Politik | 10.09.2007

„Alle sollen die gleichen Möglichkeiten haben.“

Text von Ursina Kiss
Norbert Stichert von der Jungen FDP spricht über seine Anliegen und die Probleme der Jugend. Energiegewinnung ohne Umweltverschmutzung ist ihm wichtig.
Bevorzugt Kernenergie: Norbert Stichert von der JFDP Aargau.

Wann hast du entdeckt, dass du dich für Politik interessierst?

Richtig den Zugang bekam ich als Schüler an der Kanti Baden. Im Kanton Aargau haben alle Kantonsschulen eine Schülerorganisation. Ich wurde gefragt, ob ich im Vorstand mitmachen wolle und so hat sich das ergeben. In die JFDP bin ich dann etwa mit 20 eingetreten.

Wieso genau in die FDP?

Dieses „möglichst viel Freiheit gekoppelt mit möglichst viel Selbstverantwortung“ hat mir zugesprochen.

Wie bist du auf die Idee gekommen, überhaupt für den Nationalrat zu kandidieren?

Da wird man halt einfach so mitgerissen. Ich rechne mir eigentlich keine grossen Chancen aus. Aber es ist sehr gut, um Erfahrungen zu sammeln. Man wird an Anlässe eingeladen, wo man in Kontakt mit Politikern kommt. Vor kurzem hat die freisinnige Nationalratspräsidentin, Christine Egerszegi, uns Nationalratskandidaten von der JFDP eingeladen. Solche Sachen würde man nicht erleben ohne die Kandidatur.

Welches sind sonst deine wichtigsten Anliegen?

Nachhaltigkeit ist mir wichtig. Das eine ist der Umweltschutzgedanke: Zukünftige Generationen sollen in ähnlichen Umständen leben können wie wir. Das andere ist die finanzielle Nachhaltigkeit im Staat. Jede Generation soll nur so viel Geld ausgeben wie sie auch selber erwirtschaften kann. Gerade in den letzten 15 Jahren ist das etwas aus dem Ruder gelaufen. 1990 oder 89 waren die Bundesschulden etwa 40 Milliarden und heute sind es 130, das ist eine Zunahme von fast 100 Milliarden innerhalb von nur 15 Jahren. Auch Chancengleichheit finde ich wichtig. Alle, die bereit sind, Aufgaben anzunehmen und etwas zu tun, sollen auch die gleichen Chancen haben, das zu erreichen, was sie sich vorstellen. Alle sollen die gleichen Möglichkeiten haben.

Schulisch schwache Jugendliche haben es schwer, eine Lehrstelle zu finden. Ist das ein Problem der Politik?

Ich weiss nicht, ob es sinnvoll ist, Unternehmen dazu zu verpflichten, Lehrlinge aufzunehmen, von denen sie nicht überzeugt sind. Im KV-Bereich sind zum Beispiel weniger Lehrstellen vorhanden, weil es viel mehr Vorschriften gibt und so der Aufwand viel zu gross ist. Es braucht zwar Regeln, damit die Qualität der Ausbildung stimmt, aber es dürfen nicht so viele sein, dass sich der Aufwand für die Betriebe nicht mehr lohnt.

Was kann oder muss die Politik gegen Jugendgewalt  unternehmen?

Es ist schwierig abzuschätzen, woran das liegt, ob das Gruppendruck ist oder ob sich die Leute etwas beweisen wollen. Es sind ja nicht nur Linksextreme gegen Rechtsextreme. Die einen Gruppen gehen auf Hip-Hoper los, andere auf Raver… alles, was irgendwie mit Äusserlichkeiten zu tun hat. In erster Linie würde ich sagen, die Polizei muss präsenter sein.

Siehst du das Problem als ein Ausländerproblem?

In Zusammenhang mit rechtsextremen Gruppierungen schon.

Findest du, es wird genug für den Klimaschutz unternommen? Findest du, das ist überhaupt Sache des Staates?

Bei der Energieeffizienz, also beim Stromsparen, liegt es vor allem am Einzelnen. Jeder Einzelne muss sich fragen: „Muss ich jetzt das Auto nehmen, um meine Einkäufe zu machen?“ Am Staat liegt es, Abmachungen mit anderen Staaten zu finden. Es ist schade, wenn Verträge wie das Kyoto-Protokoll nicht von allen eingehalten werden. Etwas anderes – und da hat sich die FDP Aargau eigentlich als erste dafür stark gemacht – sind neue Kernkraftwerke. Das Sympathischste wäre natürlich, wenn man den gesamten Energiebedarf mit erneuerbaren Energien decken könnte, aber jede dieser Energieform hat auch ihre Problematik. Auch die Kernenergie hat ihre Nachteile: Es gibt Abfälle, die nicht weiter verwertet werden können und gefährlich sind. Trotzdem ist die Kernenergie im Moment am Vernünftigsten, da man mit relativ wenig Rohstoffen relativ viel Energie gewinnen kann. Und man produziert kein CO2.

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