Kultur | 09.09.2007

„Songs schreibe ich immer am Mittwoch“

Kasabian aus Leicester wurden bereits zur Live-Band des Jahres gekürt und fliegen mit ihrem aktuellem Album "Empire" hoch im Psychadelik-Himmel. Tink.ch traf Sänger Tom Meighan und Lead-Gitarrist Sergio Pizzorno und sprach mit ihnen über echten Rock'n'Roll und die ausgestorbene Indie-Szene.
Kasabian komplett: Chris Edwards, Tom Meighan, Sergio Pizzorno und Ian Matthews (von links).

Hallo zusammen! Wie geht es euch? Aufgeregt?

Tom: uns geht’s sehr gut! Wir haben hier ganz viele Schweizerschokolade, da kann es einem nur gut gehen. Aufgeregt sind wir eigentlich ziemlich selten. Es wird einen riesen Spass

 

Spielt ihr denn zum ersten Mal hier in der Schweiz?

Serge: Nein, nein. Wir haben schon einmal in Genf gespielt, mit den Rolling Stones.

 

Ja genau, ihr habt ja mit den Rolling Stones getourt. Wie hat sich das angefühlt als sie euch anriefen und fragten ob ihr dabei seid?

Tom: Es war ein guter Tag. (lacht)

 

Das nennst du nur einen guten Tag? Ihr wurdet ausserdem von The Who angefragt, das ist doch ziemlich krass für eine Band, die noch am Aufsteigen ist.

Tom: Wir hatten eine Menge Glück.

 

Wie ist es für euch, hier an einem kleinen Festival teilzunehmen, obwohl ihr vor Kurzem die wichtigste Band am Glastonbury Festival wart? Spielt ihr gerne an kleinen Festivals?

Serge: Wir mögen alles! So lange wir auf der Bühne stehen sind wir im siebten Himmel.

Tom: Wir sind eine Rock’n’Roll Band Mann! Solange wir oben sind…! (beide lachen)

 

Wie würdet ihr eure Musik am besten beschreiben? Es ist ziemlich schwer zu sagen wie ihr klingt. Ist es eher Elektromusik, Indie oder…

Tom: Es ist einfach Rock’n’Roll aus dem 21. Jahrhundert! Wir rocken hier richtig ab.

 

Manchmal klingt ihr aber ziemlich nach den 60er-Jahren. Es gibt einzelne Songs, da könnte man schwören es seien die Beatles.

Serge: Danke!

Tom: Es ist schwierig von den 60ern weg zu kommen. Wir wollen etwas von dieser damaligen Zeit miteinbeziehen, ohne retro zu tönen. In den 60ern hatte man einfach einen Elan den man heute nicht mehr kennt.

 

Euer Name kommt von Linda Kasabian, einer Anhängerin des amerikanischen Serienmörders Charles Manson. Warum das?

Tom: Weil es schön ist. (lacht)

Sege: Der Klang gefiel uns einfach… Es beschreit uns ja nicht wirklich.

Tom: Wir hätten „Helping Boys“ wählen können. Aber das klingt weniger gut. Es ist nur ein Name.

Serge: Ein guter Name.

 

Aber es bedeutet „Metzger“ in einer anderen Sprache.

Serge: Wir haben unsere Zeit nicht damit verbracht, jeder Bedeutung des Namens nachzuforschen, das stimmt. Wir haben es erst etwa vor einem Jahr entdeckt. Es klingt trotzdem gut.

Tom: Und es sieht gut aus auf T-Shirts! (lacht)

 

Wieso habt ihr euer Album „Empire“ getauft? Das klingt ja ziemlich gross.

Serge: Wir waren immer Könige. Wir leben in unserer eigenen Welt und wir haben unser eigenes Reich.

Tom: Der Name wuchs über unser Ego hinaus. Das war so eigentlich nicht geplant. Es war einfach wieder ein gut klingendes Wort.

Serge: Es ist ein bisschen komisch wenn Bands darüber philosophieren, welche Bedeutungen ihre Songtitel haben. Meistens wählt man irgendein gut klingendes Wort, weil man einfach keine Ahnung hat wie der Song heissen soll. Die Beatles haben „#9 Dream“ auch einfach so genannt weil sie bei den Studioaufnahmen unbedingt noch einen Titel brauchten.

Tom: „Empire“ ist einfach ein Wort welches wir untereinander viel verwenden. Es steht nichts Weltbewegendes dahinter.

 

Da gibts aber andere Songs wie zum Beispiel „British Legion“. Das klingt schon ziemlich patriotisch.

Serge: Dabei gehts um eine bestimmte Sorte Kaffe.

Tom: Wir sind eine britische Legion. Aber nicht mit dem ganzen Union Jack-Gehabe. Wir sind britisch, nicht englisch.

 

Aber du hattest ein Union Jack Hemd an, vor ziemlich vielen Leuten…

Tom: Ach ja, aber das war im Wembley-Stadion in London. Da musst du das doch machen. (lacht) Patriotismus ist doch einfach nur Mist.

 

Es gibt ja noch was Aktuelleres zu erzählen: Ihr bringt bald eine neue EP raus, nicht wahr?

Serge: Es ist nicht wirklich eine EP. Es ist mehr so was wie ein Geschenk für unsere Fans.

Tom: Ja! Das wird so ein bisschen wie Charlie und die Schokoladenfabrik. Wir verteilen sie ein bisschen herum, und die Person die sie kriegt wird die glücklichste Person auf Erden.

Serge: Es wird ein bisschen wie unsere dritte limitierte Platte. Die wird einmal Millionen wert sein. Hoffentlich… (lacht)

Tom: Das wird cool. Es wird etwas Spezielles. Uns ist aber ziemlich klar, dass es nicht mehr so speziell wird, weil man es später runterladen kann. Aber trotzdem, für diejenigen die die Platte wirklich haben wirds genial.

Tom: Seid ihr eigentlich beide Schweizerinnen?

 

Ja. Magst du die Schweiz?

Tom: Ja doch. Sie ist nur so obskur, mysteriös und verdammt klein.

 

Ja das stimmt wohl. Wann seid ihr denn angekommen?

Serge: Gestern. Wir gingen ein bisschen spazieren. Es ist sehr sauber hier.

Tom: Wir spazierten durch Zürich und besuchten ein paar Drogisten. Ich hatte noch einen Caramel Hot chocolate von. . .

 

Starbucks?

Tom: (lacht) Ja, genau Starbucks, dort wo man über die Welt und Wälder spricht. Die sind komplett durchgeknallt, Mensch.

 

Ihr ward ja jetzt in Amerika, wie war das so?

Tom: Es ist krass zu sehen was dort musikalisch so läuft. Wir waren immer auf Tour. Haben Festivals gemacht, Konzerte gegeben. Das war eine ziemlich anstrengende Zeit. Wir hatten sehr viel zu tun.

Serge: Es ist spannend zu sehen was dort für Bands entstehen. Es ist ein bisschen so wie in England. All diese Bands die auftauchen. Es gibt einfach keinen Platz mehr für all diese Bands. Ausser sie sind brillant.

Tom: Ja, die Seifenblase wird bald explodieren.

 

Glaubt ihr denn noch an Indiemusik? Die indiemusik die man als Philosophie bezeichnet, nicht als Genre.

Tom: Es kommt drauf an. Ich meine Indiemusik, das war in den 90ern. Indie ist schon vor Jahren gestorben. Und es sind nicht solche Bands wie die Arctic Monkeys die den Geist wieder aufwecken werden.

Serge: Es wird einfach langweilig. Das Ganze funktioniert nicht mehr wie früher, und es wird auch so bleiben.

Tom: Indie ist gestorben. Jetzt heisst es „Emo“ oder wie auch immer die Arctic Monkeys es nennen wollen. Das ist was man heute als Indie bezeichnet. Aber Indie… (nostalgisch) Indie, das waren die 90er.

Serge: Ja! All dieses Franz Ferdinand-The Cribs-Razorlight Ding, das ist alles… das ist es einfach nicht.

 

Ihr seid also nicht Indie?

Serge: Nein, das waren wir nie.

Tom: Wir sind keine Indieband. Wir sind eine Rock’n’Roll Band!

 

Woher bezieht ihr eure Inspiration?

Serge: Europa.

Tom: Europa?

Serge: Europa! (lacht)

 

Wer schreibt denn die Songs?

Tom: Er. (zeigt auf Serge)

Serge: Ja jeweils am Mittwoch.

Tom: Und sonntags!  Normalerweise mit einem Stück „bread and butter“.

Serge: Oder Käse. (lacht)

 

Ein richtiges Ritual. Um was geht es hauptsächlich in deinen Songs?

Serge: Und den Mittwoch! (lacht)

 

Die sind aber manchmal ziemlich dunkel und traurig dafür, dass es um einen Wochentag.

Tom: Er ist sehr spirituell. Er ist die Flamme des Lebens (versucht ernst zu bleiben, scheitert jedoch an dem Versuch nicht zu lachen). Das ist vielleicht ein bisschen übertrieben, aber er ist ein Genie. Er kann wirklich unglaublich gut schreiben und er hat viel zu sagen. Ich bin froh dass wir ihn bei uns haben.

(Die Interviewerinnen sprechen kurz auf Schweizerdeutsch)

Tom: Was spricht ihr für ne Sprache?

 

Das war gerade Schweizerdeutsch. Ist nicht gerade die schönste Sprache, finde ich. sprecht ihr ein wenig Schweizerdeutsch?

Tom: Leider nicht. Aber ihr sprecht beide „German blue“?

 

(Tink schaut ein wenig verwundert drein.)

Serge: „German blue“ (das „G“ ausgesrpochen wie bei „Grün“). Schweizerdeutsch.

 

Oh ja wir sprechen beide „German blue“. Woher kommt denn dieser Ausdruck?

Serge: So nennt man eure Sprache in England.

Tom: Ihr klingt so komisch. Darum sprechen wir das „G“ auch wie „gh“ aus!

 

Und wieso das „blue“ am Schluss?

Tom: Keine Ahnung (lacht)

 

 

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