Sport | 10.09.2007

Aus dem Ruder gelaufen

Text von Rick Noack
Etwas ausserhalb von München fand dieses Jahr die Ruder-WM 2007 statt.Ein Tink.ch-Reporter besuchte die Veranstaltung und wunderte sich unter anderem über junge Trinker, unzufriedene Verkäuferinnen und schale Stimmung.
Abendstimmung in Oberschleissheim bei München, wo die Weltmeisterschaft im Rudern stattfand. Fotos: Rick Noack Zwei Vierer-Teams kämpfen um Sekunden. Zeit zum Ausruhen haben die Athleten kaum. Das Publikum ist alles andere als einseitig.

„Meeting friends“, steht auf dem Werbeplakat. Es ist Nacht. In einem großen Zelt bemühen sich ein paar müde, internationale Besucher den Spruch zu befolgen. Der Regen plätschert und träge Musik dringt aus dem Zelt. Nebenan fährt ein Lieferwagen über Stufen zu einer Tribüne hinauf und ein Sicherheitsauto fährt immer wieder den gleichen Weg entlang. Manchmal springen die Männer aus dem Wagen und sperren vorübergehend etwas ab. Auch eine Bank, auf der einige Bierflaschen stehen, wird vorübergehend umzingelt. Die Betrunkenen, die auf den Tribünen sitzen und Dinge rufen, wie etwa: „Ich bin erst 13 und trinke schon“, bemerkt niemand. Willkommen zur Ruder-WM 2007 am Rande der deutschen Metropole München. Schon am 24. August begannen die Vorläufe der WM und am zweiten September fuhr das letzte Rennen.

„Unerlaubte Methoden“
Am nächsten Morgen, Samstag dem ersten September, zieht eine Putzkolonne, bestehend aus zehn Männern unter den Tribünen hindurch. Sie benutzten Besen, die noch aus Omas Zeiten zu stammen scheinen. Einer von ihnen bückt sich mit einem Seufzen und sagt: „Scheiss Zigaretten.“ Dann erklärt er: „Die Leute rauchen ihre Kippen und werfen sie dann einfach auf den Boden.“ Neben ihm zündet sich ein anderer Arbeiter eine Zigarette an, während einer von der Truppe mit seinem Handy spielt. Ihr Chef kommt aufgeregt und mit wedelnden Armen angerannt. Plötzlich wird ohne Pause geschaufelt und gekehrt, während ein Fisa-Konrolleur mit dem Fahrrad vorbeifährt. Denn das Doping hat nun auch den Rudersport erreicht. Mehrere Russen haben sich „unerlaubter Methoden“ bedient.

Schleichwerbung

Mit der Zeit kommen die Besucher, die Ruderer und die Verkäufer an. Unter den Tribünen werden Stände aufgebaut. Die Post ist dort vertreten und erklärt, von hier aus könne man Briefe in die gesamte Welt verschicken. Nebenan wirbt ein Marinebund für Spenden. Konkurrenz, sagen sie, gibt es hier für sie keine. Anders sieht das an einem Stand für Bekleidung aus. Die Verkäuferin sagt: „Die Konkurrenz hier auf dieser Markstraße ist hart. Ich mache weniger Umsatz als sonst, weil ich die ganzen Gebühren bezahlen muss, um hier stehen zu dürfen.“ Auch ein Mann von der Firma New Wave, die Anziehsachen für Sportler herstellt, ist unzufrieden. Es sei für sein Geschäft eine schlechte WM, sagt er. Aber das liege an der Mentalität der Deutschen. Die würden zu wenig kaufen. Aber gegenüber schleimt ein Verkäufer, dies sei die beste WM, das Rudern werde immer bekannter und vor allem seine Firma würde große Erfolge verbuchen. Dann schlittert er in die Schleichwerbung ab.

Autogrammstunde
Auf den Tribünen drängen sich inzwischen die Menschen, allerdings bleiben trotzdem große Lücken. Die Besucherzahlen enttäuschen an diesem Samstag.
Zu den Autogrammstunden kommen trotzdem genügend Menschen. Einer der Stars ist Thorsten Engelmann. Der kommt angerannt und ihm fällt prompt die Tasche aus der Hand. „Müdigkeit ist eine Zier“, kichert eine ältere Dame. Brav schreibt er dann fein säuberlich im Auftrag einer Firma seine Unterschrift auf Karten.

Etwas näher an den Ruderern scheint ein Kind zu sein. Es rennt durch die Tribünen und feuert dabei an: „Papa, das schaffst du.“ Fahnen werden geschwenkt und Australier verbünden sich mit Deutschen. Nur die Schweizer müssen eine harte Niederlage einstecken: Auf den vorderen Rängen findet man sie nirgends.

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