Politik | 20.08.2007

„Jugendliche wollen nicht nur Spass und Konsum“

Text von Rahel Schmid
Die Kampagne "21. Oktober - Besser wählen" möchte die Jugendlichen zur Teilnahme an den National- und Ständeratswahlen in diesem Herbst bewegen. Tink hat mit den beiden Hauptinitianten Christian Müller und Lorenz Keller, über diese Kampagne geredet.
Er will Jugendliche an die Urnen bewegen: Christian Müller. Fotos: www.21oktober.ch Sein Kollege Lorenz Keller versucht zu erklären, was der Unterschied zwischen dem Kauf eines Zigipäcklis und einer politischen Abstimmung ist. Das schwarze Schaf animiert zum wählen. Supportman ebenso.

Lust auf Politik? Genau das will die Kampagne „21. Oktober – Besser wählen“ erreichen und hat sich zum Ziel gesetzt, die Schweizer Jugendlichen zur Teilnahme an den National- und Ständeratswahlen in diesem Herbst zu bewegen. Mittels Informationen über die Kandidaten und Kandidatinnen, Anleitungen zum gültigen Ausfüllen der Stimmzettel und Diskussionen über den Sinn der persönlichen Wahlbeteiligung wird den Jugendlichen vermittelt, dass politische Entscheidungen unseren Alltag stark prägen und wie wichtig deshalb der Urnengang jedes einzelnen ist. Ziel ist es, den Jugendlichen lustvoll den Zugang zur vermeintlich komplizierten und undurchschaubaren Politik zu erleichtern und das Interesse an der Politik zu wecken.

Was unterscheidet „21. Oktober“ von herkömmlichen politischen Kampagnen?
Lorenz Keller: Wir sind nicht im Wahlkampf, um für uns selber zu kämpfen. Dies ermöglicht uns, potentielle WählerInnen völlig anders anzusprechen als eine Partei dies tut. Wir setzen uns lediglich für eine aktive und bewusste Teilnahme an Gesellschaft und Öffentlichkeit ein. Diese Möglichkeit zur Mitbestimmung wollen wir kommunizieren – und nicht jemanden davon überzeugen, dass wir besser seien als andere, oder dass wir die Wahrheit gepachtet hätten.
Christian Müller: Die Unabhängigkeit und der konsequente Ansatz „Junge für Junge“ sind einzigartig. Dass primär über nicht politische Inhalte auf Politik im weitesten Sinne und dann auf die Wahlen im Speziellen aufmerksam gemacht wird, ist neu und einmalig. Kommt dazu, dass sich die Kampagne hauptsächlich im und übers Internet abspielt. Dort eben, wo unsere Altersgenossen respektive die Zielgruppe (18-25-jährige) „zuhause“ sind.

Wie ist die Idee zur Lancierung von „21. Oktober“ entstanden?

Christian Müller: Anfang dieses Jahres diskutierten Lorenz und ich über Politik in der Schweiz, die eidgenössischen Wahlen im Oktober, über mögliche Ausgänge und deren Konsequenzen. Bald stand fest, dass wir beide nicht mehr nur beobachten, sondern aktiv mitmischen wollen.
Lorenz Keller: Die Wahlbeteiligung der letzten Jahre ist zu tief, das Desinteresse an Gesellschaft und Politik zu hoch, und die Machtverteilung in den eidgenössischen Räten dadurch verzerrt. Daraus entstand schnell die Idee, eine Kampagne zu organisieren, die sich vor allem an Jugendliche und junge Erwachsene richtet und für das Wählen am 21. Oktober wirbt.

Was sind eure Ziele?
Christian Müller: Ziel der Kampagne ist, dass sich junge Menschen wieder vermehrt für Politik und Gesellschaft in diesem Land engagieren und Verantwortung übernehmen.
Die Kampagnenbewegung „21. Oktober “ steht für das politische Mitmachen und Wählen im Allgemeinen ein, ohne durch eigene politische Positionen abzuschrecken. Allerdings stören wir uns am politischem Stil und Tendenzen, die von Kompromisslosigkeit, massiven Vereinfachungen, Schwarz-Weiss-Denken, Angstmacherei und Diskriminierung geprägt sind. Solche Formen werden von unserer Kampagne kritisiert.

Mit welchen Argumenten wollt ihr politisch nicht interessierte Jugendliche davon überzeugen, dass sich der Urnengang für sie lohnt?

Christian Müller: Im privaten Alltag treffen wir unzählige Entscheidungen. Sei dies beim Kleidershopping, am Kebapstand oder bei Ausbildung und Berufswahl. Aber auch bei Music-Star und Online-Votings von 20Minuten entscheiden wir mit. Genau so, wie es niemandem egal ist, wie sein Style ankommt, was er zum Znacht isst und wie viel er oder sie verdient, genau so stark betreffen einem Entscheidungen, die auf politischer Ebene getroffen werden.
Lorenz Keller: Solche Entscheide haben ja oft sogar noch stärkeren Einfluss auf das private Leben,  wenn zum Teil auch erst in der längeren Frist, als etwa die Entscheidung, welche Zigarettenmarke ich rauche. Dieses Verhältnis von Relevanz und Aufwand, an politischen Entscheidungen mitzuwirken, zeigen wir auf.
Christian Müller: Sobald dieses Interesse geweckt ist, können auf unserer Webplattform leicht aufbereitete Informationen zu den wichtigsten Bereichen der Politik konsumiert werden. In diesen wird kurz erklärt, was in den nächsten vier Jahren ansteht und eben genau wo diese Bereiche jeden einzelnen von uns betreffen.

Mit welchen Aktionen wollt ihr die Aufmerksamkeit der Wählerschaft auf euch lenken?
Lorenz Keller: Am Wochenende vor den Wahlen wird es in verschiedenen Städten so genannte Votingparties geben. Wer mit dem Wahlzettel antanzt, kommt gratis in die Disco. Die interaktive Website www.21oktober.ch wird ab September viel Spiel und Spass rund ums Wählen bieten. Zusätzlich werden wir mit verschiedenen Medien zusammenarbeiten, um über die Kampagne zu informieren und in den letzten Wochen vor den Wahlen werden wir in der Öffentlichkeit mit verschiedenen Aktionen auf die Wahlen aufmerksam machen.

Unterstützen die Parteien oder einzelne Politiker eure Kampagne?

Christian Müller: Nicht direkt. Wir bekommen zum Teil Tipps von einzelnen PolitikerInnen. Direkte Unterstützung möchten wir jedoch eher verhindern, um unabhängig zu bleiben.

Ein gängiger Vorwurf lautet, die Jugend sei politisch desinteressiert und nur süchtig nach Spass und Konsum. Was ist deine Meinung dazu?
Lorenz Keller: Das kommt vor. Aber nicht nur bei Jungen, sondern auch bei Erwachsenen. Wenn man sich aber mal etwas genauer umhört, so gibt es unzählige ähnliche Projekte und Initiative, die von Jugendlichen lanciert werden.

Was habt ihr mit der Kampagne bis jetzt schon erreicht, und wie geht es weiter?
Lorenz Keller: Wir befinden uns jetzt in der Schlussphase der Vorkampagne und somit unmittelbar vor dem Start der eigentlichen Kampagne. In den letzten Monaten haben wir dafür das Fundament gelegt: Wir haben die Kampagneninhalte erarbeitet, die Website programmiert, Werbeartikel entwickelt und uns auf alle Seiten vernetzt. Am wichtigsten aber ist der Aufbau des Unterstützungs-Netzwerks. Dies erreichten wir durch die Gründung etlicher Lokalgruppen, einer Kampagnenzeitung und diverser SupporterInnen-Anlässe. Nur dank den zahlreichen Supporter und Supporterinnen kann nun in der gesamten Deutschschweiz auch vor Ort kommuniziert werden.
Christian Müller: Ab dem Start der Hauptkampagne legen wir erst richtig los. Über unser interaktives Webportal und in diversen Webcommunities wie MySpace treten wir auf virtueller Ebene auf. Durch Präsenz an öffentlichen Anlässen und an selber veranstalteten Voting-Parties holen wir unser Zielpublikum vor Ort ab.

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