Gesellschaft | 31.08.2007

Aufräumen und neu anfangen

Text von Lukas Stucki
Das Wasser ist weg, jetzt beginnt die Arbeit erst recht. Tink.ch warf einen Blick auf die Aufräumarbeiten im bernischen Lyss.
Der Schutt häuft sich. Fotos: Lukas Stucki Ein Anwohner beim Reinigen der Spielzeuge seiner Kinder. Ein Blick in den Keller der Modeboutique Knecht: Der Schlamm hat sich seinen Weg gebahnt.

Der Lyssbach fliesst wieder ruhig und gesittet durch das Städtchen, als wäre nichts gewesen. An seinen Ufern sind die Überreste der von ihm angerichteten Zerstörung jedoch noch immer allgegenwärtig. Ob überfüllte Mulden vor den Häusern, Sandsäcke auf dem Trottoir oder aufgerissene Strassen, wer dieser Tage an der Stadtbachpromenade vorbeikommt, wird die Zeichen der Verwüstung kaum übersehen können. Hausbesitzer reinigen ihre Habseligkeiten vom Schlamm, Ladenbesitzer leeren ihre Keller, die Feuerwehr pumpt Wasser aus den Häusern und Soldaten räumen den Schutt weg. „Die Schäden sind massiv“, erzählt ein Anwohner. Er ist gerade mit dem Reinigen von Kinderspielzeug beschäftigt. „Innerhalb von zwei Monaten musste ich jetzt alles zwei Mal ersetzen, Waschmaschine, Tumbler, Tiefkühltruhe, alles. Aber wir lassen jetzt ein Putzinstitut kommen, der Aufwand ist riesig, und es ist schlicht nicht genug Zeit vorhanden, alles selber zu machen.“ Zum Glück sei alles versichert, fährt er fort. Wegziehen wolle er aber nicht: „ich hoffe einfach, dass nun mit dem Lyssbach endlich etwas passiert. Einen Schutzwall oder etwas in der Art sollte man bauen.“

Die Stadtverwaltung ist gefragt

Da hätte bestimmt auch der Besitzer des Tattoostudios „Skinworx“, Roland Bader, nichts dagegen. Sein Geschäft wurde, wie viele andere auch, vom Hochwasser stark beschädigt. „Das ganze Mobiliar ist zerstört, das Hauptproblem sind jedoch die Schäden am Haus. Ich muss eine ganze Wand entfernen. Insgesamt dürfte sich der Schaden auf etwa 10’000 Franken belaufen. Zum Glück konnte ich die Geräte rechtzeitig in Sicherheit bringen.“ Auch er hat jedoch nicht vor, wegzuziehen. Im Gegenteil, er will sein Studio so schnell wie möglich wieder eröffnen: „Es ist einfach sehr mühsam, die ganzen Umstände die man hat, die Reinigung, der Wiederaufbau. Das ist das Schlimme.“ Über das Ausmass der Überschwemmung war auch er erstaunt. Es sei das erste Mal gewesen, dass derart viel Regen in so kurzer Zeit gefallen sei. Das habe ihm auch ein Rentner erzählt, der schon seit über 60 Jahren in Lyss wohne. „Wir wurden viel zu spät gewarnt“, fährt Bader fort, „als sie uns Sandsäcke brachten, war das Wasser schon drinnen.“ Er ist der Meinung, die Stadtverwaltung sollte nun etwas unternehmen, damit solche Überschwemmungen in Zukunft verhindert werden können. Alles in allem nehme er die Situation aber relativ gelassen hin, wie der Grossteil der Betroffenen. Man könne ja schliesslich nichts daran ändern.

„Das Einzige, was man tun kann, ist einander zu helfen.“ Und das wird denn auch getan, die Solidarität und Hilfsbereitschaft der Bevölkerung beschreibt Bader als sehr gross. Tatsächlich sieht man an allen Ecken und Enden jemanden anpacken und aufräumen. Über zehn Personen legen beispielsweise im Modegeschäft „Knecht“ Hand an, dessen ganzes Untergeschoss ein schlammbedeckter Trümmerhaufen ist. Der Boden ist mit Brettern ausgelegt, die zerstörten Kleider bereits herausgeschafft, doch noch immer wartet jede Menge Arbeit auf die Helferinnen und Helfer. Es wird wahrscheinlich noch Wochen dauern, bis alles wieder ist, wie es einmal war.

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