Politik | 20.08.2007

„Man darf nicht wegschauen“

Text von Ursina Kiss | Bilder von Ursina Kiss
Simon Oberbeck, 23, ist Präsident der Jungen CVP Schweiz. Er kandidiert für die CVP Baselland für den Nationalrat. Für ihre Maturaarbeit hat ihn eine Tink.ch-Reporterin interviewt.
Der 23-jährige Simon Oberbeck engagiert sich in der jungen CVP Schweiz.
Bild: Ursina Kiss

Wie hast du entdeckt, dass du dich für Politik interessierst?
Das war etwa mit 16. Ich war im Gymnasium Muttenz und eine Gruppe vom Jugendforum Baselland ist gekommen, um ein Projekt vorzustellen. Beim Diskutieren über politische Themen hat es mir den Ärmel reingezogen.
Ich habe zuerst bei den Jungfreisinnigen angefangen. Es war mir aber zu wirtschaftsorientiert und ich habe mich dann für die CVP entschieden. Ich habe bei der JCVP Baselland angefangen und kam nach einem Jahr in den Vorstand der JCVP Schweiz. Seit Anfang letztes Jahr bin ich Präsident.

Schulisch schwache Jugendliche haben es recht schwer, eine Lehrstelle zu finden. Wie kann die Politik helfen?
Ich finde, die Schule muss auf den Arbeitsmarkt vorbereiten. Die JCVP fordert, dass schon ab der ersten Klasse eine erste Landessprache gelehrt wird und ab der dritten Klasse Englisch. Wir sind überzeugt, dass Sprachen enorm wichtig sind.

Findest du, man muss das Thema Jugendarbeitslosigkeit gesondert vom Thema Arbeitslosigkeit betrachten?
Arbeitslosigkeit ist ein allgemeines Problem. Auch ab 50 gibt es Schwierigkeiten, die man auch ernst nehmen muss. Aber gerade wenn man immer davon redet, dass die Jungen die Zukunft sind, muss man das Phänomen schon auch gesondert betrachten. Die JCVP plant eine Charta zur Jugendarbeitslosigkeit. Wir legen unser Augenmerk auf den Übergang von der Ausbildung ins Berufsleben. Viele Junge finden keine Stelle, weil sie zu wenig Berufserfahrung vorweisen können. Häufig steht in Stelleninseraten, man müsse zwischen 25 und 35 sein und zehn Jahre Berufserfahrung haben. So wird es für die Jungen tatsächlich schwierig, einen Job zu finden.

Findest du es nötig, etwas gegen Jugendgewalt zu unternehmen?

Sicher. Man darf nicht wegschauen. Es fängt mit der Integration an. Man muss sich auch überlegen, dass die Ausländer, die gewalttätig werden, vor 15 Jahren Krieg hatten. Wenn sie als Kinder erlebt haben, wie Leute abgeschlachtet wurden, ist die Hemmschwelle natürlich viel tiefer. Ich will das aber nicht entschuldigen. Wichtig ist einerseits die Integration, andererseits aber auch die Erziehung. Es ist klar, dass der Staat nicht vorschreiben kann, wie man Kinder erziehen soll. Aber wir müssen überlegen, ob es nicht sinnvoll wäre, eine Hotline für Eltern aufzubauen. So könnte man überforderten Eltern helfen.

Denkst du, es ist die Aufgabe der Politik, die Umwelt zu schützen?

Es ist sicher Aufgabe der Politik, aber auch der Wirtschaft. Man muss aufpassen: Man spricht immer von Regulierung, aber für mich hat der Staat die Aufgabe zu sen-sibilisieren. Man sollte das möglichst so machen, dass die Wirtschaft automatisch aufspringt. Die JCVP hat ein Umwelt- und Energiepapier gemacht. Wir fordern zum Beispiel die Prüfung eines Roadpricing. Wir setzen uns auch für ein Verbot von Gaskraftwerken ein. Diese Forderung haben wir an der Delegiertenversammlung der CVP durchgebracht. Nach einem Parlamentsbeschluss hat jetzt sogar die Axpo versprochen, sie baue keine Gaskraftwerke mehr. Das ist ein riesiger Erfolg für uns.
Ich hoffe, die ganze Thematik ist nicht einfach bloss eine Welle und sie bleibt nachhaltig in den Köpfen der Leute.

Zurück zu den Wahlen: Wie bist du auf die Idee gekommen, zu kandidieren? Oder ist es einfach klar, dass der Präsident auch kandidiert?
Als ich angefangen habe als Präsident, habe ich gesagt, das Ziel ist es, ein JCVP-Mitglied ins Parlament zu bringen. Ab diesem Moment war klar, dass ich mich auch engagiere. Es ist ganz wichtig, dass unsere Generation auch im Parlament vertreten ist.

Wie siehst du deine Chancen, gewählt zu werden?

Ich denke, sie sind intakt. Es müsste vieles zusammen stimmen, damit es am Schluss klappt. Klar, eine Wahl wäre eine Sensation. Aber eine Sensation, die nicht unmöglich ist.

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