Kultur | 10.09.2007

Weisheit auf wenigen Seiten

Text von Rick Noack
1943 erschienen, übt das Buch "Der kleine Prinz" von Antoine de Saint-Exupéry auch heute noch eine grosse Faszination auf jene aus, die es lesen. Wie zum Beispiel unser Tink.ch-Reporter.
Das Cover der französischen Orgiginalausgabe aus dem Jahr 1977.

Seit Jahrhunderten versuchen Gelehrte die Welt mit Worten zu erfassen. Daraus werden meist Werke mit tausend Seiten oder mehr, die dazu verdammt sind in einer Ecke zu verstauben. Deshalb ist es umso verwunderlicher, dass ein Buch, welches nur knapp über hundert Seiten lang ist, es schafft, die Welt und ihre Lebewesen auf eine wunderbare Weise kritisch darzustellen. Es ist zwar schon ein paar Jahrzehnte alt, aber immer noch ein Bestseller. Dieses Buch hat kein bisschen seiner Faszination verloren, sondern scheint sogar noch viel mehr dazu gewonnen zu haben. Die Rede ist von Antoine de Saint-Exupérys 1943 erschienem Meisterwerk: „Der kleine Prinz“.

Alles beginnt, als der Erzähler, welcher zugleich Saint-Exupéry selbst ist, die Bekanntschaft eines kleinen Jungen macht, welcher wie er, in der Wüste verloren ist. Nach und nach beginnt er die Geschichte des verschwiegenen, aber doch liebenswerten Jungen zu verstehen.

Säufer und Sternenzähler

Dieser kommt von einem anderen Planeten, welcher so klein ist, dass man in wenigen Schritten um ihn gehen kann. Dort gibt es lediglich einige Vulkane, von denen mehrere erloschen sind. Diese Idylle bleibt ungestört, bis eines Tages eine Blume auf seinem Planeten wächst. Neugierig beobachtet er sie. Doch diese Blume bringt sein Leben völlig durcheinander. Dadurch verzweifelt der kleine Prinz so, dass er beschliesst den Planeten zu verlassen. Er wandert von einem Planeten zum nächsten und lernt Menschen kennen, welche unterschiedlichen Tätigkeiten nachgehen. Allerdings versteht der kleine Prinz all diese Dinge nicht, er findet sie sinnlos und langweilig. Wie zum Beispiel den Säufer, welcher trinkt weil er trinkt, oder den Geschäftsmann, der unermüdlich seine erworbenen Sterne zählt. Ihm gehört alles, aber das Einzige was er in seinem Leben tut, ist immer weiter zu zählen, wie viel Geld er besitzt und wie viele Sterne.


Ein merkwürdiges Volk

Schließlich kommt der kleine Prinz zur Erde und dort lernt er die wohl eigenartigsten Sorten Lebewesen kennen. Hier vereinen sich all die Personen, welche er auf seiner Reise begegnet ist, zu einem Volk – einem sehr merkwürdigen. Zum Schluss begegnet et  Saint –Exupéry  welcher in der Wüste gestrandet ist. Er lernt die Welt mit anderen Augen zu sehen – aus der Perspektive eines Kindes, dem all unsere Sinnlosigkeiten unbekannt sind.

Von der ersten bis zur letzten Seite zieht das Buch den Leser förmlich in seinen Bann und wahrscheinlich eine lange Zeit danach ebenfalls, denn solch ein Werk vergisst man niemals. Saint-Exupéry hat ein Werk geschaffen, welches gesellschaftskritisch ist und doch berührend. Fast flüsternd erzählt er von der Geschichte eines Jungen. Als Pilot ist er tatsächlich einmal in der Wüste abgestürzt und es stimmt wohl auch, dass er lieber ein Kind als ein Erwachsener gewesen wäre. Was manche schon immer wussten, drückt der Autor meisterhaft in einer zauberhaften Sprache aus: Kinder sind die einzigen Lebewesen auf der Erde, welche die Welt wirklich verstehen. Schon wenn man die ersten Sätze des Buches liest, merkt man, dass ein Zauberer diese Zeilen geschrieben hat – ein Zauberer der Sprache.