Kultur | 30.07.2007

Zeitgeistiges von Corgan und Co.

Text von David Vorholt
Den Smashing Pumpkins ist es gelungen, ein Album zu schaffen, das neben "Mellon Collie and the Infinite Sadness" bestehen kann. In diesem Sinne: Hut ab, Totgesagte leben länger.
Billy Corgan, der Schlafwandler. Fotos: www.smashingpumpkins.com Das Cover des neuen Albums "Zeitgeist"

Der einsame Kämpfer Billy Corgan und sein einst verlorener Sohn Jimmy Chamberlin, ihres Zeichens die Köpfe der Smashing Pumpkins sind zurück. Nach diversen Bandbesetzungen in der Vergangenheit und den Absagen ehemaliger Bandmitglieder für eine Reunion entschloss man sich kurzerhand die Sache alleine anzugehen. Das Ergebnis: Ihr neues Studioalbum „Zeitgeist“. Der Name Zeitgeist ist Programm und beim ersten Betrachten wird sofort deutlich, dass dieser Begriff wohl der botschaftliche Leitfaden des neuen Pumpkins-Werkes ist. Gewohnt extrovertiert kommt das Album daher. Was Corgan unter Zeitgeist versteht wird spätestens bei Betrachtung des Booklets mehr als deutlich. Eine posende Paris H. vor einem explodierenden Atompilz stellt drastisch den Gegensatz dar; den heutigen „Zeitgeist“.

Polarisierende Stimme

Musikalisch geht es sofort zur Sache; Doomsday Clock rockt ungemein nach vorne und stellt direkt klar, dass Zeitgeist ein kompromissloses Werk ist. Der Sound ist frisch und zieht den Zuhörer direkt in seinen Bann. Völlig egal ob Ur-Pumpkins-Fan oder ein völlig unvorhereingenommener Hörer, der Song macht Lust auf mehr. Und mehr gibt es. Harte Gitarrenriffs und treibende Drums setzen sich auch bei den folgenden Songs fort. Erstaunlich ist es, wie die „Kürbisrocker“ es schaffen, trotz des harten Sounds gute melodiöse Rocksongs zu bieten, die aber trotzdem nicht nach „stumpfem“ College-Rock klingen. Eine erste kleine Verschnaufpause bietet „Bleeding the Orchid“. Das Niveau bleibt aber hoch; Corgan näselt wie in besten Zeiten. Auch wenn die Stimme wohl eine der polarisierensten im großen, weiten Rock-Universum ist, begeistert doch grade diese Tatsache. „That´s the way (my love is)“ hält den Zuhörerpuls weiter hoch und „Tarantula“ kann diesen sogar noch steigern. Man könnte zum ersten mal vorsichtig von „Hitpotenzial“ sprechen und der ganz mutige Zuhörer dürfte jetzt auch die Luftgitarre auspacken. Das folgende „Starz“
beweist echten Hymnencharakter; besser als jede „Black Parade“, von der Band, die man einfach nicht mögen kann (Anm. d. Red.: Die Rede ist von My Chemical Romance).

Gefühlsausschnüttung

Halbzeit; immer noch Begeisterung, wenn man bedenkt, dass viele ein weiteres Pumpkins-Album für unmöglich hielten, erst recht ein so gutes. „United States“ setzt diese „Rock-Oper“ nahtlos fort, bevor das wunderschöne „Neverlost“ unglaublich melancholisch und schwerfällig aus den Boxen regnet. „Bring the lights“ und „(Come on) Let´s go“ rocken weiter und stehen ihren Vorgängern in nichts nach. Den Abschluss des Albums machen das etwas undefinierte „For god and country“ und die finale, musikalische Gefühlsausschüttung „Pomp and circumstances“. Spielende; grandioser Sieg für das Team Corgan/Chamberlin. Verlängerung war nicht nötig, 12 Songs reichen aus um zu begeistern.

Info


Das Album "Zeitgeist" der Smashing Pumpkins  ist erschienen bei Warner Music und überall im Handel erhältlich.