Politik | 22.08.2007

„Jugendarbeitspolitik ist mir wichtig“

Text von Ursina Kiss | Bilder von Ursina Kiss
Antonia Leanza von der Juso St. Gallen engagiert sich für Bildung und gegen Arbeitslosigkeit.
Ist für mehr Stipendien: Antonio Leanza von der Juso St. Gallen.
Bild: Ursina Kiss

Wie hast du gemerkt, dass du dich für Politik interessierst?
Angefangen hat das vor mehr als drei Jahren. Es gab recht viele Gründe, weshalb ich mich für die Juso entschieden habe. Das Wichtigste war die Möglichkeit, etwas zu tun und meine Vorstellungen den Leuten zu präsentieren, bei denen sie auch Anklang finden.

Was gab den Ausschlag, dass du dich für die Juso entschieden hast?
Am Anfang wollte ich vor allem die Jugend vertreten und unsere Anliegen präsentie-ren. Ausserdem waren die richtigen Leute dort und alle waren motiviert, etwas zu bewegen.

Wie bist du auf die Idee gekommen, für den Nationalrat zu kandidieren?

Es ist eine Plattform, man wird an verschiedene Veranstaltungen eingeladen, zum Beispiel an Podiumsdiskussionen. Ich weiss, dass die Chance, gewählt zu werden, nicht gross ist. Aber die Leute sehen, wer du bist und was du machst. Mir geht es darum, dass ich in einem Jahr eine Chance habe, ins Stadtparlament zu kommen. Zudem gibt meine Kandidatur der Juso die Möglichkeit, ihr Programm zu zeigen.

Wie siehst du grundsätzlich deine Chancen, gewählt zu werden?

Es ist schwer. Gewählt werde ich wahrscheinlich nicht.

Welches sind deine wichtigsten Anliegen?

Es gibt Themen, für die ich mich stärker engagiere als für andere, zum Beispiel die Kultur-, Jugend- und Sozialpolitik. Da ich während der Lehre zur Juso kam, ist auch die Jugendarbeitspolitik wichtig für mich.

Die Schweizer Schüler schneiden in der Pisa-Studie im Durchschnitt nicht so gut ab. Findest du, man sollte etwas dagegen unternehmen?
Ich finde, man sollte die Bildung stärker fördern und mehr Geld investieren. Zum Beispiel sollte man Stipendien mehr fördern.
Auch wenn man das Schulmodell selber anschaut, gibt es Dinge, die man verbes-sern könnte, um die Stärken der Schüler zu fördern. Es wird ja zwischen Sekundar- und Realschule unterschieden. In der Real werden die Schüler schon im ersten Jahr auf ein bestimmtes Berufsfeld vorbereitet. So haben sie keine Chance, zum Beispiel in den Dienstleistungssektor einzusteigen. Das könnte man verbessern.

Schulisch schwache Jugendliche haben es schwer, eine Lehrstelle zu finden. Findest du, es ist Aufgabe der Politik, da etwas zu tun?

Ja. Es ist wichtig, die Leute nach der Schule in die Arbeitswelt zu integrieren. Man sollte unterscheiden zwischen Jugendarbeitslosigkeit und Leuten, die schon viele Jahre gearbeitet haben und dann arbeitslos werden. Denn die Schüler werden aus dem System ausgegliedert, wenn sie nicht auf Anhieb eine Lehrstelle finden.
Man sollte die Wirtschaft verpflichten, diese Leute zu integrieren. Wir sind gerade daran, eine Lehrstelleninitiative auf die Beine zu stellen. Wir wollen die Unternehmen dazu verpflichten, Lehrlinge anzustellen. Manche Betriebe wollen das jedoch nicht machen, andere können es nicht. Mit einem Bildungsfonds wollen wir die Unternehmen fördern, die sonst finanziell nicht die Möglichkeit hätten, Lehrlinge anzustellen.

Wie könnte man die Gewalt unter Jugendlichen angehen?
Es gibt kein einfaches Rezept dagegen. Man muss das Ganze an den Wurzeln an-packen. Die Frage ist natürlich, wie. Eine Möglichkeit ist, das Thema schon in der Schule zu behandeln. Man muss versuchen, auch Leute aus sozial schwächeren Familien dazu zu bringen, Vereinen beizutreten. Gewalttätige Leute engagieren sich in der Freizeit nicht gross, zum Beispiel in Vereinen, sondern hängen einfach rum. Leute, die sich engagieren und so ein Gruppengefühl entwickeln, sind weniger gewalttätig. Man muss auch die Zusammenarbeit mit den Eltern suchen. Gewalttätige Jugendliche werden oft vernachlässigt. Deswegen sollte man auf die Eltern zugehen, und ihnen bewusst machen, dass es um die Zukunft ihrer Kinder geht. Das sind Möglichkeiten, um Gewalt zu verhindern. Die Politik selber kann nicht viel machen.

Ist der Umweltschutz Aufgabe der Politik?

Nein, eigentlich wäre es eine Aufgabe jedes Menschen. Aber wenn man sieht, dass es nicht geht, bin ich dafür, dass man Richtlinien einführt, zum Beispiel die CO2-Abgabe.

Links