Gesellschaft | 04.09.2007

Eine Plattform für den Austausch

Text von Janosch Szabo | Bilder von Luca Casetti
Am 7. und 8. September 2007 findet in Biel im Deutschen Gymnasium am See zum ersten Mal ein Sozialforum statt - mit 30 Workshops, einer Podiumsdiskussion und einem Strassenfest. Die Teilnahme ist kostenlos. Noch sind Plätze frei. Tink.ch sprach mit Co-Koordinator Jonas Ryser über das ambitionierte Projekt.
Hand in Hand: Das Sozialforum Biel Bienne als bilingue Plattform für den Austausch. Jonas Ryser: Der Co-Koordinator hat wie auch die neun anderen jungen Leute vom Organisationsteam viel Freizeit für das Projekt investiert.
Bild: Luca Casetti

Der Ursprung des Sozialforums Biel liegt in St. Gallen. Dort ist im letzten Frühsommer am Sozial- und Umweltforum Ostschweiz der Funke übergesprungen – auf Jonas Ryser und seine Kollegin Sara Bukies. Beide waren von der „Idee, Leute zusammenzubringen, die sich für soziale Fragen und Umweltfragen interessieren“ so begeistert, dass sie noch auf der Heimreise beschlossen, sie nach Biel zu bringen und ein eigenes Sozialforum zu organisieren. „Noch in der gleichen Nacht sassen wir bis drei Uhr morgens bei Sara auf dem Balkon, haben ein Konzept geschrieben und eine Ressorteinteilung gemacht“, erinnert sich Jonas. Sie hätten für die verschiedenen Aufgabenbereiche einfach passende Leute aus ihrem Freundes- und Kollegenkreis eingesetzt. Tatsächlich seien die meisten so Angefragten darauf eingestiegen.

Das Projekt konnte gestartet werden. Zehn junge Leute aus Biel machten sich an die Planung und kamen ein Mal pro Monat zu einer Besprechung zusammen. Jonas erzählt: „Die Sitzungen waren immer angenehm und speditiv. Schwierig wurde es nur, wenn Sachen nicht erledigt worden waren. Aber es haben halt alle Freiwilligenarbeit geleistet.“ Und Arbeit gab es genug. Sie hätten sich zwar auf das St. Galler Modell stützen können und seien mit den Organisatoren des SUFO regelmässig in Kontakt gewesen, aber einen Teil der anfallenden Arbeiten hätten sie unterschätzt. „Besonders die Geldbeschaffung war es nicht einfach“, sagt Jonas, „wir haben sehr viele Briefe und Gesuche verschickt.“

Langeweile kam also nie auf. Jonas selbst musste gleich mehrere Aufgabenbereiche unter einen Hut bringen: Koordination, Werbung, Medienarbeit, Rahmenprogramm und die Gestaltung des Flyers. Letzteres sei eine ziemliche Herausforderung gewesen, so der Medienstudent. Jetzt kurz vor der Eröffnung des Sozialforums Biel Bienne ist er erst recht auf Achse. „Im Moment entspricht mein Engagement einem 100 Prozent Job. Es ist sehr intensiv. Ich kümmere mich um letzte Werbeaktionen, um die Übernachtung der Bands, die Soundchecks, die Menüs und die Medien, beantworte E-Mails und helfe Flyer verteilen.“ Das nur einige Beispiele aus dem Potpourri der Aufgaben von Jonas.

Was treibt ihn dabei an? Seine Antwort kommt prompt und schlicht: „Der Glaube etwas Gutes auf die Beine zu stellen.“ Er habe auch viele Kontakte knüpfen können durch dieses Projekt. Obendrein mache sich so etwas gut im Lebenslauf.

Bevor Jonas und sein Team aber ausspannen können, geht es am Freitagabend nach langer Vorbereitungszeit richtig los. Eine Podiumsdiskussion bildet den Auftakt zum Sozialforum. Sie trägt den Titel „Entwicklungshilfe: Verpflichtung, Verschwendung oder Eigennutzen?“ Teilnehmende sind Daniel Ammann von der Weltwoche, Dr. Thomas Fleiner von der Universität Fribourg, Dr. Odilo Notti von Caritas Schweiz, Nationalrätin Franziska Teuscher von den Grünen und Klaus Tischhauser von responsAbility. Zu erwarten sei eine kontroverse aber sachliche Diskussion, meint Jonas Ryser.

Es folgt am Samstagmorgen und -nachmittag eine Reihe verschiedenster Workshops mit Titeln wie „Rassismus und Vorurteile ansprechen und abbauen“, „Fairer Handel in der Schweiz“, „Entwicklungszusammenarbeit und Korruption“, „Ohne Wasser keine Entwicklung“ oder „Hüben wie drüben Krieg“. Das nur eine kleine Auswahl aus den insgesamt 33 Workshops, angeboten von NGO’s. „Was sie verbindet ist der soziale Aspekt“, sagt Jonas und macht darauf aufmerksam, dass es noch einige Plätze frei habe. Wer Interesse hat, kann sich über die Website des Sozialforums anmelden. Dort ist auch das gesamte Programm zu finden.  

Das Sozialforum sieht Jonas Ryser als Plattform für den Austausch. Er erhofft sich „Leute jeden Alters und auch solche, die sich bisher noch kaum mit sozialen Themen beschäftigt haben.“ Ein grosses Ziel sei aber auch tatsächlich etwas zu verändern, also in dem Sinne, dass die Teilnehmenden etwas aus den Workshops mitnehmen, und im Kleinen oder Grossen Veränderungen beginnen.

Das Rahmenprogramm des Sozialforums Biel Bienne bilden ein Strassenfest am Samstagnachmittag und –abend sowie eine Party im Gaskessel zu später Stunde. Es spielen unter anderen die Skaband Plenty Enuff und die Latin-Ska-Punk Formation Mala Suerte.

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