Politik | 05.08.2007

Zottel hat Bock

Der Geissbock Zottel begleitet die SVP durch ihr Wahljahr. Kolumnist Claudio Notz findet das Tier allerdings nicht herzig, sondern eher suspekt.
Bild: Georg Mittenecker, Wikipedia

Eine grosse Schweizer Partei setzt im diesjährigen Wahlkampf auf das Wappentier von Kroatien und dem Tschad. Ein Geissbock soll den Wahlkampf für sie austragen und entscheiden: Zwei starke Hörner, damit die Partei im Ring eine Chance hat, zwei grosse Augen, damit die Partei das Volk besser sehen kann, zwei grosse Ohren, damit die Partei das Volk besser hören kann, und eine blökende Stimme, die alle nachahmen sollen. Ob sich im Bauch die Grossmutter befindet? Oder die sieben Geisslein, die wir durch Steine austauschen müssen? Ziel ist wohl, das gesamte Volk da hinein zu bekommen.


Trojanische Geiss Zottel

Der Zottel ist schliesslich das Zugpferd für den Wahlkampf der SVP. Vielleicht haben wir es auch mit einem trojanischen Pferd zu tun? Sitzen im grossräumigen Bauch des Zugtiers die Parlamentarier, die – ganz durch die Hintertür eingeschleust – das ganze Parlament zu Fall bringen?

Politik ist auch nur eine Art des Entertainments
Ganz klar ist sicher, dass im Wahlkampf und der schweizerischen Politik eine neue Dimension Einzug hält: Politik soll zum Entertainment werden. Als wäre Politik eine Comedy-Show, sollen plötzlich alle Schweizer Bock auf Politik bekommen, dabei gehört die Enthaltung ja gerade auch zum Wahl- und Stimmrecht. Bald schon werden Clowns, die eine Geiss als Sprachrohr haben, durch die Manegen des Bundeshauses laufen. Die Leute werden klatschen, Erfolge feiern und Oscars entgegennehmen. Eines aber wird wohl verloren gehen, wenn Politik zur Show wird: die Konzentration auf die richtige Politik, die kein Kinderspiel und auch keine Show sein soll.

Im Stall läuft der Film, nicht im Kino!

Das Bewusstsein dafür, dass das Tier, das man als Zugtier verwendet, genauso das Sinnbild dessen ist, was man verteufelt, fehlt gänzlich. Das Feindbild, das man durch verfälschtes Darstellen von statistischen Daten an den Haaren herbeizieht, sind genau diejenigen, diejenigen Menschen, die dasselbe Wappentier haben, also Leute, die aus dem Tschad oder Kroatien in die Schweiz kommen. Nur schon aus diesen Gründen ist es unverantwortlich, im Oktober Vertreter und Vertreterinnen der SVP im Oktober ins oberste Parlament der Schweiz zu hieven. Menschen, die nur auf die eigenen Interessen aus sind und mit der heimeligen und den Nationalstolz weckenden Stallkultur die echte Kultur zum Schlachthaus bringen, vertreten das Volk nur auf dem Plakat.