30.08.2007

„Unverständlich und unverantwortlich“

Text von Lukas Stucki | Bilder von Adrian Streun
Die Stadt Bern will ihre finanzielle Unterstützung des Gaskessels erneut kürzen. Von diesem Einschnitt betroffen wären die betreute Beschäftigung Jugendlicher in sozial schwierigen Situationen sowie die Unterstützung von Jungmedien.
Der Gaskessel an der Aaare in Bern.
Bild: Adrian Streun

Dieses Jahr bekam der Gaskessel von der Stadt Bern über 400’000 Franken zugesprochen, wovon etwas mehr als die Hälfte für die Jugendarbeit verwendet werden konnte. Nun soll dieser Betrag um 24’000 Franken gekürzt werden, obschon bereits vor fünf Jahren 50’000 Franken gestrichen wurden. Da die Ausgaben, beispielsweise die Miete des Geländes, im kommenden Jahr nicht sinken werden, würde sich das Streichen dieses Betrages direkt auf die Leistungsangebote des Gaskessels auswirken. Konkret davon betroffen wären die Arbeit mit sozial benachteiligten Jugendlichen, und die Unterstützung von Jungmedien wie Tink.ch, welchen der Gaskessel Computer, Kopierapparat, Scanner und Sitzungsräume zur Verfügung stellt.

Kommerz statt Kultur

Die jugendlichen Vereinsmitglieder zeigen sich enttäuscht und frustriert. Zwischen acht- und neuntausend Arbeitsstunden stecken sie jährlich in die verschiedenen Projekte, unentgeltlich. Sie empfinden die erneute Kürzung als Geringschätzung ihres Engagements. In Zeiten in denen über Jugendgewalt, Alkoholexzesse und Jugendarbeitslosigkeit lamentiert werde, sei eine Kürzung von anerkannt erfolgreichen Angeboten unverständlich und unverantwortlich, findet Jeremias Krebs, Vorstandsmitglied des Gaskessels. Auswirkungen könnte die erneute Streichung auch auf das kulturelle Angebot des Gaskessels haben, fürchtet er: „Die Leistungsabgeltung der Stadt ist für die geleistete Jugendarbeit im Gaskessel gedacht. Das kulturelle Programm finanziert sich jedoch selber, mehr noch, es trägt wesentlich zum hohen Eigenerwirtschaftungsgrad (50 Prozent des Budgets) bei. Je tiefer der Beitrag der Stadt sinkt, desto höher wird der Druck auf kultureller Seite kommerziell zu fahren. Mit der Sparübung könnten einzelne Plattformen zur Kulturförderung im Gaskessel eingehen.“ Als besonders kritisch erachtet der Vorstand des Gaskessels die Tatsache, dass die Stadt nun exakt jene Leistungen kürzen will, welche im Jahr 2004 vom Stadtrat per Motion gefordert wurden. Der Gaskessel will die Politiker und Behörden nun dazu auffordern, den Sparentscheid neu zu beurteilen.

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