Sport | 17.09.2007

„2000 Meter bis zu den Ferien“

Text von Rick Noack
Die Weltmeisterschaft im Rudern Anfang September in München zog zahlreiche internationale Teams an. Ein Tink.ch-Reporter sprach mit Sportlerinnen und Sportlern aus allen Ecken der Welt.
Thomas, Dhaymesh, Jenil, Bajrang und Manoj sind für die WM aus Indien angereist. Fotos: Rick Noack Die deutsche Ruderin Laura Tasch. Richard Archibald kommt aus Irland. Cetin Ozturk hat die Verantwortung für das türkische Team. Sie wurden in der Kategorie Leichtgewicht Zweite: Jörg Lehnig und Manuel Brehmer. Er startete für die Tschechische Republik: Vlastimil Cabla. Matthias Schömann-Finck wurde Vizemeister. Seine Medaille nimmt er überallhin mit. Im Doppelvierer holte er als Steuermann Gold: Arne Maury.

Ohne Reis zurück nach Indien

Thomas , Dhaymesh, Jenil, Bajrang und Manoj kommen aus Indien und fahren im Leichtgewichts-Vierer und im Einer.

Wie habt ihr euch vorbereitet?

Acht Monate lang haben wir unseren Trainingsplan ausgeführt. Das bedeutet wir sind gerannt, haben Krafttraining gemacht und natürlich sind wir auch gerudert. Wir haben uns nicht besonders vorbereitet, eben bloß normal.

Und mit dieser Einstellung habt ihr dann Weltmeister werden wollen?

Wir haben auf jeden Fall unser Bestes gegeben. Dass es dann nicht gereicht hat ist schade.

In Indien zu rudern ist wohl auch etwas völlig anderes, oder?

Allerdings. Hier ist alles viel grüner. Aber uns ist es viel zu kalt und der Reis ist auch viel zu hart. Der lässt sich gar nicht essen.

Training in St. Moritz

Laura Tascht ist im Leichtgewichtseiner bei der WM mitgefahren. Doch die deutsche Medaillenanwerterin verfehlte ihr Ziel.

Du bist im B-Lauf auf einem der hinteren Plätze gelandet. Dabei sagte dir ein Magazin eine Bronzemedaille voraus. Kannst du darüber noch lachen?

Ich hätte mir eigentlich auch mehr versprochen, vor allem nach dem harten Training, aber alles in allem ist das schon okay.

Hartes Training – was ist damit gemeint?

Wir sind oft ins Trainingslager gefahren, zum Beispiel waren wir drei Wochen in St. Moritz.

Und wie lief dann dein Rennen?

Ich glaube es war das beste meiner vier Rennen während dieser WM. Aber ich habe mich auf der Strecke so ausgepowert, dass dann leider der Endspurt zu schlaff war.

Was waren deine Gedanken direkt vor dem Start?

Ich habe gedacht: jetzt trennen mich nur noch 2000 Meter von meinen Ferien.

Findest du es gut, dass die WM in Deutschland stattfindet?

Eigentlich gefällt es mir, das hat schon einen Reiz. Aber es ist auch nervig, dass mich hier jeder grüßt. Der Junge, der mein Boot vor dem Start hielt, hat mich zum Beispiel gefragt, ob er mir meine Jacke abnehmen soll. In solchen Momenten kann ich alles gebrauchen, nur nicht das. Insofern ist Peking für mich besser.

Hört man dann eigentlich die Anfeuerungsrufe, oder ist man zu beschäftigt?

Da die Tribünen so wie in einem Fußballstadium angeordnet sind, hört man alles. Im Gegensatz zu anderen Wettkampfstrecken. Allerdings hätten die Tribünen wesentlich gefüllter sein können. Es sind zu wenige gekommen.

Die Männer in Grün

Richard Archibald ruderte im 4er aus Irland auf Platz 12. Über mangelnde Unterstützung braucht er sich aber nicht zu beschweren.

Warum seid ihr nicht Weltmeister geworden?

Ich denke, dass kann man nicht so einfach erklären. Für mich ist der 12. Platz ein faires und gutes Ergebnis.

Wusstet ihr schon vorher, welchen Platz ihr später ungefähr belegen würdet?

Nein. Alle Ruderer trainieren annhähernd gleich gut. Da gibt es eigentlich keine Unterschiede. Über Sieg und Niederlage entscheidet meistens ein kleiner Abstand.

Heißt das Weltmeister sind nicht besser als alle anderen?

Manche haben eben einfach nur Glück, andere haben sich noch exzellenter vorbereitet, als die, die schon super trainiert hatten.

Irland, ein Land mit grünen Wiesen und vielen Kühen. Sind die Kühe eure einzigen Zuschauer?

Keinesfalls. Das Rudern ist in unserem Land zwar nicht sehr populär, aber man kennt es. Hier bei der WM unterstützen uns viele unserer Landsleute. Das sind die mit den grünen Hüten.

Die Türkei fällt ins Wasser

Cetin Ozturk ist die wichtigste Person im türkischen Rudersport, er ist der Ruderpräsident. Niedergeschlagen spricht er mit Tink.ch darüber, wie die Türkei bei dieser WM unter seiner Leitung kläglich versagte.

Kein einziger türkischer Ruderer hat es bis in die Finale A und B geschafft. Sollten Sie sich als Ruderpräsident nicht besser zurückziehen?

So schlecht ist es ja nun auch nicht gelaufen.

Wirklich? Bis jetzt sieht es so aus, als würde die Türkei bei den olympischen Spielen von zu Hause aus zuschauen dürfen.

Das ist Sport. So etwas ist da normal. Tatsächlich – unsere Sportler waren zum Teil zwanzig Sekunden langsamer als letztes Jahr. Aber in der nächsten Zeit wird das sehr viel besser werden. In Luzern haben wir noch eine zweite Chance uns für die olympischen Spiele in Peking zu qualifizieren.

Ist Ihre Zuversicht nicht ein bisschen sehr übertrieben?

Das finde ich nicht. Letztes Jahr zur WM haben wir es doch auch geschafft. Und das Training hat sich nicht verändert. Wir haben uns exzellent auf diese WM hier in München vorbereitet und alles notwendige getan. Die Ruderer sind in ausgezeichneter Verfassung und die Organisation ist perfekt. Dass wir verloren haben, kann ich nicht begreifen.

Vom Publikum ins Ziel getragen

Jörg Lehnig und Manuel Brehmer aus Deutschland sind in der Kategorie Leichtgewicht Doppelzweier achter geworden.

Ist die Platzierung für Sie ein Erfolg?

Wir sehen das mit einem lachenden und mit einem weinenden Auge. Im B-Finale sind wir zwar ganz gut gefahren, aber wir wären schon ganz gerne im A-Finale gefahren. Vor allem, weil wir die Qualifizierung dafür nur wegen ein paar Zentimetern verpasst haben. Dort hätte ja auch die Chance bestanden Weltmeister zu werden.

Feiern Sie trotzdem?

Na klar, heute Abend geht eine richtige Party ab.

Die Deutschen insgesamt haben aber eher wenig Grund zum Feiern, oder?

Allerdings, alles in allem können wir keinesfalls zufrieden sein. Es gibt noch viel zu tun. Gerade weil es die WM im eigenen Land war, hätte man schon wenigstens eine Goldmedaille erwartet.

Was haben Sie kurz vor dem Start gedacht?

Ich bin noch einmal die Taktik durchgegangen.

Etwa 15.000 Zuschauer haben Sie mit Rufen unterstützt. Hat es geholfen?

Auf jeden Fall. Vor allem auf den letzten 500 Metern, wo die Tribüne ist braucht man eigentlich gar nicht mehr rudern, sondern man lässt sich vom Publikum tragen.

Keine Zeit zum Feiern

Vlastimil Cabla aus der tschechischen Republik fuhr im Leichtgewichts Vierer.

Für dich ist die WM inzwischen zu Ende. Sind Sie erleichtert?

Na ja, mit einem 15. Platz sollte man eigentlich nicht erleichtert sein, sondern eher überlegen, was man falsch gemacht hat.

Und zu welchem Ergebnis sind Sie gekommen?

Momentan weiß ich nur, dass wir sehr, sehr viel trainieren müssen um ganz vorne mitfahren zu können.

Also fällt eine mögliche Feier für Sie aus?

Mir ist momentan nicht nach Feiern zu mute.

Sind Sie neidisch auf die Ruderer, die sich im Gegensatz zu Ihnen für Peking qualifiziert haben?

Ich war nie neidisch auf Leute, die mich übertrumpft haben.

Der Medaillenschreck

Matthias Schömann-Finck ist mit seinem Leichtgewichts-Achter Vizemeister geworden. Seine Medaille nimmt er überall mit hin.

Nur ein Boot hat Ihnen den Weg zum Weltmeister versperrt. Ist das für Sie ermutigend oder eher traurig?

Im ersten Moment, nachdem wir durch das Ziel gefahren waren, waren wir alle erschrocken nur zweiter zu sein. Wir hatten eigentlich von uns erwartet, zu gewinnen. Aber inzwischen finde ich das ganz in Ordnung. Wenn die Gegner besser sind, muss man das eben anerkennen.

Manche feiern noch beim zwölften Platz. Sie feiern gar nicht?

Natürlich feiern wir. Dabei habe ich tüchtig gegessen – alles was hineingepasst hat.

Werden Sie dabei auch über die WM lästern, oder sich eher an ein wunderschönes Event ereignen?

Die Weltmeisterschaften in München waren super genial. Hier eine Silbermedaille zu holen fühlt sich ganz gut an.

Auch wenn Ihre deutschen Kollegen eher durchschnittlich waren?

Für uns als Insider war klar, dass es eine sehr schwierige WM werden würde. Ich war nicht überrascht.

Ab nach Peking

Arne Maury hat als Steuermann im Behinderten-Doppelvierer Gold geholt.

Ist da auch eine Fete geplant?

Klar, gestern abend waren wir schon ordentlich feiern und ein bisschen wird wohl auch heute abend noch werden.

Ist Ihnen da ein abgeschottetes Restaurant lieber als die offizielle WM-Party?

Das weiß ich noch nicht so genau. Mir wäre beides recht.

Sie haben sich für die olympischen Spiele in Peking qualifiziert. Hätten Sie lieber erst einmal eine längere Trainingspause gehabt?

Nein, ich freue mich richtig auf Peking. Das wird ein großes Erlebnis für uns als Team und solch eine Chance sollten wir nutzen.

Empfehlen Sie Ihren deutschen Kollegen eine längere bis sehr lange Trainingspause?

So schlecht fand ich sie nicht. Gestern ist einiges schief gegangen. Heute dagegen war doch eigentlich alles ganz in Ordnung.

Was gefällt Ihnen an der WM in München nicht so sehr?

Die Busse sind zu überfüllt, genauso wie die Parkplätze.