Kultur | 13.09.2007

Unkorrektes aus Berlin

Text von Moritz Noser | Bilder von www.k-i-z.com
Eine Rezension über die Newcomer K.I.Z., deren Album "Hahnenkampf" vor kurzem bei Universal erschienen ist. Die Stilrichtung der drei Berliner ist laut eigener Aussage "Menschenverachtende Untergrund-Musik".
Tarek, Nico, Maxim und DJ Craft beissen sich vermutlich auch an rohem Fleisch nicht die Zähne aus.
Bild: www.k-i-z.com

Wer unter dem Begriff „Hip-Hop“ als erstes an Gewaltverherrlichung, Sexismus, und an das Zelebrieren von Drogenexzessen denkt, wird bei dem Majordebüt von K.I.Z. (Die Initialen stehen für „Kannibalen in Zivil“) bestätigt. Hier wird bewusst und gekonnt mit den vorhandenen Hip-Hop Klischees gespielt. Die drei Berliner Rapper sorgten in den vergangen Jahren mit einem Album und einem Mixtape im Untergrund für Aufsehen. Nach dem „Deutschrapkettensägenmassaker“ und „Böseenkelz“ wurde Universal auf die Kannibalen in Zivil aufmerksam und nahmen K.I.Z. direkt aus dem Untergrund unter Vertrag. „Hahnenkampf“ nennt sich das 19 Track starke Album (plus ein Remix). Der Titel steht symbolisch für die derzeitige deutsche Rapszene.

Diese ich-bin-härter-als-alle-anderen-und-

komme-aus-dem-Ghetto Attitüde wird gehörig durch den Dreck gezogen. Rein musikalisch ist „Hahnenkampf“ sehr abwechslungsreich. Manche Beats kommen sehr elektronisch oder punkig daher, wie bei „Schwarz, Rot, Geld“, bei dem der Sänger der Berliner Punkband Terrorgruppe unter dem Pseudonym MC Motherfucker den Refrain singt. Die Frage ob das noch unter Hip-Hop geht, ist berechtigt, denn die Truppe bedient sich musikalisch bei allen möglichen Schubladen.

„Nicht reich, nicht schön“

Die Texte von Tarek, Nico und Maxim sind dermassen primitiv, dass sie schon fast wieder intelligent wirken. K.I.Z. haben sozusagen einen primitiven Charme. „Spassrap“ wäre als Definition jedoch unangebracht, da einem die Lacher diverse Male im Hals stecken bleiben. Bei „Wenn es brennt“ wird die verwahrloste Berliner Jugend dazu aufgerufen, Ehrenmorde zu begehen und Judengräber zu bemalen. Hier der Text des dazugehörigen Refrains: „Dein Leben ist ein Scheissjob doch einer muss ihm machen, jeder kann es schaffen, einsam und erwachsen, nicht reich, nicht schön, du willst das jeder dich kennt, vielleicht fällt das Licht auf dein Viertel wenn es brennt.“

Natürlich sollte jeder merken, dass es sich hier um eine subtile Art der Sozialkritik handelt. Jedoch ist fraglich wie die Botschafte von K.I.Z. vom Publikum aufgegriffen wird. Bereits der Opener „Geldessen (ausgestopfte Rapper)“ zeigt gut auf, was einem auf dem Rest des Albums erwartet: Grössenwahn, Frauenverachtung, Langeweile, Gewalt und Beobachtungen, bei denen man sich auf eine unangenehme Art direkt angesprochen fühlt. Ein Aushängeschild von K.I.Z. sind sicher auch die kreativen Wortspiele („Dein Album ist eine hodenlose Frechheit“).

Musikalisch sowie lyrisch ist das Album sicherlich hochwertig, jedoch sollte man in jedem Fall zuerst Probehören.

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