Politik | 23.09.2007

„Ich habe viel gelernt“

Er hat zwei Jahre die schwierige Mission geleitet, Forderungen aus der Jugendsession in die reale Politik einfliessen zu lassen. Nun tritt er zurück. Ein Interview mit Rolf Heuberger über das Forum Jugendsession, unvergessliche Momente und die Zukunft politischer Mitwirkung.
"Die Politik funktioniert langsamer, als die Jugend aufwächst." Fotos: Janosch Szabo "Lobbyarbeit wird unser Kerngeschäft werden."

Dies ist deine letzte Jugendsession als Präsident des Forums. Weshalb hast du dich für den Rücktritt entschieden?
Aus Zeitgründen. Einerseits mache ich die Ausbildung zum Berufshelikopterpilot, die mich sehr beansprucht. Andererseits engagiere ich mich für die Pfadi nächstes Jahr im Bundeslager als Leiter, was ebenfalls ziemlich zeitintensiv ist. Und nicht zuletzt wurde ich vor kurzem Götti und möchte mich auch dieser Aufgabe widmen. Im Forum haben wir jedoch eine Zwischenlösung gefunden, damit ich nicht ganz aufhöre: Damit die bisher geknüpften Kontakt nicht verloren gehen, werde ich das Präsidium als Medienbeauftragter unterstützen.

An welche Momente erinnerst du dich gerne?
Das klingt ja schon beinahe nostalgisch. Aber im Ernst: ein ganz grosses Ereignis war sicher, als ich als Teil der Landesdelegation die Ministerkonferenz in Budapest besucht habe. Diese fand zum Thema Umwelt und Gesundheit mit den Ministern der WHO-Region Europa statt. Es ging darum, einen Aktionsplan zu erarbeiten, der die Gesundheit und Umwelt von Kindern verbessert. Eine Woche lang zusammen mit anderen Jugenddelegationen an einem so spannenden Thema zu arbeiten, war grossartig. Aber auch Fernsehauftritte, Treffen mit hohen Politikern oder die Arbeit im Bundeshaus gehörten zu meiner Arbeit im Forum. Für diese Erfahrungen bin ich sehr dankbar, denn sie waren äusserst lehrreich.

Gab es auch Rückschläge?
Ja, die gab es. Direkt nach dieser Konferenz in Budapest hatte sich die Schweiz verpflichtet, einen nationalen Aktionsplan auszuarbeiten, um auch hier die Gesundheit und Umgebung von Kindern zu verbessern. Bei der Aufgabenverzichtsplanung wurde dieses Paket jedoch gestrichen und der Aktionsplan verschwand in der Versenkung. Danach gab es diverse Vorstösse von Nationalrätinnen, welche die Rettung des Plans forderten. Aufgrund von Änderungen in der Traktandenliste des Nationalrats, verpassten wir den Zeitpunkt zum Lobbying. Dies führte dazu, dass die dazugehörige Motion mit ein paar wenigen Nein-Stimmen abgelehnt wurde. Seither wissen wir, wie wichtig das Timing in der Politik ist, vor allem wenn es um Motionen geht.

In welche Richtung wird sich das Forum weiterentwickeln?

Das Forum wird sich in Zukunft noch mehr auf die Lobbyarbeit konzentrieren, dies wird sozusagen unser Kerngeschäft werden. Wir werden versuchen, noch mehr Parlamentsmitglieder zu finden, welche unsere Petitionen als Motionen einreichen. Damit wollen wir einen grösseren politischen Druck ausüben und stärker auf das Forum aufmerksam machen.

Wie sieht es mit dem Nachwuchs für das Forum aus?

Immer wenn die Jugendsession vorbei ist, haben wir eine gesunde Grösse. Und kurz vor der darauffolgenden Jugendsession haben wir wieder ein Minimum an Mitgliedern. Die Jugendlichen, die sich jetzt melden, sind hochmotiviert und wollen viel bewegen. Nach einiger Zeit merken sie jedoch, dass die Arbeit im Forum Ausdauer braucht, viel Papierkram beinhaltet und es lange dauert, bis Erfolg eintritt. Dieses Abflachen der Motivationskurve ist zwar normal, trotzdem können wir das nicht einfach hinnehmen.

Politik braucht viel Geduld. Lässt sich das überhaupt mit dem jugendlichen Temperament vereinbaren?
Es stimmt, die Politik funktioniert langsamer, als die Jugend aufwächst. Wenn die Jugendsession jedoch über längere Zeit am gleichen Thema bleibt, kriegen wir eine Konstante hin. Das hat sich im Jahr 2004 sehr bewährt. Wir wählten das Thema Gesundheit. Anschliessend waren wir zwei Jahre in der Gesundheitspolitik sehr aktiv. Auch wenn die Leute wechselten, wurde am Thema weitergearbeitet.

Gibt das Forum Jugendlichen eine Garantie dafür, was sie konkret bewegen können?

Nein, man darf den Jugendlichen keine Illusionen machen. Man darf nicht sagen: Komm ins Forum und in einem Jahr hast du dein Gesetz. Man muss ehrlich sein. Je mehr Einsatz man gibt, desto mehr profitiert man davon. Und die Jugendlichen merken auch, dass sie weiterkommen. Vor allem jene, die schon länger dabei sind, sehen ihre Fortschritte deutlich. Auch ich habe viel gelernt. Ausserhalb der Schule habe ich nirgends soviel gelernt wie im Forum und in der Pfadi.

Kannst du uns ein paar Beispiele geben?
Organisatorische Sachen, Staatskunde, die ich in der Praxis einsetzen kann, und viel Kommunikation, insbesondere Medienarbeit. Zudem auch zwischenmenschliche Fähigkeiten, denn man muss mit unterschiedlichsten Leuten reden und zusammenarbeiten.

Was fasziniert dich an der Politik?
Mich fasziniert, dass ich meine Umwelt aktiv mitgestalten kann. Nirgends auf der Welt ist das wohl so gut möglich wie in der Schweiz. Was im Bundeshaus passiert, hat eins zu eins Auswirkungen auf mein Leben. Und das motiviert wiederum, an politischen Diskussionen teilzunehmen.

Siehst du deine berufliche Zukunft in der Politik?
Ich schliesse ein öffentliches Amt nicht aus, weil ich den vergangen Jahren gesehen habe, dass Politik spannend ist und dass es ein sehr schöner Job sein kann. Ob es tatsächlich dazu kommt, dass ich mit Politik Geld verdiene, weiss ich noch nicht. Denn dies ist sehr schwierig in der Schweiz. Ich müsste in die Exekutive. Aber das Berufsziel Bundesrat habe ich noch nicht, da müsste sich noch einiges tun.

Zur Person


Rolf Heuberger wurde am 5. April 1985 in Lachen im Kanton Schwyz geboren. Nach der Sekundarschule machte er eine Lehre als Systemtechniker, seit vier Jahren engagiert er sich beim Forum Jugendsession. Seit 2005 ist er Präsident des Forums. Daneben lässt er sich zum Berufshelikopterpilot ausbilden ist Leiter bei der Pfadi.

Forum Jugendsession

Das Forum Jugendsession wurde 2001 gegründet, um die Petitionen, welche an der Jugendsession erarbeitet werden, weiterzuverfolgen. Für diese Aufgabe arbeitet das Forum oft mit verschiedenen Politikern, Gremien und Institutionen zusammen. Das Forum Jugendsession besteht aus etwa 20 Jugendlichen aus der ganzen Schweiz. Dadurch verschafft es der Jugend eine politische Stimme, welche jedoch unparteiisch ist. Um auf die Jugendsession und ihre aktuelle Petitionen aufmerksam zu machen, organisiert das Forum auch eigene Projekte, so zum Beispiel die Podiumsdiskussion über die Energiezukunft in der Schweiz an der Jugendsession 2007.

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