Kultur | 27.08.2007

Nietengürtel trifft Polo-Shirt

Text von Jessica Hefti
Und da waren es nur noch sieben: Von den anfangs 93 Bands, die am 18. Band-it Wettbewerb teilnahmen, spielten in der Steinberggasse an den Winterthurer Musikfestwochen die Besten um gesponserte Konzertgagen.
Die Abräumer: Die vier Jungs von Summit bei der Siegerehrung auf der grossen Bühne. Treibender Punk: Im Finale in Winterthur griffen Summit kräftig in die Saiten. Bezauberte mit ihrer Stimme: Larissa von Marylane. Delirium rockten sich mit einem wahnwitzigen Gitarrengewitter auf den dritten Platz. Auch sie gab alles: Die Sängerin von den Sound Detectives, die das Finale eröffneten.

„Sie sind noch sehr klein. . .“ Weiter musste die Moderatorin bei der Verkündigung der Sieger nicht mehr sprechen. Sofort war klar, wer den beliebten Nachwuchsband-Wettbewerb des Kanton Zürichs gewonnen hatte. Die Punkband Summit, die mit dem süssen ein Meter sechzig grossen Pilzkopfsänger Max Kämmerling bereits den „Jööh“-Bonus hatten. Und Gegensätze ziehen sich ja bekanntlich an: So wollten die vier Jungs auf Italienisch angesagt werden, sangen aber Deutsch. Zur rechten Seite ein Punker an der Gitarre, mit verschlissenen Jeans, Nietengürtel und Streifenpullover, zur linken Seite ein braver, im Polo-Shirt gekleideter Bassist, der sein Instrument ein wenig zu eng umgeschnallt hatte. Als dann Maiky, wie der 14-jährige Leadsänger von seinen Kollegen genannt wird, über Leute mit zu viel Selbstmitleid oder dem Lehrerliebling-Bonus sang, gab es schnell welche, die mit ihm „Arschkriecher sind hier nicht erwünscht“ mitschrieen.

Eine Stimme wie ein Zigipäckli

In eine ganz andere Kategorie fielen die Zweitplatzierten Marylane. Bei der Sängerin Larissa Bretscher fielen zuerst die leuchtend orangen Haare auf und danach ihre Stimme, die auch den vielen anwesenden Punker- und Heavy-Metal-Typen ein „Wow“ entlockte. Das Soundgenre in das die vier Klassenkameraden von einem musischen Gymnasium passen, nennt sich Trip-Hop und produziert, ganz ohne Gitarre, nur mit Bass, Keyboard und Schlagzeug, träumerische Klänge und hüfteschwingende Musik. Die Nebelmaschine ist dabei Pflichtprogramm. Die Drittplatzierten brauchten gar nicht mehr extra gerühmt zu werden, das übernahm ihr grosser und lauter Fanclub. Delirium produzieren Melodic Death Metal und „singen“ als hätten sie den Inhalt eines Zigarettenautomaten verschluckt. Doch dass sie ihr Genre verstanden, zeigten die ersten Reihen, die nur aus schwingenden Mähnen bestanden. Alle drei Gewinnerbands haben nun die Aufgabe, möglichst viele Konzerte zu organisieren um sich für jedes gespielte von Migros Kulturprozent eine Gage einzuholen, welche je nach Platzierung variiert.

Ein Schulschwarm als Sängerin

Auch sonst wurde der Rock und Punk zelebriert. Da waren die Sound-Detectives, deren blonde Sängerin bestimmt der Schulschwarm aller Jungs ist, und die über ihr Leben und dessen Schwierigkeiten sang, begleitet von angenehmen Schulrock. Dann die Snippets die nicht nur rockten, sondern mit einem klassischen Geigenspieler auch Originalität bewiesen und für ruhigere, emotionale Momente sorgten. Dann die Drunken Trolley die beim letzten „Band-it“ noch gar nicht existierten und so ihren grossen Auftritt genossen. Und zu guter Letzt noch Lyric Dagger, die sich in Ekstase spielten und ihre Köpfe stets im Rockrhythmus bewegten.

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