Gesellschaft | 27.09.2007

Ein Gefühl fürs Blech

Text von Kristine Hess
Ohropax, Sonnenbrille, Standhaftigkeit - Dies ist die Ausrüstung um die Tuningmesse Auto Emotionen ohne Kopfschmerzen und Beziehungsprobleme zu überstehen.
Er ist der ganze Stolz seines Fahrers. Fotos: Marco Zgraggen Sie haben die beste Soundanlage gebaut. Und so könnte diese in etwa ausgesehen haben.

Bereits ausserhalb des Messegeländes BEA Expo ist der Klang einiger Motoren, die an ihre technischen Grenzen getrieben werden, zu hören. Nachdem man bereits einige Schritte nach der Kasse von leichtbekleideten Schönheiten angelächelt wird, bekommt man auf einem zentralen Platz zwischen den Ausstellungshallen ein Vorgeschmack auf die Attraktionen in den Hallen: Zwischen den ausgestellten Fahrzeugen einiger Besucher und den vielen Leuten entdeckt man die erste Darbietung: Sexy Carwash. Zwei in Reizwäsche gekleidete Damen räkeln ihren perfekt geformten Körper über die Motorhaube eines Boliden, um das teuere Metall noch mehr zu polieren.  


Der ganze Stolz

Trotz dem hohen Stellenwert der weiblichen Reize zeigt sich beim Eintritt in die Ausstellungshallen,  dass es hier die Autos sind, die die Herzen der Männer höher schlagen lassen. Den privaten Ausstellern wird hier die Gelegenheit gegeben, ihren ganzen Stolz zu präsentieren. Dass Glitzern in den Augen der Tuningprofis verrät, dass das eigene Auto das Schönste von allen ist. Die Unterschiedlichkeit jedes Wagens bestätigt, dass der ursprünglich handelsübliche PKW durch jede massgeschneiderte Kleinigkeit zu einem glänzenden Unikat gemacht werden kann. Dennoch sind klassische Tuningelemente wie das „Tieferlegen“, eine gute Musikanlage oder getönte Scheiben kaum wegzudenken.  


Eingebaute Nebelmaschinen

In der Kategorie der Amateure fällt auf, dass der Wagen besonders durch optische Finessen aufgewertet wird. Bereits in der Motorhaube sind auf einzelnen Oberflächen kleine Kunstmalereien angebracht. Die Formen im Innenraum werden betont durch eine exakte Anordnung blauer Diodenlämpchen. Das Design der Soundanlage und das äussere Erscheinungsbild werden selbstverständlich auf einander abgestimmt. Die Bedeutung der integrierten Bar wird durch eine Nebelmaschine im Rauminnern unterstrichen. Und die kleine Maus die frech vom Tankdeckel grinst, rundet die Philosophie des Fahrzeuges ab. Die Arbeit, die in so einem Werk steckt, ist wohl nicht messbar. Was das Finanzielle betrifft, so kann man sagen, dass die Schätzung der Summen für die meisten Autos auf dem Platz nicht unter 60’000 Franken exklusive Fahrzeugkauf anzusetzen sind.

Porsches aus Russland
Ähnliche Verhältnisse gelten für 30 professionell getunte Autos, die sich durch das Jahr hindurch an verschiedenen Anlässen beweisen können und an der Messe in Bern den „Auto Emotionen Award“ gewinnen können. Neben der Optik ist natürlich vor allem die Technik massgebend. Ein weiterer wichtiger Preis, der an der dreitägigen Messe vergeben wird, ist die Auszeichnung der Emma – european mobile media association. An dieser Schweizermeisterschaft wird das Schwergewicht auf die korrekt eingebaute, beste HiFi- oder Multimediaanlage gelegt. Mit dem Emma-Award in der Tasche kann der stolze Besitzer an der Europameisterschaft in Dänemark teilnehmen. Noch gilt jedoch die Schweizer Szene nicht als die Fortgeschrittenste. Profis aus dem Ostblock, insbesondere aus Russland, welche umgerechnet bis zu 140 000 Franken nur schon allein in die Anlage stecken (in ein Fahrzeug der Marke Porsche), machen im internationalen Vergleich das Rennen. In der Schweiz werden Anlagen im Wert von etwa 25 000 bis 30 000 Franken verbaut.

Das Auto macht den DJ

Für Personen, die sich auch ausserhalb solcher Messen mit Gleichgesinnten messen oder austauschen wollen, gibts Tuningclubs. Für solche Vereine gibts an der Auto Emotionen eine eigene Halle – die Club Arena. Während die hier ausgestellten Schlitten nicht direkt bewertet werden, dienen sie als Dekoration für den Stand des Clubs. Denn hier wird diese Repräsentation bewertet und schliesslich gekürt. Die technische Messe wird am Freitag- und Samstagabend durch eine Party abgerundet, wobei das Autotuning natürlich nicht vernachlässigt werden darf: Ein Mobil, welches mit einer kompletten DJ-Analge ausgestattet wurde, fährt auf und lässt den Tanzkünsten freien Lauf. 

Auch wenn die Tuningfreaks bewiesen haben, dass die gestylten Kraftfahrzeuge während diesen Tagen absoluten Vorrang hatten, so dürfen die bereits erwähnten Frauen halt doch nicht fehlen. Als weiteres Highlight neben den zu gewinnenden Preisen gilt die Wahl der „Miss Auto Emotionen“ – typisch Männer, oder?!

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