Kultur | 17.08.2007

Zwischen melodisch und progressiv

Der erste Tag des Openair Gampel bot den Besuchern einige Überraschungen. Nicht nur der erwartete Regen blieb aus, sondern auch musikalisch wurde einiges geboten.
In Extremo eröffneten das Openair auf der Hauptbühne. Fotos: Sando La Marca Mit mittelalterlichen Instrumenten wussten die Berliner zu begeistern. Das tolle Bergpanorama passte perfekt zum schönen Wetter. iO rockten auf der Bockbühne mächtig ab. Die Bands zeigten sich am ersten Openairtag von ihrer besten Seite. Nach dem Hauptact Tool schloss QL mit Fun-Punk die Konzerte ab.

Als Erstes kam die grosse Überraschung: Hinter dem Lötschberg wartete das Wallis mit strahlendem Sonnenschein auf. Und so blieb es auch den ganzen Tag lang schön. Die perfekte Ausgangslage für den Auftakt zu vier unvergesslichen Tagen. Nachdem die Rocker von The Queen Kings diese Vorlage musikalisch nicht zu verwerten vermochten, machten sich In Extremo dazu auf, es besser zu tun. Mit mittelalterlicher Rockmusik, vermischt mit Schalmeien, Dudelsäcken und Tröten, entführten sie die Festivalgänger auf eine Reise hinaus auf die raue See. Frontsänger Michael, alias „Das letzte Einhorn“ vermochte dabei ebenso gut zu überzeugen, wie die restlichen sechs Bandmitglieder.

Obwohl die Berliner seit längerem mit demselben Programm auf Tour sind, vermögen sie immer wieder ihr Publikum zu begeistern und mitzureissen. Dennoch wäre es für die eingefleischten Fans schön, wenn In Extremo ein paar neue Elemente in ihre Show einbauen würden, reisen sie doch schon seit geraumer Zeit mit denselben Stücken, Kleidern und Bühnenrequisiten umher. Schade auch, spielten sie bereits am frühen Abend, was die spezielle Ritteratmosphäre samt Pyroshow stark beeinträchtigte oder gar unmöglich machte.

Eindrückliche Performance aus Holland

Und es ging sogleich weiter für Freunde von melodischer Metal-Musik. Within Temptation gelten nach dem Neuanfang bei Nightwish als Anwärter auf den Thron in dieser Sparte. Und die Holländer untermauerten ihre Ambitionen von der ersten Sekunde ihres Konzertes an. Mit einer geschickten Mischung aus älteren, bekannteren Stücke und Titeln vom neuen Album trafen sie den Nerv des Publikums. Dieses dankte Ihnen die Darbietung mit grosser Begeisterung. Nicht nur die männlichen Besucher erfreuten sich an Frontfrau Sharon den Adel. Diese gab vollen Einsatz und trieb ihre Stimme mehrmals in ungeahnte Höhen. Ein spektakuläres Bühnenbild unterstrich die wunderschöne Stimmung zwischen den Walliser Bergen. Nach der Show stellte sich die Frage, ob Headliner Tool dieses Konzert noch zu überbieten vermochten.  

Doch noch ein Gewitter

Das Gewitter kam doch noch. Allerdings nicht begleitet von Regen, sondern in Form von blitzenden Videoanimationen und donnernden Bässen. Mit ihren progressiven und schier endlos erscheinenden Songs sorgten Tool für ein erstes Highlight. Das Metier, in das sich die Amerikaner seit jeher hineinwagen, ist in keiner Weise mit dem von Within Temptation zu vergleichen. Dennoch ist es Musik auf höchstem Niveau. Obwohl Tool die Festivalszene spalteten, überzeugten sie mit einer aufwändigen Bühnenperformance und einem sicheren Live-Auftritt. Die bis zu zehn Minuten andauernden Stücke wurden durch schrille, verzerrte und farbige Videosequenzen unterstützt. Nach einer Stunde und 20 Minuten verstummten der vibrierende Bass und die schrillen Gitarrenriffs allmählich, als die Bieler Fun-Punk-Band QL auf der Bockbühne für den Ausklang des ersten Festivaltages sorgte. Hits wie „Heimweh“ und „Venus vo Bümpliz“ brachten sie dabei in punkiger Version dem ausgelassenen Publikum wieder. Der Start des Openair Gampel war geglückt.

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