.00 im stattkino Luzern ein Konzert der Mundartisten statt, jene Band, welche den Soundtrack zum Film beisteuerte und auch im Leben von Christian Ziörjen eine grosse Rolle spielte.

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