Kultur | 27.08.2007

„Mit Drinks und Drogen gibt man nicht an“

Im Herbst wird das neue Album "Pull the Pin" von den Stereophonics erscheinen. Tink.ch traf Kelly und Richard Jones und Javier Weyler Zürich und sprach mit ihnen über Klischees und ihr neues Album.
Je älter sie werden, desto besser sehen sie aus: Kelly Jones, Richard Jones und Javier Weyler. (v.l.n.r.)
Bild: Martin Sigrist Richard Jones, Javier Weyler, Kelly Jones und Martin Sigrist von Tink.ch. (v.l.n.r.) Richard Jones

Stereophonics, die bereits mit ihrem Debutalbum „Word gets around“ in den Top 100 Rock-Alben aller Zeiten gelandet sind, werden am 12. Oktober ihr sechstes Studioalbum „Pull the Pin“ veröffentlichen. Das Album ist rockiger und direkter, Stereophonics bleiben sich ihrem Stil jedoch treu und die unverwechselbare Stimme von Kelly Jones lässt erahnen, dass der walisischen Band mit „Pull the Pin“ ein grosser Wurf gelungen ist. Ein Auftritt der schmucken Jungs in der Schweiz ist für Anfang kommenden Jahres geplant. Tink.ch traf Kelly Jones, Richard Jones und Javier Weyler schon jetzt in Zürich und sprach mit ihnen über Drogen, Klischees und was es bedeutet, eine Band zu sein.

Ihr seid seit Tagen unterwegs, um Promotion für euer neues Album «Pull the Pin« zu machen. Macht euch das noch Spass?
Kelly: Wir haben ja in letzter Zeit nicht mehr so viel Promotion gemacht. Aber bis jetzt ist es nicht übel. Alle die sich das Album bis jetzt angehört haben, mögen es, das ist schön. Promotion ist einfach ein Teil von dem, was wir machen. Wir scheinen ganz gut damit klar zu kommen. Es wird sowieso nicht ewig dauern, bald können wir wieder Konzerte machen und das wird viel interessanter.
Javier: Die Shows halten uns gesund und glücklich.

Ihr sprecht so viel über euere neue Platte, obwohl sie noch gar nicht erschienen ist. Fühlt sich das komisch an?
Kelly: Als wir das Album gemacht haben, war es uns egal was die Leute darüber denken. Dann kam der Punkt, an dem wir das Resultat aus den Händen gaben. Da wurden wir schon nervös, denn wir wussten nicht was die Leute davon halten. Wir alle haben viel Leidenschaft und Arbeit in diese Platte gesteckt und die Stücke bedeuten uns viel. Mit den Interviews können wir die Leute informieren, dass ein neues von uns Album kommt. Und wenn die Leute das Album mögen, werden sie es kaufen und wir können neue Konzerte geben. So einfach geht das. Wir nehmen nicht alles so ernst.

Bei eurem letzten Studioalbum „Language. Sex. Violence. Other?“ habt ihr gesagt, dass ihr dies nun zusammen als Band gemacht habt. Wie war es diesmal?

Kelly: Bei jedem Album waren wir zu jenem Zeitpunkt eine Band und sehr in der Musik drin. Beim letzten Album war die Tour sehr schwierig, denn wir haben damals unseren alten Drummer Stuart verloren, unseren  ehemaligen Manager und viele Mitglieder unserer Crew. Das war sehr schwierig für uns. Für mich und Richard bedeutete das viel geschäftliche Arbeit, die nichts mehr damit zu tun hatte, eine Band zu sein. Aber danach konnten wir wieder als Band weitermachen. Das war ein schönes Gefühl, als wir uns wieder darauf konzentrieren konnten, Musik zu machen.
Richard: Früher hatten wir auf der Bühne vier oder fünf Extramusiker dabei, also mehr Sessions-Musiker als eigentliche Mitglieder der Band. Danach gab es wieder nur uns drei. Damit konnten wir den Leuten zeigen, wer wir als Band sind und was unser Ding ist.

Ihr seid nun mehr Stereophonics als vorher?

Kelly: Das ist immer relativ zu der Zeit als das Album erschienen ist. Stereophonics jetzt ist eine sehr selbstsichere, stolze Band. Wir sind glücklich über was wir erreicht haben und dass das was wir tun, noch immer von Interesse ist.  Nach sechs Alben ist  das nicht selbstverständlich.

Euer Album ist rockiger als zuvor.
Kelly: Ja, die Musik ist sehr gross, auch die Aufnahme und die Abmischung. Es ist eine sehr akkurate Darstellung dessen, wie wir als Band klingen. Wir haben nicht so viel Zeit investiert um Teil für Teil aufzunehmen sondern haben vermehrt direkt aufgenommen. Das Resultat ist sehr stark geworden und zeigt, wie und wer wir wirklich sind.

Ist die Platte ehrlicher?
Kelly: Ich weiss nicht, ob wir besser wurden in den Aufnahmen oder im Spielen oder ob wir einfach mehr Vertrauen in die Stücke haben. Vielleicht war es von allem etwas. Wir haben das ja bei jedem Album versucht. Jetzt klingt  es einfach grösser als je zuvor.
Javier: Wir wussten einfach sehr schnell, wann etwas gut war und konnten weiter gehen zum nächsten Teil. In der Vergangenheit haben wir vielleicht zu viel überlegt und uns zu sehr um Details gekümmert. Diesmal wussten wir viel eher was wir wirklich wollten und konnten jeweils schneller weitermachen.

Lässt sich das planen?
Richard: Das ist einfach so passiert.
Javier: Wir sind einfach ins Studio gegangen ohne zu sehr zu wissen was wir machen wollten. Dieses Arbeiten ganz ohne Druck war entspannend.

Ihr wurdet schon kritisiert, für eine Rock’n’Roll Band viel zu sauber und ohne Skandale zu sein.

Kelly: Wir sagen es einfach niemanden.
Richard: Wir sind nicht eine Band, die rausschreien muss wie viel Alkohol wir trinken oder wie viele Drogen wir nehmen. Wir sind eine Rock’n’Roll Band und geniessen es, unser Ding zu machen. Aber wenn wir allen sagen würden was wir tun, hätten wir nichts mehr für uns, weil dann alle Augen auf uns gerichtet wären. Jeder würde darauf warten, dass wir wieder etwas Furchtbares anstellen.
Kelly: Wir haben in Clubs und Bars gespielt seit wir zwölf sind, somit waren wir schon früh immer von Alkohol und Drogen umgeben. Wir haben gelernt, dass man nicht damit angibt wie viele Drinks oder Drogen man gehabt hat. Wenn wir auf Tour sind haben wir eine gute Zeit, das ist für uns klar. Wenn du den Leuten sagst was du tust ist es ein Klischee und wenn du es für dich behälst, ist es ebenfalls Klischee,

Gibt es Klischees über eure Band, die ihr bestätigen könnt?
Kelly: Es gibt Klischees über jede Band, über alle diese grossen Bands. Wenn ich die dann getroffen habe, haben sie auf der Couch gepennt wenn ich mit ihnen fertig war.
Richard: In einer Band zu sein ist ein Klischee. Es gibt kein Regelbuch dafür, wie man sich verhalten soll. Klar, es gibt viele Magazine die alle meinen, sie stellen die Regeln auf, aber so ist es nicht. Bands gab es vor Magazinen und wird es auch nach ihnen noch geben.

Links