Gesellschaft | 10.09.2007

Flotte Sprüche und Kaffe

Text von Edith Truninger | Bilder von Stefan Wallimann.
Was ist der Unterschied zwischen "weiblichen" und "männlichen" Fernsehserien. Die Amazone sagt: Die Frauen reden mehr. Die Gilmore Girls jedenfalls.
Bild: Stefan Wallimann.

Unisex kann beim Parfum funktionieren, nicht aber bei Kult-Serien. Die sind für ein geschlechtsspezifisches Publikum gemacht. Sie sind eingeteilt in „Männerserien“ oder „Frauenserien“. Männer lieben Homer Simpson, Frauen „Sex and the City“. Auch Kaktusblüte und ich haben schon seit längerer Zeit unseren Favoriten: Wir lieben die „Gilmore Girls“. Und wenn Kaktusblüte und ich uns über die neusten Geschehnisse im Leben der schlagfertigen, kaffeesüchtigen Lorelei und ihre Tochter Rory austauschen, sind wir nicht mehr zu bremsen, ja wir geraten in einen regelrechten Rausch und sind für unsere Aussenwelt unansprechbar. Wir kommentieren die neusten Entwicklungen im Leben der beiden, lästern über die Kerle – wir leiden und freuen uns mit. Jedes Mal halten wir dann einen Moment in unserem Redeschwall inne und eine von uns spricht aus, was beide denken: „Wir hören uns an, als würden sie leibhaftig existieren!“

So richtig schön ist das Verfolgen einer Serie nur, wenn es eine Freundin gibt, mit der man sich darüber unterhalten kann. Denn eigentlich tun die Gilmores das, was wir alle auch tun – nur haben sie eindeutig die flotteren Sprüche auf Lager. Die Gilmore Girls halten zusammen wie Pech und Schwefel, bilden eine Einheit, fühlen sich enttäuscht, traurig, aufgedreht – es ist die Gefühlspalette, die es ausmacht. Und das ist es wahrscheinlich auch, was die Serie so spezifisch weiblich macht. „Die Dialoge sind so witzig“, versuchen wir die weniger euphorischen Amazonen zu überzeugen. Aber irgendwie will der Funke nicht so recht überspringen. Eine kleine Google-Recherche bestätigt den Verdacht: Eine Episode der Serie umfasst 75 bis 80 Seiten Drehbuch, während Drehbücher anderer Serien üblicherweise nur 40 bis 50 Seiten zählen. Auch das ist wahrscheinlich ein sehr weibliches Phänomen. Wortwitz gefällt, es ist der subtilere Humor. Und hier setzt auch der Aspekt der Identifikation ein: Mein Anspruch an eine Serie ist, dass ich mich mit den Protagonistinnen identifizieren kann. Bei der wortgewandten, eigenständigen, sexy Lorelei fällt das doch ziemlich leicht.

Und fürs Protokoll: Frauenserien sind für Männer ein perfekter Anschauungsunterricht in Sachen Frauen – und umgekehrt. Vielleicht sollte ich mir doch wieder mal eine Serie der „Simpsons“ anschauen?!

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