Kultur | 20.08.2007

Kanadischer Punkrock

Über 80'000 Besucher rockten während vier Tagen am Openair Gampel. Darunter viele junge Gesichter. Der Sonntag liess es nochmals so richtig krachen.
Fotos: Sandro La Marca

Oft bietet der Sonntag an einem Openair ein langsames Ausklingen der Festivitäten. Nicht so am Openair Gampel. Die Organisatoren zogen nochmals alle Register, um möglichst viele Besucher anzulocken oder sie zu halten. Mit den kanadischen Punkrockern Billy Talent schien ihnen das auch gelungen zu sein. Die vier Musiker aus Toronto liessen die Gitarren krachen und schrien, was das Zeug hielt, bis auch der Letzte im Publikum zu wippen und zu pogen begann. Es entstand eine schwankende, feucht-nasse Menge, in der man sich vorsehen musste, dass man nicht im Getrampel unterging. Die Sonne trug ihren Teil zum Fest bei und so floss nebst viel Schweiss auch das Bier in Strömen.

Kritiker mögen die Musik von Billy Talent Einheitsbrei nennen, doch hat die noch relativ junge Bands bereits viele Hits wie „The Ex“, „Fallen Leaves“ oder „Red Flags“ auf Lager. Bei letzterem überbordete die Euphorie beinahe. Auch Billy Talent verschwanden nach etwas mehr als einer Stunde hinter die Bühne – viel zu früh. Nach einigen Zugaben erreichten sie zwar fast ihr Pensum, doch scheint es bei vielen Bands bereits zur Gewohnheit geworden zu sein, nebst den Songkürzungen in den Alben auch Zeit an den Konzerten einzusparen, sehr zum Ärger vieler Besucher.

Jahjah in Gampel

Zuvor gab sich Gentleman die Ehre. Viele waren zu diesem Zeitpunkt schon abgereist, aber noch mehr waren geblieben, um den deutschen Reggae-Mann zu sehen. Und dies lohnte sich durchaus. Zwar war das Publikum nach bald vier Tagen nicht mehr so lautstark wie zu Beginn, doch Gentleman machte das Beste aus der Situation und verbreitete nochmals gute Laune unter dem Partyvolk. Auch Mad Caddies zeigten sich von ihrer besten Seite und zogen den Besuchern mit ihren heissen Ska-Rhythmen die Tanzschuhe an.

Trommelwirbel aus Tokio

Für die eine Überraschung sorgte aber nicht ein grosser Namen auf der Programmliste, sondern die beim Publikum (noch) unbekannten Gocoo aus Tokio. Als erste Band am Sonntag erhielten sie das schwere Los, das schlaftrunkene Publikum zu wecken. Und dies gelang den sieben Trommlerinnen und vier Trommlern. Wuchtig, schnell und mit der Präzision einer Schweizer Uhr liessen sie ihre Holzstöcke auf das Trommelfell krachen. Die farbigen Gewänder – verziert mit japanischen Schriftzeichen – trugen zum bunten und exotischen Auftritt von Gocoo bei. Binnen einer Stunde brandete der sympathischen Japanischen  Band grosse Euphorie entgegen und sie wurden kaum mehr von der Bühne gelassen.

Die elf Musiker gehörten zweifellos zu einer Entdeckung am Openair Gampel. Doch sind sie keineswegs unbekannte Namen. Nachdem Gocoo 2003 erstmals in Europa tourten, komponierten sie im selben Jahr „Tea House“ und „Tetsujin“ für den Soundtrack der Filme „Matrix Reloaded“ und „Matrix Revolutions“.

Weit über 80’000 Besucher

Nebst dem musikalisch überzeugenden Programm konnten die Organisatoren des Openair Gampel bereits einen ersten Erfolg vermelden. Mit weit über 80’000 Besucher verbuchte das Festival einen neuen Rekord. Schade nur, dass die Müllentsorung weiterhin sehr schlecht geregelt ist. Die gemütliche Wiese direkt neben der Rhone quillte am Sonntagabend vor lauter Abfällen schier über. Berge an Essensresten, Bierdosen, Kleidern und Flugblättern, ja gar ganze Zeltstätten wurden liegen, beziehungsweise stehen gelassen. Für das kommende Jahr wäre es wünschenswert, hier eine Verbesserung anzustreben. Das Greenfield Festival beispielsweise, hat ein Jeton-System eingeführt, das funktioniert. Alleine kommen viele Besucher leider nicht auf die Idee, ihren eigenen Dreck wegzuräumen.

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