Sport | 20.08.2007

„Den Zuschauern etwas bieten“

Text von Lino Schaeren
Kurz vor dem Länderspiel Schweiz gegen Brasilien unterhielt sich Stephan Meier ganz entspannt und gut gelaunt mit dem Tink.ch Reporter. Eine interessante und sehr sympathische Persönlichkeit.
Stephan Meier (rechts) kann vom Sport leben. Seine Zukunft sieht Meier im Juniorentraining.

Was machst du dir für Hoffnungen vor dem heutigen Spiel gegen die Brasilianer?

Ich bin ein Optimist und vertrete natürlich die Schweiz. Es ist nicht einfach gegen Brasilien, die sind immerhin neunfacher Weltmeister. Aber ich denke wir werden uns sehr teuer verkaufen und ich sage nicht, dass wir keine Chance zu gewinnen haben. Ich gehe immer aufs Spielfeld, damit ich gewinnen kann.

Du bist halb Brasilianer, ist das ein besonderes Spiel für dich?

Ich hab das schon vor zwei Jahren erlebt, als wir in Rio an der WM gegen Brasilien spielten. Da rutschte mir das Herz natürlich schon in die Hose. Nun zum ersten Mal in der Schweiz gegen Brasilien spielen zu dürfen ist ein emotionaler Höhepunkt meiner Karriere.

Wo hast du deine Beach Soccer-Karriere begonnen und vor allem, wie bist du zu dieser eher speziellen Sportart in der Schweiz gekommen?

Richtig, ich habe früher wie jeder Junior selber auch beim FC Aarau gespielt (lacht) und wollte Rasenprofi werden. Ich hatte eine sehr schöne Zeit beim FC Aarau, das hätte ich nicht missen wollen. Eines Tages rief mich Angelo Schirinzi, der Trainer der Nationalmannschaft an und sagte: „Meier, du bist halb Brasilianer, du hast das Flair dazu.“ Daraufhin ging ich nach Basel ins Camp trainieren und da war ich gleich Feuer und Flamme dafür. Ich dachte sofort: Ich muss die Sportart mitentwickeln, ich muss da mithelfen. Angelo hat mir diese Chance gegeben und nun spiele ich seit fünf Jahren nur noch Beach Soccer und ich bin einer der Glücklichen, der im Moment nur von dieser Sportart leben kann.

Bis zu welchem Alter hast du vor diese Sportart zu betreiben?

Natürlich so lange wie möglich, solange wie mein Körper mitmacht. Die Gesundheit geht natürlich vor, aber ich denke ich kann schon noch zehn bis fünfzehn Jahre Beach Soccer spielen.

Beach Soccer ist ja eine relativ spektakuläre Sportart mit vielen akrobatischen Einlagen, wie sieht es da mit dem Verletzungsrisiko im Vergleich zum normalen Rasenfussball aus?

Das sagst du richtig, Man spielt ja barfuss, mit Fallrückziehern und Direktabnahmen. Aber ich bin ehrlich, im Rasenfussball gibt es mehr Verletzte als im Beach Soccer. Alle haben auf dem Sand Angst um ihre Gelenke und Bänder, aber das stimmt eben nicht, weil der Sand ist weich und weicht aus. Jeder rannte in den Ferien mal im Sand hin und her und klar, nach fünf Minuten bist du im Elend, aber für die Gelenke ist der Sand optimal und sehr schonend.

Hast du nach deiner Karriere vor, dem Beach Soccer in irgendeiner Art treu zu bleiben?

Ich werde dem Beach Soccer sicherlich treu bleiben. Ich arbeite schon in der Abteilung der Junioren, das heisst für den Nachwuchs bin ich bereits zuständig. Morgen zum Beispiel (Beim Beach Soccer Junior-Day, Anm. d. Red. ) habe ich hundertfünfzig Kinder die ich trainiere und das ist für mich Zukunft. Ich will etwas für die Jugend tun. Jeder will Rasenprofi werden, das soll man auch tun, diese Träume soll man haben als junger Fussballer. Aber ich will ihnen die Möglichkeit geben, das sie auch auf Beach Soccer umsatteln können.

Wie überzeugst du einen begeisterten Fussballer von Rasen zu Sand zu wechseln?

(überlegt) Jeder muss selber mal auf dem Sand stehen und auf dem Sand Fussball spielen. Ich kann dazu nur sagen, dass es beim Beach Soccer sehr viel leidenschaftlicher zugeht. Ich habe viel mehr Spass, ich kann Fallrückzieher und Seitfallzieher machen, und es tut nicht einmal weh. (tönt begeistert) Man kann den Zuschauern etwas bieten. Wenn ich zum Beispiel ins Stadion des FC Aarau gehe und den Match Aarau – Thun schaue, kann es sein, dass es nach 90 Minuten immer noch 0 : 0 steht. Im Beach Soccer gibt es immer spektakuläre Tore und das wollen die Zuschauer sehen.

Glaubst du daran, dass sich Beach Soccer einmal aus dem Schatten des Rasenfussballs spielen kann?

Nein, das glaube ich nicht. Rasenfussball, das ist Macht auf der ganzen Welt. Wir sind schon froh, dass uns nun die Fifa seit zwei Jahren unterstützt, das ist für uns ein sehr wichtiger Schritt in die richtige Richtung. Mein nächstes Ziel ist klar die Olympiade mit der Schweizer Nationalmannschaft und deshalb trainieren wir alle hart. Aber ich denke, Rasenfussball und Beach Soccer, das wird wohl nie dieselbe Liga sein.

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