Jugendliche machen Live-Fernsehen

Am frühen Samstagabend ging es im mobilen Fernsehstudio von Buskers TV, bestehend aus einem Videoschnittwagen und einem alten Zirkuswagen, hektisch zu und her. Die Hauptprobe für die Präsentation vor Publikum war in vollem Gange. Da funktionierte noch so einiges nicht, es gab immer wieder Missverständnisse zwischen den Kameraleuten und der Regie. Dies sei jedoch auf die Müdigkeit der Jugendlichen zurückzuführen, sagte Projektleiterin Claudia Paiano: “Die nun Beinahe-Fernsehprofis haben während einer ganzen Woche streng nach Plan gearbeitet, und das macht eben sehr müde.”  

Die Hauptsendung am späteren Abend, als es bereits dunkel war, verlief dann aber wie geplant. Zwar gab es kleinere Fehler, die aber kaum ins Gewicht fielen. Das provisorische Fernsehstudio auf dem Waisenhausplatz füllte sich während der Übertragung auf Grossleinwand zunehmend, zog mehr und mehr Zuschauerinnen und Zuschauer an. Die dankten am Ende den Jugendlichen für ihre Arbeit mit Applaus.  

Nach der Sendung konnte Tink.ch kurz mit den Teilnehmenden des Projekts Buskers TV sprechen. In einem Punkt waren sich alle einig: Sie freuten sich, dass sie nun nach Hause gehen konnten, um sich vom stressigen Alltag eines Fernsehreporters zu erholen. “Wir haben alle sehr viel gelernt” sagte Brian, der sich als Moderator betätigt hatte: “Ich würde es jederzeit wieder machen.”

Links

Aufräumen und neu anfangen

Der Lyssbach fliesst wieder ruhig und gesittet durch das Städtchen, als wäre nichts gewesen. An seinen Ufern sind die Überreste der von ihm angerichteten Zerstörung jedoch noch immer allgegenwärtig. Ob überfüllte Mulden vor den Häusern, Sandsäcke auf dem Trottoir oder aufgerissene Strassen, wer dieser Tage an der Stadtbachpromenade vorbeikommt, wird die Zeichen der Verwüstung kaum übersehen können. Hausbesitzer reinigen ihre Habseligkeiten vom Schlamm, Ladenbesitzer leeren ihre Keller, die Feuerwehr pumpt Wasser aus den Häusern und Soldaten räumen den Schutt weg. “Die Schäden sind massiv”, erzählt ein Anwohner. Er ist gerade mit dem Reinigen von Kinderspielzeug beschäftigt. “Innerhalb von zwei Monaten musste ich jetzt alles zwei Mal ersetzen, Waschmaschine, Tumbler, Tiefkühltruhe, alles. Aber wir lassen jetzt ein Putzinstitut kommen, der Aufwand ist riesig, und es ist schlicht nicht genug Zeit vorhanden, alles selber zu machen.” Zum Glück sei alles versichert, fährt er fort. Wegziehen wolle er aber nicht: “ich hoffe einfach, dass nun mit dem Lyssbach endlich etwas passiert. Einen Schutzwall oder etwas in der Art sollte man bauen.”

Die Stadtverwaltung ist gefragt

Da hätte bestimmt auch der Besitzer des Tattoostudios “Skinworx”, Roland Bader, nichts dagegen. Sein Geschäft wurde, wie viele andere auch, vom Hochwasser stark beschädigt. “Das ganze Mobiliar ist zerstört, das Hauptproblem sind jedoch die Schäden am Haus. Ich muss eine ganze Wand entfernen. Insgesamt dürfte sich der Schaden auf etwa 10’000 Franken belaufen. Zum Glück konnte ich die Geräte rechtzeitig in Sicherheit bringen.” Auch er hat jedoch nicht vor, wegzuziehen. Im Gegenteil, er will sein Studio so schnell wie möglich wieder eröffnen: “Es ist einfach sehr mühsam, die ganzen Umstände die man hat, die Reinigung, der Wiederaufbau. Das ist das Schlimme.” Über das Ausmass der Überschwemmung war auch er erstaunt. Es sei das erste Mal gewesen, dass derart viel Regen in so kurzer Zeit gefallen sei. Das habe ihm auch ein Rentner erzählt, der schon seit über 60 Jahren in Lyss wohne. “Wir wurden viel zu spät gewarnt”, fährt Bader fort, “als sie uns Sandsäcke brachten, war das Wasser schon drinnen.” Er ist der Meinung, die Stadtverwaltung sollte nun etwas unternehmen, damit solche Überschwemmungen in Zukunft verhindert werden können. Alles in allem nehme er die Situation aber relativ gelassen hin, wie der Grossteil der Betroffenen. Man könne ja schliesslich nichts daran ändern.

“Das Einzige, was man tun kann, ist einander zu helfen.” Und das wird denn auch getan, die Solidarität und Hilfsbereitschaft der Bevölkerung beschreibt Bader als sehr gross. Tatsächlich sieht man an allen Ecken und Enden jemanden anpacken und aufräumen. Über zehn Personen legen beispielsweise im Modegeschäft “Knecht” Hand an, dessen ganzes Untergeschoss ein schlammbedeckter Trümmerhaufen ist. Der Boden ist mit Brettern ausgelegt, die zerstörten Kleider bereits herausgeschafft, doch noch immer wartet jede Menge Arbeit auf die Helferinnen und Helfer. Es wird wahrscheinlich noch Wochen dauern, bis alles wieder ist, wie es einmal war.

Links

“Unverständlich und unverantwortlich”

Dieses Jahr bekam der Gaskessel von der Stadt Bern über 400’000 Franken zugesprochen, wovon etwas mehr als die Hälfte für die Jugendarbeit verwendet werden konnte. Nun soll dieser Betrag um 24’000 Franken gekürzt werden, obschon bereits vor fünf Jahren 50’000 Franken gestrichen wurden. Da die Ausgaben, beispielsweise die Miete des Geländes, im kommenden Jahr nicht sinken werden, würde sich das Streichen dieses Betrages direkt auf die Leistungsangebote des Gaskessels auswirken. Konkret davon betroffen wären die Arbeit mit sozial benachteiligten Jugendlichen, und die Unterstützung von Jungmedien wie Tink.ch, welchen der Gaskessel Computer, Kopierapparat, Scanner und Sitzungsräume zur Verfügung stellt.

Kommerz statt Kultur

Die jugendlichen Vereinsmitglieder zeigen sich enttäuscht und frustriert. Zwischen acht- und neuntausend Arbeitsstunden stecken sie jährlich in die verschiedenen Projekte, unentgeltlich. Sie empfinden die erneute Kürzung als Geringschätzung ihres Engagements. In Zeiten in denen über Jugendgewalt, Alkoholexzesse und Jugendarbeitslosigkeit lamentiert werde, sei eine Kürzung von anerkannt erfolgreichen Angeboten unverständlich und unverantwortlich, findet Jeremias Krebs, Vorstandsmitglied des Gaskessels. Auswirkungen könnte die erneute Streichung auch auf das kulturelle Angebot des Gaskessels haben, fürchtet er: “Die Leistungsabgeltung der Stadt ist für die geleistete Jugendarbeit im Gaskessel gedacht. Das kulturelle Programm finanziert sich jedoch selber, mehr noch, es trägt wesentlich zum hohen Eigenerwirtschaftungsgrad (50 Prozent des Budgets) bei. Je tiefer der Beitrag der Stadt sinkt, desto höher wird der Druck auf kultureller Seite kommerziell zu fahren. Mit der Sparübung könnten einzelne Plattformen zur Kulturförderung im Gaskessel eingehen.” Als besonders kritisch erachtet der Vorstand des Gaskessels die Tatsache, dass die Stadt nun exakt jene Leistungen kürzen will, welche im Jahr 2004 vom Stadtrat per Motion gefordert wurden. Der Gaskessel will die Politiker und Behörden nun dazu auffordern, den Sparentscheid neu zu beurteilen.

Links

Ein Hafen kämpft ums Überleben

Die Geschichte findet ihren Beginn im März 2005 am Küchentisch einer Gattiker Wohngemeinschaft, wo fünf junge Geister voller Einfälle und mit einem gemeinsamen Ziel aufeinander treffen: Gattikon soll mehr sein als nur die das Haus der Wohngemeinschaft beherbergende Ortschaft. Man hegt den Wunsch, hier zu leben, und dies nicht nur in Form einer isolierten WG, sondern mit den Einwohnern Gattikons zusammen. Bald zeichnet sich ab, auf welche Weise das Vorhaben realisiert werden soll: Ein Festival wird ins Leben gerufen. Die Philosophie: Junge Künstler aus den verschiedensten Sparten sollen Gattikon für zwei Tage zu ihrem Brennpunkt machen. Im Mittelpunkt steht dabei nebst den Auftritten das Ambiente eines Festes für jedermann und nicht zuletzt der kulinarische Genuss. Eintrittsgelder lehnen die fünf Gründer ab. Die Helfer arbeiten freiwillig, von Künstlergagen wird abgesehen. Wer an der spelunke mitwirkt, hat Gefallen am Gedanken dahinter. Der ursprüngliche Plan eines Vorplatz-Festes für Nachbarn und Freunde wird wieder verworfen – zugunsten eines Dorffestivals auf dem Sportplatz Schweikrüti. Der Jugendrat  und die Gemeinde Thalwil unterstützen das Projekt.

Nach zahllosen Arbeitsstunden geht während zweier Tage im September 2005 das erste liebevoll als Hafen gestaltete Fest mit Konzerten, Kino, Theater und Tanz über die Bühne. Trotz Werbung nimmt Gattikon wenig Notiz davon. Eine Besucheranzahl zwischen 250 und 300 kann auf die beiden Festivaltage verteilt verzeichnet werden. Aus Gattikon selbst allerdings erscheint kaum jemand. Von den im Rahmen der Anwohnerinformation verteilten Getränkebons werden gerade mal drei eingelöst. Die Finanzierung gestaltet sich nach den bescheidenen Einnahmen problematisch.

Im Folgejahr dehnen die Veranstalter die Dauer des Festivals auf drei Tage aus, um der Diversität in der Kleinkunst-Szene gerecht zu werden. Es fehlt weder an Infrastrukturellem wie Schlafgelegenheiten und Shuttle-Bus noch an abwechslungsreichen Programmpunkten. Selbst Kinder-Workshops werden durchgeführt. Der Hafen wird mit einem Leuchtturm ergänzt. Nur: Man vermisst das Publikum. Zeltplatz und Shuttle-Bus bleiben abgesehen von Fahrten für die Künstler unbenutzt, einzelne Bands spielen trotz freiem Eintritt tapfer vor spärlich besetzten Rängen. Dass die Zürcher den Weg nach Gattikon nicht finden, ist nachvollziehbar. Zu gross ist die Festivalflut im Sommer 2006, zu laut die Werbetrommel der mächtigen Veranstalter, die ihre Openairs unter kommerziellen Gesichtspunkten gestalten. Für Zürcher ist es schwierig, sich diesem Einfluss zu entziehen; im besten Falle besuchen sie eines der kleineren Openairs in der Stadt. In von Konsum und Konkurrenz geprägten Zeiten ist es für ein alternatives Festival wie die spelunke in vivo eine schwer zu meisternde Herausforderung, sich ernsthaft zu etablieren.

Wo aber bleiben die Gattiker? Weshalb entsagen sie einem der wenigen kulturellen Anlässe in ihrem eigenen Dorf? Es kann nur spekuliert werden. Der Verein spelunke in vivo existiert im Gegensatz zu alteingesessenen Vereinen erst seit kurzem. Ein Grund mag in der noch zu grossen  Skepsis gegenüber dem Fest der Zugezogenen liegen – dann ist das Anerkennen desselben vermutlich nur eine Frage der Zeit. Vielleicht konnte sich die Werbung neben dem Bombardement anderer Werbender noch nicht genügend durchsetzen. Es stellt sich aber auch die Frage, ob das mangelnde Interesse etwa daher rührt, dass Gattikon kein Dorffestival braucht. Ob es illusorisch ist, auf dem Sportplatz eines 2500-Seelen-Dorf ein alternatives Kulturfestival ansiedeln zu wollen.

Der diesjährige Einsatz des Organisationskomitees jedenfalls zeugt von Durchhaltewillen – und von Vertrauen in Gattikon und Thalwil, wird doch das finanzielle Risiko zu einem grossen Teil vom OK  persönlich getragen. Die spelunke bleibt sich treu und setzt auf Kreativität, Humor und Gesellschaftlichkeit statt Kommerz. Vom 31. August bis zum 2. September wird sich zeigen, ob das Festival bereits tiefer in das Gattikoner Bewusstsein einzudringen vermochte. Nebst lokalen Bands   stehen weitere Konzerte wie die Zürcher Gully and the Pepperhumbels, diverse Filme, das charmante Märchen-Theaterduo Zwärgfäll und weiteres auf dem Programm. Für gesättigte Mägen ist mit dem Bio-Restaurant im Festzelt (der buchstäblichen Spelunke) gesorgt.

Die Hoffnung, dass die spelunke in vivo bei den Ortsansässigen Anklang finden wird, besteht jedenfalls fort. Klar Schiff für die „lebendige Taverne“!

Freitag, 31. August bis Sonntag, 2. September 2007, Schweikrütiplatz in 8136 Gattikon.

Anreise: vom HB mit S4 bis Langnau-Gattikon oder Thalwil. Bus 140 / 240 bis Gattikon. Gratis Shuttle-Bus ab Bahnhof Thalwil.

Weitere Informationen und Programm: www.spelunke.ch

Links

Trampen gegen Armut

Im Jahr 2000 haben alle Regierungen der Welt die Milleniumsziele beschlossen, um  Armut und Hunger bis 2015 zu halbieren. Die Bilanz zur Halbzeit zeigt: Es bleibt noch viel zu tun. Basel wird am 6. September in die europäische Kampagne Eurizons eingebunden, die in der Bevölkerung das Bewusstsein für diese Ziele schärfen will.

In Basel wird die Umsetzung der Entwicklungsziele breit thematisiert: Im September und Oktober machen verschiedene Organisationen und Kirchen, darunter Terre des Hommes, Brot für alle und Fastenopfer, auf die Verantwortung der Schweiz zur Umsetzung der Millenniumsentwicklungsziele aufmerksam: Am 6. September ist Basel Gastgeber von Eurizons, der europäischen Kampagnentour für globale Verantwortung. Am 17. Oktober finden Aktionen zum Tag der Armut statt und während den ganzen zwei Monaten werden in der Altstadt Unterschriften für die Petition “0.7 % – gemeinsam gegen Armut” gesammelt.

Halt im Gundeli

Am 22. August 2007 starteten in Riga 40 junge Europäerinnen und Europäer aus vierzehn Ländern zur Tramptour für globale Verantwortung. Ihre Aktion Eurizons 2007 führt sie über 3’000 Kilometer zum Sitz der Europäischen Union in Brüssel. Ihr Ziel ist es, den europäischen Bürgerinnen und Bürgern Entwicklungsfragen, globale Abhängigkeiten und die UN-Milleniums-Entwicklungsziele ins Bewusstsein zu rufen.So werden sie zum Beispiel Passantinnen und Passenten mittels Strassentheater in ein Spital in Südafrika versetzen oder den Zusammenhang zwischen Schokolade und Armut aufzeigen.

Entlang ihrer Tour stoppen sie auch in Basel: Eine Gruppe junger Schweizerinnen und Schweizer wird am 6. September im Gundeli gemeinsam mit Menschen aus vielen europäischen Ländern die Ziele der Tour den Basler Bürgerinnen und Bürgern näher bringen.Mit einem Schulbesuch am Morgen werden speziell Jugendliche für das Thema sensibilisiert während die Strassenaktionen in der Basler Innenstadt am Nachmittag an eine breite Bevölkerungsschicht gerichtet sind. Am Abend wird im Gundeldinger Feld ein abwechslungsreiches Programm mit einem NGO-Markt, einer Podiumsdiskussion und einem Konzert von Strozzini, Swiss-Top-Band des Monats Mai von DRS 3, geboten. Der Eintritt ist für alle frei.

Links

  • Sinnlose Gewalt, überraschende Extras

    Las Vegas-Unterhalter und Mafia-Liebling Buddy “Aces” Israel hat sich das FBI-Zeugenschutzprogramm und eine Aussage gegen seinen Ex-Paten Primo Sparazza ausgesucht, um gemütlich von der Bildfläche zu verschwinden. Der grosse Haken dabei ist dessen Aufruf, Aces für ein Kopfgeld von einer Million Dollar umzulegen.

    Für eine solche Summe macht sich schon der eine oder andere Auftragskiller auf den Weg nach Lake Tahoe, wo Buddy vom FBI bewacht wird und seiner Aussagen entgegenfiebert. Mit den verschiedensten Plänen versuchen diese nun, an den Sicherheitskräften vorbei zu kommen und den verfrackten Informanten vor ihren Konkurrenten zu töten.

    Viel Gewalt – Wenig Sinn

    Der vor kurzem auf DVD erschienene Film führt nun die Handlungsstränge der einzelnen Attentäter zusammen und lässt sie in einer nicht enden wollenden Gewaltorgie eskalieren. Das ganze erinnert durchgehend an bekannte Filme von Quentin Tarantino – mit dem Unterschied, dass Smokin’ Aces sinnlos sadistisch und platt rüberkommt. Nichtsdestotrotz schafft es der Film, den Zuschauer in seinen Bann zu ziehen und lässt ihn ein wenig mitfiebern. Nebenbei angemerkt ist dies der erste Film, in dem Ben Affleck in seiner Rolle stirbt. Das ist doch auch was.

    Überraschende Extras

    In letzter Zeit kamen immer weniger DVDs auf den Markt, welche mit Zusatzmaterial gut bestückt waren – dieses behielt sich man meist für eine teurere Special Edition vor. Umso erfreulicher ist die Masse an Extras welche sich auf dieser DVD verbergen. Von einem langen Making-Of bis hin zu einem alternativen Ende findet der Filmliebhaber einfach alles, was das Herz begehrt. Bild und Ton sind durchgehend Hochwertig – und das nicht nur in den HD-DVD-Versionen.

    Variationenreich

    Smokin’ Aces erschien am 23. August in mehreren Versionen. Zum einen wäre da die normale DVD-Variante mit den oben beschriebenen Extras. Diese gibt es auch in einer Metallbox. Zusätzlich ist eine Kombi-Disc erschienen, auf deren einen Seite eine DVD und auf der anderen eine HD-DVD eingepresst ist. In welcher Form und ob man sich den Film überhaupt kaufen will, ist letztendlich aber Geschmackssache.

    Links

Nietengürtel trifft Polo-Shirt

“Sie sind noch sehr klein. . .” Weiter musste die Moderatorin bei der Verkündigung der Sieger nicht mehr sprechen. Sofort war klar, wer den beliebten Nachwuchsband-Wettbewerb des Kanton Zürichs gewonnen hatte. Die Punkband Summit, die mit dem süssen ein Meter sechzig grossen Pilzkopfsänger Max Kämmerling bereits den “Jööh”-Bonus hatten. Und Gegensätze ziehen sich ja bekanntlich an: So wollten die vier Jungs auf Italienisch angesagt werden, sangen aber Deutsch. Zur rechten Seite ein Punker an der Gitarre, mit verschlissenen Jeans, Nietengürtel und Streifenpullover, zur linken Seite ein braver, im Polo-Shirt gekleideter Bassist, der sein Instrument ein wenig zu eng umgeschnallt hatte. Als dann Maiky, wie der 14-jährige Leadsänger von seinen Kollegen genannt wird, über Leute mit zu viel Selbstmitleid oder dem Lehrerliebling-Bonus sang, gab es schnell welche, die mit ihm “Arschkriecher sind hier nicht erwünscht” mitschrieen.

Eine Stimme wie ein Zigipäckli

In eine ganz andere Kategorie fielen die Zweitplatzierten Marylane. Bei der Sängerin Larissa Bretscher fielen zuerst die leuchtend orangen Haare auf und danach ihre Stimme, die auch den vielen anwesenden Punker- und Heavy-Metal-Typen ein “Wow” entlockte. Das Soundgenre in das die vier Klassenkameraden von einem musischen Gymnasium passen, nennt sich Trip-Hop und produziert, ganz ohne Gitarre, nur mit Bass, Keyboard und Schlagzeug, träumerische Klänge und hüfteschwingende Musik. Die Nebelmaschine ist dabei Pflichtprogramm. Die Drittplatzierten brauchten gar nicht mehr extra gerühmt zu werden, das übernahm ihr grosser und lauter Fanclub. Delirium produzieren Melodic Death Metal und “singen” als hätten sie den Inhalt eines Zigarettenautomaten verschluckt. Doch dass sie ihr Genre verstanden, zeigten die ersten Reihen, die nur aus schwingenden Mähnen bestanden. Alle drei Gewinnerbands haben nun die Aufgabe, möglichst viele Konzerte zu organisieren um sich für jedes gespielte von Migros Kulturprozent eine Gage einzuholen, welche je nach Platzierung variiert.

Ein Schulschwarm als Sängerin

Auch sonst wurde der Rock und Punk zelebriert. Da waren die Sound-Detectives, deren blonde Sängerin bestimmt der Schulschwarm aller Jungs ist, und die über ihr Leben und dessen Schwierigkeiten sang, begleitet von angenehmen Schulrock. Dann die Snippets die nicht nur rockten, sondern mit einem klassischen Geigenspieler auch Originalität bewiesen und für ruhigere, emotionale Momente sorgten. Dann die Drunken Trolley die beim letzten “Band-it” noch gar nicht existierten und so ihren grossen Auftritt genossen. Und zu guter Letzt noch Lyric Dagger, die sich in Ekstase spielten und ihre Köpfe stets im Rockrhythmus bewegten.

Links

Land der Schmelzkäsemoderatoren

“Hier Urlaub zu machen ist toll, aber hier zu leben ist die Hölle. Die Wirtschaft läuft schlecht.” Plötzlich ist das Lachen von den Gesichtern der beiden Frauen verschwunden. Sie sitzen an einer Bushaltestelle in Narbonne, einer Stadt in Südfrankreich. Nebenan im Straßengraben liegt ein verrostetes Auto. Vor zwei Jahren sind sie aus Paris in diese in der Region Languedoc-Roussillon gelegene Stadt gekommen. Jetzt fahren sie jeden Tag mit dem Bus durch die Gegend, der kommt alle zwei Stunden. Es scheint ihre einzige Beschäftigung zu sein. Ihren Humor haben sie trotzdem nicht verloren. Denn das Lachen ist für Franzosen das Wichtigste im Leben.

Schon ein paar Ecken weiter rast eine Oma mit ihrem klappernden Auto vorbei. Aus dem Auto dringt Musik. Obwohl man in Frankreich lieber kein Radio hören sollte. Denn Radio Narbonne lässt öfters einmal Nena mit ihren 99 Luftballons in den Himmel steigen und ansonsten gibt es original französische Schmelzkäsemoderatoren zu hören. Die scheinen eine besondere Liebe zu ihrer eigenen Stimme entwickelt zu haben: Selbstverliebt quatschen sie von früh bis abends, ohne Mittagspause.

Verhungerte und verwirrte Touristen

Dabei nimmt die französische Siesta sonst eine ganz besonders wichtige Stellung ein. Jeder vernünftige Laden schließt mittags mindestens drei Stunden. In dieser Zeit irren dann fast verhungerte und verwirrte Touristen durch die Städte. Die Türen werden einem meist direkt vor der Nase zugemacht. Besonders viel Glück braucht man bei Läden, die genau zwei Stunden am Tag geöffnet haben.
 Vor einem Geldautomaten hält ein Motorrad, der Fahrer hat es anscheinend nicht nötig abzusteigen. Das ist das Südfrankreich, wie man es aus  Reiseführern und von den Postkarten kennt – schnell, unkompliziert und schön. Der Wind weht über Palmen. Einkaufsstraßen liegen im Licht der untergehenden Sonne da, die Wellen plätschern. Ein Tourist steckt sich in einem Geschäft gelangweilt Ringe an seine Finger.

“Schönes Brot, schöne Frauen”

 Das Land lebt von Touristen wie diesem. Denn der Tourismus spült jeden Sommer zuverlässig Geld in Kassen, wie die von Samy. Mit seiner Frau betreibt er einen Lebensmittelladen auf einem Campingplatz. Er sagt, ihm mache es Spaß in seinem Geschäft zu arbeiten. Dort ist immer Bewegung, er lernt jeden Tag neue Menschen kennen. “In Frankreich zu leben ist toll. Hier gibt es schönes Brot und schöne Frauen”, erzählt Samy, lacht und verkauft zwischendurch Baguettes. Natürlich gäbe es Dinge, die ihm nicht so gut gefielen. Die Politik wäre da so ein Punkt. Konkreter wird er nicht – über Probleme spricht Samy nicht gern.

Schon im nächsten Laden ist von dieser Freude nichts mehr zu spüren. Während ich den neuesten Trend – Hosen mit Blumenmuster – anprobiere, wartet vor der Umkleidekabine eine Verkäuferin auf mich. Als ich dann herauskomme, fragt sie mich etwas zu schroff, was ich nehmen möchte. Ich bekomme den Eindruck, dass jeder Schritt von mir in diesem Laden überwacht wird. Draußen auf dem Markt ist der Verfolgungswahn verschwunden. Bis ich mich wohl etwas zu lange für ein Kleidungsstück interessiere. “Wollen Sie es nun oder wollen Sie es nicht?”, fragt mich der Verkäufer verärgert. Ich will es nicht – und diesen Markt will ich auch nicht.

Keine Handymusik
Nach der ernüchternden Shoppingtour bietet wenigstens das Mittelmeer eine Erholungsmöglichkeit. Doch am Strand rast die Küstenwache hin und her und jagt vereinzelt Urlauber aus dem Wasser. Außer Sprit zu verbrauchen und die Wassertemperaturen anzusagen haben sie weiter nichts zu tun. Als allerdings tatsächlich ein Boot auf das offene Meer hinaustreibt kommt kein Rettungsboot – Mittagspause anscheinend. In dem Boot ist glücklicherweise  niemand – inzwischen ist es am Horizont verschwunden.
Auf dem Campingplatz übernachte ich direkt neben einer Gruppe französischer Jugendlicher. Aber anstatt der erwarteten blechernen Handymusik höre ich echten Gesang. Bis nach Mitternacht höre ich mit zu, wie sie zusammensitzen und lachen. Schlafen kann ich zwar nicht, aber ich habe das gefunden, was ich in Frankreich gesucht habe. Es ist dieser Lebensstil, einfach glücklich zu sein. Am nächsten Morgen scheint die Sonne. Und auch die zwei Frauen von der Bushaltestelle sehe ich wieder. Sie kommen vom Einkaufen – und natürlich: Sie lachen.

Reise ins Traumland

Auch dieses Jahr entführt der Zirkus Knie Klein und Gross in eine andere Welt. Mit seinem neuen Programm “Fantastico” bringt er Kinderaugen zum Leuchten und lenkt für zweieinhalb Stunden von den Alltagssorgen ab.

Der Schritt in eine andere Welt

Mit dem Betreten des Zirkusareals hat man bereits einen Schritt in eine andere Welt gemacht. In der Luft liegt der Geruch von frischem Popcorn und Sägemehl, Pferde wiehern und die altbekannte Zirkusorgel begleitet die Gäste musikalisch durch den Eingangsbereich. Gemütlich trinkt man am Zirkusbuffet noch etwas, bevor man das Zelt betritt. Kinder ziehen ihre Eltern ins Zirkuszelt und können den Beginn des Programms “Fantastico” kaum noch abwarten. Es werden noch schnell die letzten Glaces gekauft und anschliessend die Plätze eingenommen.

Der unberechenbare Eingang

Jetzt ist es plötzlich fast leer rund herum ums rot-weisse Zirkuszelt. Das Publikum wartet nun gespannt auf die Show. Doch was passiert denn nun eigentlich hinter dem Zelt? Wie werden die einzelnen Nummern vorbereitet? Wie kommen die Elefanten ins Zirkuszelt und woher wissen die Artisten, wann sie auftreten müssen? Während unserem Aufenthalt in den für die Gäste unzugänglichen Bereichen haben wir versucht, auf diese Fragen eine Antwort zu bekommen.

Es ist ganz schön dunkel hinter dem Zirkuszelt und man muss aufpassen, um nicht über etwas zu stolpern. Direkt beim Artisten-Eingang gibt es einen Fernseher, auf dem man die gesamte Manege überblicken kann. Dies dient eigentlich allem dazu, dass die Artisten und Artistinnen wissen, wann sie auftreten müssen. Um dies jedoch zu sehen, ist ein solcher Fernseher schon lange nicht mehr nötig. Die Musik allein reicht aus, um anzugeben, wann wer die Manege zu betreten hat.

Zoggeli gegen den Dreck

Der Artisten-Eingang ist manchmal unberechenbar. Bei einigen Nummern geht es hektisch zu und her, weil viele Requisiten gebraucht werden oder man vieles umbauen muss. Auch bei Tiernummern oder grossen Gruppen wird es dort ziemlich eng und die Aufregung steigt. Bei der Compagnie, welche dieses Jahr die Ouverture des Zirkus Knie macht, konnte man eine lustige Entdeckung machen. Die Artistinnen dieser Nummer hatten alle “Holzzoggeli”-Schuhe, welche sie während ihrem Auftritt vor dem Zelt deponierten um danach wieder mit sauberen Füssen zu ihren Wohnwagen zu gelangen.

Stimmung hinter den Kulissen

Wer denkt, dass hinter den Kulissen des Zirkus überall grosse Nervosität herrscht, hat falsch gedacht. Artisten albern mit Clowns herum, man sitzt gemütlich zusammen auf dem Artisten-Bänkli und unterhält sich ein wenig über Gott und die Welt. Auch die Pferde nehmen es locker. Etwa zwei Nummern vor ihrem eigenen Auftritt werden sie vor den Zelteingang geführt und in einer Reihe aufgestellt. Ganz konzentriert sehen die Jungpferde aus. Fast so, als würden sie sich bereits auf ihre Show vorbereiten. Von den Pflegern werden die eleganten weissen Pferde dann zum Eingang der Manege geführt, wo sie dann anschliessend das Publikum verzaubern. Nach getaner Arbeit traben sie dann erschöpft zu ihren Pflegern und werden nach einer kleinen Belohnung wieder zurück in ihre Ställe geführt. Für die Hohe Schule mit Géraldine Katharina Knie und Rebecca Fratellini werden die Pferde zuerst eingeritten, so dass sie für ihre Darbietung schon ein wenig warm werden können.

Und wie kommen die Elefanten ins Zelt?

Nach der Pause ist es dann soweit. Die Elefanten sind an der Reihe. Ganz gemütlich folgen sie ihren Pflegern vor den Eingang. Damit die Tiere sich während der Wartezeit nicht langweilen, werden auf dem gesamten Boden Leckerli verteilt. So gönnen sich die Elefanten noch einen Schnell-Imbiss vor dem grossen Auftritt. Kaum sind die Elefanten in die Manege einmarschiert wird der Vorplatz des Zeltes saubergemacht.

Zurück in die Realität

Während die grauen Riesen im Zirkuszelt Gross und Klein zum Staunen bringen, geht für Tink.ch der Tag hinter den Kulissen des Zirkus Knie langsam vorüber. Ein Tag in einer anderen Welt. Verzaubert und noch immer mit dem Geruch von frischem Popcorn in der Nase betritt man nun wieder die reale Welt. Doch kein Grund zur Sorge, denn der Zirkus Knie kommt im nächsten Jahr wieder und bringt Jung und Alt zum Träumen.

Info:


Vom 23. August bis zum 13. September gastiert der Zirkus Knie im Plaine de Plainpalais in Genf.

Links