Politik | 23.09.2007

Sonne und Strassenlärm

Erstmals wurde die Jugendsession unter freiem Himmel eröffnet, draussen vor dem Bundeshaus - nicht ganz freiwillig, aber dafür bei schönstem Herbstwetter. Ein stimmungsvoller Auftakt.
Die Sonne war Zeuge: Die Jugendsession wurde auf dem Bundesplatz eröffnet. Fotos: Raphael Hünerfauth Ein Blickfang: Das Jugendsessions-Plakat. Das OK spricht einige einleitende Worte.

Ein kühler Herbstmorgen in Bern, der Himmel strahlend blau: Erste Sonnenstrahlen begrüssen die jungen Leute, die sich auf dem Bundesplatz versammeln. Aus allen Ecken der Schweiz sind sie zur Jugendsession angereist, die nach dem Laax-Abstecher im letzten Jahr, wieder in Bern stattfindet. Noch aber ist das Bundeshaus in Renovation, die Arbeiten voll in Gange, weshalb der Nationalratssaal den jungen Politikinteressierten erst am Sonntag für das Plenum zur Verfügung steht und nicht wie in früheren Jahren auch schon für die Eröffnungsansprachen.

Das grosse Plakat

So werden die Teilnehmenden dieses Jahr erstmals unter freiem Himmel begrüsst, direkt vor dem Bundeshaus. An dessen weisser Hülle hängt ein grosses Plakat mit der Aufschrift „Wie änderst du die Welt?“. Diese Frage soll die dieses Jahr insgesamt 186 Teilnehmenden in den nächsten drei Tagen beschäftigen. Auf das dazugehörige Motto „Unzufrieden mit der Welt von heute?“ scheint Flavian Thelen aus Bellinzona seine Antworten bereits in der Tasche zu haben: Sie ist aussagekräftig mit „Religion ist heilbar“ beschriftet. Der 19-Jährige möchte in der Themengruppe zur Religionsvielfalt seine Meinung vertreten: „Ich glaube an Gott, aber nicht an einen bestimmten, festgesetzten Gott. Religion ist für mich etwas Persönliches“, sagt er und fährt fort: „Ich finde es seltsam, dass Millionen von Menschen an den genau gleichen Gott glauben, obwohl sie in vielerlei Hinsicht völlig verschieden sind.“

Worte im Strassenlärm
Doch zurück zur Eröffnung der 16. Jugendsession. Die Openairvariante bringt nicht nur frischen Wind sondern auch ein paar Störeffekte mit sich: Abgesehen von der wärmenden Sonne, die dermassen blendet, dass man kaum nach vorne zur Rednerbühne schauen kann, wird bereits die erste Rede vom Verkehr um den Bundesplatz gestört. Worte gehen unter im Strassenlärm. Die Organisatoren fahren jedoch unbeirrt fort, den Ablauf und die Funktionsweise der Session den Teilnehmenden und Schaulustigen vorzustellen. Sie durchmischen Deutsch, Französisch und Italienisch, was die Ansprache wirkungsvoll belebt. Das gebrochene Italienisch wird leise belächelt, die Mühe der Redner jedoch geschätzt. Man spürt die Aufbruchstimmung der jungen Leute nach dieser lockeren Einführung. Die 16-jährige Chantal Bösiger aus dem luzernischen Ufhusen bringt es klar zum Ausdruck: „Ich bin zum ersten Mal hier, will etwas über Politik erfahren, will politisch interessierte Leute kennen lernen und etwas bewirken.“

Ein motivierender Mix

Während manche unter den Teilnehmenden die Jugendsession als Sprungbrett in die Politik sehen, und auf die konkrete Umsetzung ihrer Ideen hoffen, ist das für Gruppenleiter Jonas Baumann aus Bürglen im Kanton Uri zweitrangig. Aus der Sicht des 21-Jährigen gibt es eine andere Priorität: „Mir ist wichtiger, dass die Jugendlichen mit einbezogen und für politische und wirtschaftliche Themen sensibilisiert werden.“
Die Vielfalt der Absichten, die gegensätzlichen Auffassungen und die individuellen Bedürfnisse: Dieser Mix ist es, der Jahr für Jahr im Rahmen der Jugendsession für eine motivierte Stimmung und angeregte Diskussionen sorgt.

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