Kultur | 05.08.2007

„Besser, als bei einer Bank zu arbeiten“

Tink.ch traf James Ford und Jas Shaw von Simian Mobile Disco am Melt Festival und sprach mit ihnen über Schlafmangel, dumme Fans und Kommerz.
Jas Shaw und James Ford (re) von Simian Mobile Disco. Fotos: Martin Sigrist Jas, James und Martin Sigrist von Tink.ch. Simian Mobile Disco live am Melt Festival.
Bild: Susann Becker, Radio 98eins

Simian Mobile Disco aus Grossbritannien waren bis zu ihrer Abspaltung ein Teil von Simian, welche mit ihrem Hit „Never Be Alone“ letztes Jahr die Tanzflächen in Rage versetzt haben. Simian Mobile Disco führen nun eigenständig ihren Teil der Band als Elektro-Duo weiter, so ganz ähnlich wie sie es zu Zeiten von Simian bereits mit ihrer „mobilen Disco“ gemacht haben. Tink.ch traf James Ford und Jas Shaw am Melt Festival und sprach mit ihnen über Schlafmangel, dumme Fans und Kommerz.

Wie geht’s euch?
James Ford: Es geht uns ganz gut, doch sind wir sehr beschäftigt, daher haben wir nicht wirklich viel geschlafen. Aber wenn wir an einem Ort wie diesem sind, dann scheint es doch, als wären es die Strapazen wert. Hier sind wir umgeben von abgefahrenen Maschinen und guten Bands.
Jas Shaw: Wir schlafen immer sehr wenig, gerade wenn wir auf Festivals gespielt haben. Mit Dance Musik spielen wir ja sehr spät, meistens bis drei Uhr morgens, und dann fliegen wir am selben morgen gleich weiter. Aber wir können uns nicht beschweren, denn es macht Spass. Immerhin ist es besser als bei einer Bank zu arbeiten.
James: Wir touren ja eh noch nicht so lange, Vieles ist für uns noch neu. Deswegen ermüdet uns dieses Leben im Moment noch ganz und gar nicht.

Ihr wart Teil von Simian. Deren Song „Never Be Alone“ ist so bekannt, warten die Konzertbesucher noch immer auf diesen einen Song?

James: Hoffentlich nicht, denn wir werden ihn nicht spielen. Da wären die Leute ja furchtbar enttäuscht. (beide lachen). Wir haben es ewig nicht gespielt, auch als DJ nicht. Wir machen einfach das Beste aus dem was wir jetzt machen und bekommen es hoffentlich hin, dass die Leute nichts vermissen werden.

Werdet ihr noch viel über Simian gefragt?

Jas: Es ist das erste Mal, dass wir rauskommen und unterwegs sind. Daher wollen die Leute schon wissen, wie wir von Simian zu Mobile Disco gekommen sind. Mittlerweile kennen die Leute aber unsere Musik, kennen uns und kennen eher was wir jetzt machen als die Sachen aus der damaligen Zeit mit Simian.
James: Es kommen aber immer noch Leute die denken, dass der bekannte Song „Never Be Alone“ auf unserem neuen Album drauf ist.
Jas: Was James gerade sehr anständig zu sagen versucht: Wenn die Leute diesen Song an unseren Shows singen, dann werden wir einfach annehmen müssen, dass die dumm sind. (beide lachen)

Viele Musiker haben ein eigenes Label. Du James produzierst lieber. Was ist da der Reiz?
James: Ich könnte gar kein Label führen, das wäre zu viel Aufwand, vor allem zuviel langweilige Büroarbeit. Produzieren macht mehr Spass. Damit können wir alle paar Monate ein neues Album machen. Als Band machst Du nur eins, dann folgt eine vielleicht mehrjährige Tour. Als Produzent sind fünf oder mehr Alben pro Jahr möglich.

Du hast unter anderem das zweite Album der Arctic Monkeys produziert, eine Band, die viel grösser ist als ihr es jetzt seid. Ist das nicht komisch für euch?
James: Nein, warum sollte es? Wir stehen erst am Anfang. Beim Produzieren liegt für mich der Reiz in der Möglichkeit, unterschiedlichste Alben zu machen. Gewisse Bands haben da natürlich mehr Erfolg, aber das macht für uns keinen Unterschied. Mir geht es um die Qualität der Alben. Was danach passiert, ist fast unwichtig.

Was rätst du als Produzent all den jungen Bands da draussen?
James: Über Myspace die Leute zu nerven ist wohl das Letzte was man tun sollte. Aber es gibt keine garantierte, schnelle Regel. Bei uns war alles willkürlich, schon fast ein Unfall. Man soll es einfach nicht zu sehr versuchen. Hart arbeiten ja, aber versuchen, eine Karriereband zu sein wäre ein Fehler.

Was wollen Leute immer wieder von euch wissen?
Jas: Wie wir von Simian zu Simian Mobile Disco gekommen sind. Ich sehe, wie verwirrend das sein kann. Wir hätten wohl den Namen ändern sollen, aber wir hatten keine Chance dazu. Es war nicht geplant eine eigene Band zu sein oder zu werden. Nun ist es zu spät. Wenn wir uns bewusst dazu entschieden hätten, eine Elektro-Band zu werden, hätten wir uns einen Namen gesucht. Aber wir haben einfach als Teil von Simian angefangen, nebenher als DJ zu arbeiten. Wir haben unsere Musik immer an Abenden und Wochenenden gemacht, mehr war nie geplant. Nun ist aber ein Album draussen. Und wenn man ein Album veröffentlicht, wird es zu etwas Neuem, was immer das auch sein mag.

Möchtet ihr euch noch eine Frage wünschen?
Jas: Das ist ja wohl die abgefahrenste Frage!
James: Ich könnte über den Irakkrieg anfangen. Was soll man denn sagen, ist wirklich abgefahren.

Das ist doch besser als wenn die Bands nur ihre neue Single am Ende des Interviews promoten wollen.
Jas: Wir sind wohl zu wenig kommerziell in unserem Geiste. Du solltest unser Marketing übernehmen. Und offensichtlich brauchen wir bessere Interview-Techniken. Kannst Du uns das beibringen?

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