Kultur | 20.08.2007

Stress zur Gewohnheit geworden

Wo ist er eigentlich noch nicht gewesen? Stress tourt mit seiner Truppe seit drei Jahren fast ununterbrochen durch die Schweiz, und ist in jedem Sommer an mehreren grossen Festival anzutreffen. So auch am diesjährigen Open Air Gampel.
Fotos: Sandro La Marca

Los gehts mit Bewährtem: Kaum auf der Bühne, heizt der Lausanner mit estnischen Wurzeln mächtig ein. „Mode De Vie“, seine Art zu leben, so heisst das Lied und das zelebriert er auch auf der Bühne. Er ist immer noch „Billy Bear“, unverschämt und kompromisslos. Dass er sich in den Konzerten noch mit Stress ankündigt, hat entweder mit seinem Ego zu tun, oder damit, dass dieser Name Erfolg garantiert. Fakt ist jedoch, dass Stress eigentlich für eine Band steht, die jedes Mal in unveränderter Komposition auf der Bühne auftritt. Ein eingespieltes Team, bei dem jeder zum Erfolg beiträgt. Das kommt in den Konzerten dadurch zum Ausdruck, dass Sänger Nega nicht einfach im Hintergrund bleibt, sondern als gleichberechtigter Partner auftritt. Und was wären die zwei ohne ihre Sängerin Karolyn? Die Powerfrau hat Geburtstag, und wird vom Publikum entsprechend gefeiert.

Mund halten und singen

Und auch im nächsten Song spielt Sie die heimliche Hauptrolle. „Accroche Toi“ lebt von ihrer starken Stimme. Es folgen Klassiker wie „Amoureux“, „Dure Dure Dure“ und „Pour Toi“. Und dann ein weiterer Höhepunkt des Konzertes. Der Track „Game“, bei dem alle mitsingen. Die meisten Lieder bringen Stress (Die Band) in gekürzter Form, sodass Sie fast alle ihrer Hits bringen können. So wird auch „F*** Blocher“ in stark abgeänderter Form gebracht. Immer noch brüllen Sie mit. Fast alle. Die Wenigen, die nicht einverstanden sind, schweigen, um danach gleich beim nächsten Lied wieder mitzusingen. Die politische Einstellung bleibt aussen vor.

Wie fast alle Bands am diesjährigen Open Air Gampel beendet auch Stress sein Konzert zu früh, um danach seine Spielzeit in Form einer geplanten Zugabe zu beenden. Die Spontaneität geht auf Kosten des engen Programmrahmens baden.

Wo bleibt die Renaissance?

Dass Stress und seine Band mittlerweile ganz fest im Sattel sitzen, ist unschwer zu erkennen. Aber das Neue, was ihn am Anfang auszeichnete, diese Frechheit, die ist mittlerweile zur Norm und Gewohnheit geworden. Das Ganze ist Routine, und es funktioniert. Die Musik wird immer besser produziert, sie ist klinisch sauber. Doch irgendwann wird sie auch der Letzte schon so oft gehört haben, dass keine „Infektionsgefahr“ mehr besteht. Die Frage ist: Kann sich Stress musikalisch noch weiterentwickeln oder hat ihn der Erfolg zum Stillstehen gebracht?

Links