Kultur | 05.08.2007

Die Sonne ist Hauptsponsor

Text von Janosch Szabo
Das Prinzip des cinéma solaire besticht durch seine Einfachheit: Das Licht der Sonne wird tagsüber eingefangen und abends mittels Filmprojektor wieder freigelassen. Die Idee für das Sonnenkino stammt von Reto Schmid und Christof Seiler. Noch bis nächsten Sonntag zeigen sie jeden Abend beim Pavillon Felseck in Biel einen Film.
Die Erfinder des Sonnenkinos: Christof Seiler, 26, aus Zug und Reto Schmid, 28, aus Biel. Fotos: Janosch Szabo Das cinéma solaire ist etwas, das es noch nie gegeben hat. Die Lichtspeicherkiste ist das Herzstück des ganzen Projekts. Tagsüber tränkt die Sonne mit ihren Strahlen die Zellen des Solarsegels. Dabei ist Vorsicht geboten. Am Abend falten Reto und Christof die Sonnensegel zusammen... ...und bauen den Filmprojektor auf: Bald kann es losgehen.

Wenn Christof Seiler und Reto Schmid ihr Solarkino aufbauen wollen, dann kommen sie mit dem Velo, hintendran je einen vollbepackten Anhänger. So handlich und kompakt ist ihre Erfindung. Das cinéma solaire umfasst eine Leinwand, ein Sonnensegel mit bieg- und zusammenfaltbaren Solarzellen aus einlaminierter Siliziumfolie, einen alten 16-Millimeter-Filmprojektor, ein paar Kabel und eine Lichtspeicherkiste. Die schwarze Box ist das Herzstück des Kinos, darin wird das Licht eingefangen. Natürlich konzentriert, als Gleichstrom, der von den sonnengetränkten Kollektoren herfliessend die Batterien in der Kiste auflädt.

Die Idee wird geboren

Am Abend, wenn es eindunkelt, legen Christof und Reto das Sonnensegel zusammen, spannen die Leinwand an einem stabilen Seil und schliessen ihren kleinen alten Filmprojektor an die Lichtspeicherkiste an. Ein Wechselrichter sorge dafür, dass aus dem Gleichstrom ganz normaler Strom werde, wie er auch aus den Steckdosen komme, erklärt Reto. Er war es, der einst im Zivildienst mit der Solarenergie in Kontakt kam und deren Nutzungsmöglichkeiten gar bei Führungen anderen Leuten erklären musste. Weil da aber meist unter Insidern gefachsimpelt worden sei, habe er überlegt, wie man das Thema besser unter die Leute bringen könnte, erzählt der heute 28-jährige Bieler. Zusammen mit seinem Kollegen Christof kam Reto schliesslich auf die Idee eines Openairkinos, betrieben mit Solarstrom.

Gewichtige Batterien

Die Umsetzung der Idee begann schliesslich vor etwas mehr als einem Jahr. Die beiden jungen Männer besprachen mit Spezialisten von Solarfirmen ihr Vorhaben mit den biegbaren Solarzellen und eruierten die nötige Grösse der aufladbaren Batterien. „Die Sache mit den Batterien war allerdings ein ziemlicher Knorz“, erinnert sich Christof. „Wir entschieden uns für die neuste Technologie. Aber damit wollte es auch nach vielen Versuchen nicht klappen. So mussten wir am Ende auf Vorgängermodelle zurückgreifen, die deutlich schwerer sind.“ Dieses zusätzliche Gewicht wird den Sonnenkino-Pionieren nun jeweils dann bewusst, wenn sie mit dem Velo und ihren Anhängern bergauf unterwegs sind, wie beispielsweise in Biel, wo sie sich den Platz beim Pavillon Felseck hoch über den Dächern der Stadt für ihr Openairkino ausgesucht haben.


Weit ab vom Mainstream

Solche ungewöhnlichen Austragungsorte, wo wohl noch nie ein Film gezeigt wurde, gehören übrigens zum Konzept. Auch in sonstigen Belangen bewegt sich das cinéma solaire weit ab vom Mainstream. Sitzenkissen müssen die Besucherinnen und Besucher selber mitbringen, sowie allenfalls Taschenlampen für den Heimweg. Wer will kann etwas in den Sparstrumpf werfen, ansonsten ist das Kino aber gratis. Und die Filme, die gezeigt werden, sind alt und fast vergessen, ausgesuchte Zeitdokumente aus den 70er, 80er und 90er Jahren, deren Themen aber durchaus noch aktuell sind. Es sind Streifen im unterdessen nicht mehr verwendeten 16-Millimeter-Format. Klein und handlich ist der Projektor, ein Ereignis der Filmrollenwechsel. Das sei viel romantischer als die Projektion von DVD’s via Beamer, sind sich Reto und Cristof einig.  

Das Sonnenkino ist nun noch bis am 12. August beim Pavillon Felseck in Biel stationiert. Jeden Abend wird ein Hauptfilm und ein kurzer Vorfilm gezeigt. Natürlich nur wenn das Wetter mitmacht und tagsüber genügend Sonnenlicht gesammelt werden konnte. Den Lagebericht erfährt man unter der Telefonnummer 1600, das Programm auf der Website des Projekts.  

Ein Projekt mit Zukunft

Wie es danach weiter geht, ist noch ungewiss. Vielleicht gehen Reto und Christof mit ihrem Sonnenkino nächstes wieder auf Schweizertournee. Vielleicht schafft ihre Erfindung aber auch schon bald den Sprung nach Afrika. Dort könnte man damit in Dörfer fahren, wo es keine Steckdosen gibt, aber sehr wohl einen Informationsbedarf. „Die Ideen sind da und auch Interessenten haben sich schon gemeldet“, berichtet Reto, weiss aber auch, dass solch ein Vorhaben finanziell ein harter Brocken ist. Da liegt also der Haken: So einfach das Prinzip des Sonnenkinos auch ist, kosten tut es halt doch ein paar Tausend Franken.

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